Bestatter vor dem Richter: Dritter Prozess gegen Guido F.

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Der Aachener Bestatter Guido F. (47) kommt nicht zur Ruhe - auch seine Haftstrafe hat er bislang noch nicht antreten müssen. Nun steht er erneut vor dem Richter.

Ende Juli war F. wegen schwerer Betrügereien an Hinterbliebenen vom Aachener Schöffengericht zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Am Freitag sollte er sich erneut vor dem Amtsgericht verantworten. Dieses Mal ging es um städtische Kostenbescheide für vollzogene Bestattungen, die nicht beglichen wurden. Der Unternehmer, dessen Geschäft am Adalbertsteinweg beheimatet war, habe seit dem Jahr 2009 keine ordnungsgemäße Buchführung mehr zustande gebracht.

Auch seien die Vorlage von Bilanzen oder betriebswirtschaftlicher Auswertungen dem Finanzamt gegenüber nicht oder nur unvollständig vorgenommen worden. Dazu kamen nicht gezahlte Sozialversicherungsbeiträge, die bei den Krankenkassen bis heute offenstünden. Der Bestatter hatte seit Jahren Hinterbliebene immer mit demselben Trick betrogen. Er übernahm als eigentlich renommierter Bestatter die komplette Organisation der Beisetzungen. Das einkassierte Geld leitete er jedoch meistens nicht weiter, so dass Steinmetze, Blumenhändler, Krematorien und eben die Stadt auf den Kosten sitzenblieben und sich wiederum an die ahnungslosen Hinterbliebenen wandten.

Die mussten dann oftmals doppelt zahlen. Das Gericht schätzte den Gesamtschaden auf rund 90.000 Euro. Sogar ein komplettes Testament soll Guido F. gefälscht haben, um sich mit dieser Urkunde ein Haus zu ergaunern.

Das Nachlassgericht glaubte dem Papier und setzte ihn als Erben ein, der Schaden hier: etwa 80.000 Euro. F. bestritt das bis zum Schluss und belastete zwei seiner Angestellten schwer. Sie sollen die Urkundenfälschungen begangen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch.

Das jetzige Verfahren sei im Vergleich zum Hauptverfahren eine Lappalie, meinte am Freitag der Verteidiger von F., Rainer Dietz., und verwies vor der Amtsrichterin darauf, dass bereits im Frühjahr ein Finanzverfahren stattgefunden habe. Da waren fehlende Umsatzsteuerzahlungen der Gegenstand. Man habe die Verfahren eigentlich zusammenziehen und seinem Mandanten eine Gesamtstrafe auferlegen können, meinte der Anwalt uns verlangte zunächst einmal komplette Akteneinsicht. Der Prozess wird fortgesetzt.
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