Besondere Rezepte, um Deutsch zu lernen

Von: Julia Esser
Letzte Aktualisierung:
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Mehr als ein Kochbuch: Andrea Weyer (Geschäftsführerin Kinderschutzbund), Heidrun Lehnen (Autorin) und Dorothee Roeb-Flemming (Leiterin Frühe Hilfen) sind überzeugt davon, dass gerade Migrationsfamilien vom Ansatz des niedrigschwelligen Buches profitieren. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Gesunde Ernährung der Kinder ist den Eltern, aber auch dem Kinderschutzbund Aachen sehr wichtig. So stellt sich die Frage bei Babys: Was darf ich wann füttern? Und gibt es eine Alternative zu den oft teuren Breigläschen?

Zur Beantwortung dieser Frage hat die Familienkinderkrankenschwester Heidrun Lehnen aus der Anlaufstelle „Frühe Hilfen“ ein Breikochbuch entwickelt. Das Besondere daran ist, dass es sowohl auf Deutsch, auf Englisch und auch in Bildern verfasst ist.

Es soll vor allem Familien erreichen, die der deutschen Sprache (noch) nicht ausreichend mächtig sind. Durch die Bilder und die Zweisprachigkeit kann das Babybreikochbuch „Yam Yam“ so ganz nebenbei die deutsche Sprache vermitteln.

„Viele der Flüchtlingsfamilien sind die deutschen Produkte fremd. Sie können das Buch mit in den Supermarkt nehmen und wissen dann, was sie kaufen können“, erklärt Lehnen. Kaufen kann man das Buch im Kinderschutzbund zum Stückpreis von 7,50 Euro, für Klienten ist es günstiger. Wichtig ist, dass es die Familien erreicht. So wird es zum Beispiel in Kinderarztpraxen ausgelegt.

Die Kinderarztpraxen sind eine Gruppe der wichtigen Netzwerkpartner der Anlaufstelle „Frühe Hilfen“, zu denen vor allem Teile des Gesundheitswesens gehören. „Ohne ihre Kooperation wäre es fast unmöglich, vernünftige Hilfe zu leisten“, unterstreicht Dorothee Roeb-Flemming, Leiterin der Anlaufstelle. Diese steht für Aachener Familien mit Säuglingen bis zum vollendeten dritten Lebensjahr zur Verfügung. Arbeitsschwerpunkt ist die Unterstützung im ersten Lebensjahr.

Im letzten Jahr hatte die Stelle 255 Anfragen. 51,8 Prozent der jeweiligen Familien haben mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund. Knapp ein Fünftel der Klienten waren Flüchtlingsfamilien. Deshalb wird das Thema Fremdsprache hier groß geschrieben, vor allem in Kooperation mit den Netzwerkpartnern. „Alle sind sehr bemüht ihr Bestes zu geben.

So versuchen wir zum Beispiel, Hebammen zu vermitteln, die noch andere Sprachen sprechen als nur Englisch und Französisch“, erläutert Roeb-Flemming. Es wird versucht, den Familien so leicht wie möglich Zugang zu gewähren. „Offen formuliert: Jeder kann zu uns kommen, der ein Problem mit der neuen Situation hat. Sei es, dass das Kind dauerhaft schreit oder dass es aufkommende Probleme in der Partnerschaft dadurch gibt“, sagt Roeb-Flemming.

Zusammen werden die Probleme aufgearbeitet, wobei die Familien sich aussuchen können, ob ihre Ansprechpartner zu ihnen nach Hause kommen oder sie zur Stelle gehen. Wie die Probleme so sind auch die Beratungen ganz unterschiedlich: Bei manchen reicht ein Termin, bei anderen steht die „Frühe Hilfe“ über mehrere Wochen zur Seite. „Wenn die Klienten nach den abgeschlossenen Sitzungen erneut Kontakt aufnehmen, sind wir sehr stolz!“, freut sich Roeb-Flemming über das entgegengebrachte Vertrauen.

Auch die Stadt Aachen weiß die Arbeit der Einrichtung zu schätzen und bietet finanzielle Unterstützung. Diese wird gerne entgegengenommen, denn die Anzahl der Fälle steigt mehr und mehr, so dass es auch einen komplexeren Unterstützungsbedarf gibt. Das Breikochbuch bietet einen kleinen Ansatz, um den Bedarf aller zu befriedigen. Auch den derer, die vielleicht noch nicht unsere Sprache sprechen.

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