Berufsfeuerwehr: Massive Kritik an Personalpolitik

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
11062697.jpg
Immer zur Stelle: 340 Beamte zählt die Berufsfeuerwehr. Doch der Unmut bei den Feuerwehrfrauen und -männern über die laut Verdi „katastrophale“ Beförderungssituation in Aachen wächst. Die Gewerkschaft übt daher massive Kritik an der Stadt als Dienstherrin. Foto: Ralf Roeger
11062700.jpg
Immer zur Stelle: 340 Beamte zählt die Berufsfeuerwehr. Doch der Unmut bei den Feuerwehrfrauen und -männern über die laut Verdi „katastrophale“ Beförderungssituation in Aachen wächst. Die Gewerkschaft übt daher massive Kritik an der Stadt als Dienstherrin. Foto: Ralf Roeger
11062702.jpg
Immer zur Stelle: 340 Beamte zählt die Berufsfeuerwehr. Doch der Unmut bei den Feuerwehrfrauen und -männern über die laut Verdi „katastrophale“ Beförderungssituation in Aachen wächst. Die Gewerkschaft übt daher massive Kritik an der Stadt als Dienstherrin. Foto: Andreas Steindl
11062324.jpg
Verdi-Sektetär Mathias Dopatka: „Bei vielen Feuerwehrleuten wächst der Unmut.“ Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Nach dem passenden Bild muss Ortwin Bickhove-Swiderski nicht lange suchen. „Es brennt bei der Berufsfeuerwehr in Aachen“, sagt der Leiter der Verdi-Landesbezirksfachgruppe Feuerwehr mit ernstem Gesicht.

Auch wenn dies nicht wörtlich zu nehmen ist – schließlich genießen Aachens Brandbekämpfer und Lebensretter in allen Teilen der Bevölkerung einen zu Recht hervorragenden Ruf und leisten jeden Tag einen guten und wichtigen Job.

Doch die Stimmung bei vielen Feuerwehrbeamten ist mies. Das gilt insbesondere, wenn sie auf ihre berufliche Perspektive blicken. Denn der Respekt, der den Feuerwehrfrauen und -männern überall entgegenschlägt, macht sich bei den meisten nicht angemessen auf dem Konto bemerkbar. Daher schlägt Verdi Alarm.

„Eine Beförderungskultur ist bei der Feuerwehr Aachen so gut wie nicht vorhanden“, fährt Bickhove-Swiderski bei einem Besuch in der Kaiserstadt schwere Geschütze auf. Die Gewerkschaft erhöht nun den Druck und nimmt den Dienstherrn – die Stadtverwaltung – in die Pflicht. „Was Beförderungen angeht, nimmt Aachen unter allen 32 Berufsfeuerwehren in NRW den letzten Platz ein“, sieht der Gewerkschaftssekretär dringenden Handlungsbedarf.

Traumberuf mit Tücken

Doch was bedeutet es konkret, in Aachen den Beruf des Feuerwehrmanns zu ergreifen? Als Brandmeister steigt man in der Besoldungsstufe A7 ein. Dieses Grundgehalt ohne Zulagen bedeutet: 2063 Euro brutto pro Monat. Während nun in anderen NRW-Städten Beförderungen in die nächsthöhere Besoldungsstufe A8 in der Regel nach zehn bis fünfzehn Jahren erfolgen, verharren in Aachen zahlreiche Feuerwehrleute bereits seit 25 Jahren in der Eingangsstufe – und kommen dann auf ein Grundgehalt von gerade einmal 2638 Euro brutto.

Die Feuerwehrfrauen und -männer fühlen sich benachteiligt, steigt man in anderen Beamtengruppen doch oftmals bereits nach drei bis sieben Jahren in höhere Besoldungsstufen auf. Der Traumberuf vieler Kinder erweist sich somit für jene Erwachsenen, die ihn ergreifen, als Job mit Tücken.

Die Konsequenz: Der Arbeitgeber Berufsfeuerwehr Aachen verliert besonders für qualifizierte und erfahrene Kräfte an Attraktivität. Davon ist zumindest Thomas Alt überzeugt. Und der Sprecher der Verdi-Fachgruppe Feuerwehr Aachen untermauert dies mit Zahlen. „Es haben uns noch nie so viele Kollegen in Aachen verlassen“, klagt er. Allein in den vergangenen anderthalb Jahren seien es rund 20 Mann gewesen, die zu Nachbarfeuerwehren gewechselt seien. Ein entscheidender Grund, davon ist Alt überzeugt, seien die dort besseren Perspektiven in Sachen Bezahlung.

Man habe das Thema von Verdi-Seite mehrmals gegenüber den Verantwortlichen der Stadtverwaltung, allen voran dem bis zu seinem Weggang für die Feuerwehr zuständigen Dezernenten Lothar Barth, angesprochen. „Wir haben versucht, die Dinge intern zu verändern“, sagt Aachens Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka. Doch passiert sei bisher nichts. „Der Arbeitgeber zieht sich auf die Position zurück, man sei ja im stetigen Kontakt mit dem Dienststellenpersonalrat“, erklärt Dopatka.

Und an dieser Stelle gießt die Gewerkschaft gewissermaßen weiteres Öl ins Feuer. Denn der eigenständige Personalrat der Feuerwehr ist fest in Komba-Hand. Offene Kritik äußert Verdi zwar nicht, es scheint aber durch, dass Dopatka und Co. die Belange der Feuerwehrleute in Aachen durch die Konkurrenz-Gewerkschaft nicht ausreichend vertreten sehen.

Daher, kündigte man am Freitag an, werde Verdi bei den Personalratswahlen im kommenden Jahr mit einer eigenen Liste antreten, um möglichst den Personalratsvorsitz für sich gewinnen und so mehr Einfluss nehmen zu können.

„Leistung“, zitiert Bickhove-Swiderski eine bekannte Floskel, „soll sich ja angeblich lohnen.“ Für einen Feuerwehrmann, der mindestens drei Ausbildungen absolviert hat (einen handwerklichen Beruf sowie die Ausbildungen zum Feuerwehrmann und zum Rettungsassistenten) gelte das offenbar nicht, so der Verdi-Sekretär. „Das nehmen wir nicht mehr hin!“ Der Notruf ist raus. Registriert Verdi keine Bewegung bei Verwaltung und Politik („Sie hat eine Fürsorgepflicht gegenüber den Beamten“), behält man sich weitere Schritte vor.

Und die Reaktion der Stadtverwaltung auf die massiven Vorwürfe der Gewerkschaft? Erst einmal keine. Weder der derzeit zuständige Dezernent Werner Wingenfeld noch Oberbürgermeister Marcel Philipp oder Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff waren laut städtischem Presseamt am Freitag für eine Stellungnahme erreichbar.

Man wolle sich aber Anfang der Woche zusammensetzen und sich zu dem Thema äußern, verlautbarte die Pressestelle. So „brennt“ es erst einmal weiter bei der Aachener Feuerwehr. Eines scheint sicher: Die Löscharbeiten dürften sich schwierig gestalten.

Leserkommentare

Leserkommentare (10)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert