Aachen - Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy begeistert im Eurogress

Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy begeistert im Eurogress

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Unverblümte Einsichten zur Befindlichkeit der Frau von heute: Ildikó von Kürthy und Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt verblüfften im Eurogress mit bahnbrechenden (Selbst-)Erkenntnissen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn von Ayurveda-Kochbüchern, figurformender Latexwäsche und Beckenböden namens Bodo die Rede ist – dann können Frauen nicht weit weg sein. Richtig! Denn genau um solche Themen drehte sich auch der Samstagabend im Eurogress.

Schlanke, korpulente, junge und ältere Frauen, Brünetten, Blondinen – sie alle kamen zusammen und hingen an den Lippen einer Frau: Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy, die ihr aktuelles Buch „Neuland“ in einer szenischen Lesung auf der Bühne lebendig werden ließ.

Ein Land der (scheinbar) unbegrenzten Möglichkeiten, der Skurrilitäten, der Erkenntnisse. Die 48-Jährige ließ ihren tatsächlich realisierten einjährigen Selbsterfahrungstrip, den sie auf rund 400 Seiten niedergeschrieben hat, noch einmal im Zeitraffer Revue passieren – Alkoholverzicht, Survival Training im Zelt mitten in der Wildnis, Yogastunden, Botoxsitzungen, der Selbstverteidigungskurs für Frauen mit Selbstschutzlehrer Detlef und die Verwandlung in eine Blondine.

Was manch eine Frau in ihrem ganzen Leben nicht schafft, hat die Wahl-Hamburgerin mit Aachener Wurzeln in einem Jahr konsequent durchgezogen. Für einen Menschen mit – wie sie selbst augenzwinkernd behauptet – eher schlichten Neigungen wie Kuchen essen, Sonnenbaden, Serien gucken und Romane im Bett lesen (mit zwei dicken Kissen im Rücken) eine wahre Überwindung. Was kann man in der Lebensmitte noch erwarten? Welche Abenteuer sind vielleicht noch drin? Welchen Sinn möchte man seiner zweiten Lebenshälfte geben? Eines hat von Kürthy während ihres Selbstexperiments trotz der einen oder anderen Durststrecke glücklicherweise nicht verloren: ihren Humor. Und so ist ein Buch entstanden, das vor Wortwitz nur so strotzt.

Für ihre Lesung in Aachen holte sich von Kürthy Unterstützung aus der alten Heimat: Grenzland-Theater-Intendant Uwe Brandt. Auf der Bühne verwandelte er sich in ihr männliches Alter Ego und sorgte so für zusätzliche Lacher. Aussagen wie „Mein Beckenboden ist nach zwei Geburten komplett ausgeleiert“ erhielten aus seinem Mund eine skurril-witzige Note. Die wenigen Männer im Publikum mussten wirklich stark sein. Denn an diesem Abend kam alles unverblümt zur Sprache, was Frauen wirklich bewegt. Ungeschminkte Wahrheiten, Frauenprobleme, die ziemlich deprimieren würden, wenn sie nicht von der Autorin in witzige Worte gepackt würden.

„Die unzufriedene Frau mit 40 ist eine tickende Zeitbombe. Sechs Millionen Stück allein in Deutschland“, so von Kürthy. Von Jivamukti-Yoga, Paleo-Diät, Frisuren, die aussehen wie ein Flokati, und zweckentfremdeten Negligés zum Putzen für Silber, definierten Oberarmen und Winkfleisch war ebenso die Rede wie von Wochenendseminaren zur Persönlichkeitsoptimierung, nervenden Eltern im Urlaubs-Kinderclub, digitalen Entgiftungen, Fastenkuren, Mental-Hygiene-Kursen oder dem endlich gebuchten Zumbakurs: „Dieser sollte das Feuer brasilianischer Leidenschaft in mir erwecken. Das Hüftschwingen sah bei mir allerdings aus wie eine Litfasssäule bei einem Erdbeben.“ Die lässig-ernüchternde Erkenntnis: „Ich komme halt nicht aus Brasilien, sondern aus Aachen-Laurensbersch.“

Nach der Pause betrat eine ganz andere Ildikó von Kürthy die Bühne: Blonde Wallemähne in Form einer Perücke, Highheels statt Puschen, prächtiges Maßkleid. Denn auch das stand auf ihrer To-do-Liste: Einmal in eine Blondine verwandeln (damals noch echt), „einmal einem Klischee entsprechen“. Ihr Resultat von Frau zu Frau: „Schöner sein habe ich mir irgendwie schöner vorgestellt“ und „Blond sein ist wie oben ohne zu gehen“.

Winkende Piloten und pfeifende Bauarbeiter inklusive. Von Kürthy und Brandt lieferten sich einen gekonnten Schlagabtausch, bei dem auch der eine oder andere Aachen-Bezug nicht fehlen durfte. Ob Seite an Seite im Bademantel – er im geblümten, sie im rosafarbenen –, beim Fastenkur-Smalltalk, ob singend und Gitarre spielend am Lagerfeuer oder beim Filmzitate- und Chart-Hits-Slam in Erinnerung an frühere Zeiten. Und als die blonde von Kürthy schließlich den Partykracher „Atemlos“ von Helene Fischer anstimmte, sang unter lautem Jubel der ganze Saal – übrigens ausverkauft – mit.

An Problemzonen dachte da schon längst niemand mehr – zumindest nicht ernsthaft. „Von innen bin ich dick, brünett und betrunken – ich bin eine von euch!“, so der Schlachtruf von Kürthys, gefolgt von langem Applaus. In der Tat. Dieser spaßige Abend war vor allem eines: Balsam für die Frauenseele. Und so wird wohl den meisten Frauen auf dem Nachhauseweg ein letzter derber Satz von Kürthys im Kopf geblieben sein: „Problemzonen sollte man lieber im Kopf bekämpfen, nicht am Arsch.“

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