Berufskolleg: Nach dem Abschluss sofort reif für den Beruf

Von: Leon Kirschgens
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Ob Kommissionierungsautomat oder Hochregallager in Miniaturgröße (Bild): Beim Präsentationstag des Berufskollegs konnten sich die Besucher die praxisorientierten Modelle ansehen. Foto: Andreas Schmitter
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Ob Kommissionierungsautomat (Bild) oder Hochregallager in Miniaturgröße: Beim Präsentationstag des Berufskollegs konnten sich die Besucher die praxisorientierten Modelle ansehen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Praxis, Praxis, Praxis. Simone Dargel kann es gar nicht oft genug sagen. „Die Studierenden befinden sich in einem sehr theorieorientierten Umfeld, müssen aber auch die Chance haben, etwas Praktisches zu machen“, sagte die Oberstudienrätin und Projektorganisatorin des Berufskollegs für Gestaltung und Technik.

Dass sie das genau so meint, wie sie es formuliert, zeigen die zahlreichen Praxisprojekte, die die Studierenden beim Präsentationstag in der Aula des Berufskolleg vorstellten. Die vergangenen 14 Monate haben sie getüftelt, und damit ihr zwei- oder vierjähriges Studium (Voll- oder Teilzeitstudium) abgeschlossen. „Nebenher haben die meisten auch noch ganz normal gearbeitet“, sagte Dargel, „da kommen einige auf 70 Stunden pro Woche.“

Das sei eine große Herausforderung, da viele auch nebenher durch private Ereignisse wie der Familiengründung doppelt belastet seien. Am Ende aber standen – unter dem Motto der fortschreitenden „Industrie 4.0“ – ansehnliche Maschinen, die Bewegungsabläufe und Arbeitsprozesse automatisieren und damit beschleunigen sollen.

Ein Beispiel stellt der Kommissionierungsautomat für Krankenhausapotheken, den der Student Michael Schüller mit einer Handvoll weiterer Kollegen von Grund auf entworfen und schließlich umgesetzt hat. „Der Automat ist ein wenig mit einem Zigarettenautomaten zu vergleichen, wenn auch deutlich komplexer“, sagte er. Die Krankenhäuser können exakte Bestellungen aufgeben, die der Lagerautomat der Versandapotheke dann in Kisten verpackt und ans jeweilige Krankenhaus versendet.

Es ist eins von vielen Projekten, das die Studierenden letztlich auf den wachsenden Arbeitsmarkt vorbereiten soll. „Wir haben den Vorteil gegenüber den Universitäten, dass unsere Studierenden schon eine Ausbildung mit sich bringen und somit sehr attraktiv für internationale Unternehmen sind“, sagte Dargel, gestand aber gleichzeitig, dass viele in der Region bleiben wollten und somit ihre Karrierechancen auf kleinen Raum begrenzten.

Die Bandbreite der Projekte reichte von einem Hochregallager in Miniaturgröße über einen Notstromaggregat im Wert von etwa 150.000 Euro bis hin zu einer voll automatisierten Fräsmaschine, die per Smartphone gesteuert werden kann. 160 Stunden waren für die Projekte vom Berufskolleg vorgegeben.

Doch bei fast allen waren es deutlich mehr. Dominik Groth und seine zehn Mitstudierenden haben letztlich sogar 2000 Stunden an der Fräsmaschine gewerkelt. „Ich würde es trotzdem jederzeit wieder machen“, sagte Groth, der nun hofft, dass die Fräsmaschine vielleicht auch in einem Unternehmen Anwendung findet.

Dargel ist überzeugt, dass das Praxisprojekt den Studierenden auch auf menschlicher Ebene weiterhilft: Probleme bewältigen, sich selbst organisieren und Führung übernehmen zu können seien nur drei der Eigenschaften, die gefördert würden.

„Egal wie exakt man etwas plant, nie wird etwas reibungslos funktionieren“, sagte Dargel, „und dann ist man gezwungen, Alternativen zu finden.“ Diese Fähigkeiten seien für das spätere Berufsleben unabdingbar, wollen doch viele der Studierenden, die zum Großteil bereits eine technikorientierte Ausbildung hinter sich haben, einmal Führungspositionen übernehmen.

Der Präsentationstag verfolgte aber auch noch einen ganz unmittelbaren Zweck: Arbeitgeber konnten aus nächster Nähe sehen, welch komplexe und detailgenaue Projekte die Studierenden hergestellt haben – und dadurch potenzielle Arbeitnehmer finden.

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