Aachen - Berührungsängste abbauen: Fest der Begegnung

Berührungsängste abbauen: Fest der Begegnung

Von: Regine Beyß
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Auch der Spaß kommt nicht zu
Auch der Spaß kommt nicht zu kurz: Beim Fest der Begegnung auf dem Katschhof wurden wieder Brücken zwischen Behinderten und Nichtbehinderten Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein wenig aufgeregt kündigt Nicole Roderburg das erste Lied an: Marmor, Stein und Eisen bricht. Die Musik beginnt, und nach wenigen Minuten ist die Aufregung verflogen.

„Singen macht mir einfach so viel Spaß”, sagt sie. „Und den Rhythmus, den mag ich auch gerne.” Nicole ist eine von 15 Musikern von „Bock-Rock”, der Band der Lebenshilfe Aachen. Drei bis vier Auftritte spielen sie im Jahr. Einer davon ist beim Fest der Begegnung auf dem Aachener Katschhof.

Es dauert nicht lange, bis sich vor der Bühne ein klatschendes Publikum versammelt hat. Schließlich bietet „Bock-Rock” deutsche Klassiker, bei denen jeder mitsingen kann. Ob „99 Luftballons”, „Wahnsinn” oder „Alles nur geklaut” - die Band gibt ihr Bestes, um das halbstündige Programm erfolgreich über die Bühne zu bringen. „Es ist eine Freude, der Band zuzuschauen”, sagt Ingrid Schulz. Jedes Jahr besucht die Aachenerin das Fest der Begegnung und ist jedes Mal wieder begeistert. „Es sind alle mit dem Herzen dabei.”

Seit knapp 30 Jahren veranstalten die Aachener Behindertenvereinigungen gemeinsam diese Veranstaltung, um Berührungsängste zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten abzubauen. „Es geht um Inklusion, also gesellschaftliche Teilhabe”, erklärt Hilde Bärnreuther von der Lebenshilfe. „Zwar hat sich in den letzten Jahren schon viel getan, aber es gibt noch genug zu tun.” Zwar ist sie sich darüber im Klaren, dass hauptsächlich Betroffene und deren Bekannte das Fest besuchen. „Aber trotzdem kann es helfen, das Thema nach vorne zu bringen.”

Insbesondere, wenn sich Betroffene gemeinsam zu ihren Zielen bekennen, findet Bundestagsabgeordneter Rudolf Henke (CDU). Mehr als 3100 Unterschriften nimmt er mit nach Berlin. Ihr Anliegen ist eine Verkleinerung des Schwerbehindertenausweises.

„Diese Aktion hat mich sehr beeindruckt”, so Henke. Mit ihm betritt auch Bürgermeister Björn Jansen (SPD) die Bühne. Er verweist auf den Kalender im Kinderzimmer seiner Tochter, auf dem stehe: Es ist normal, verschieden zu sein. „Das muss die Gesellschaft endlich begreifen”, sagt Jansen. „Doch es gibt immer noch viele Menschen, die einfach vorbeilaufen.”

An Informationen und kompetenten Gesprächspartnern für Interessierte mangelt es an diesem Nachmittag jedenfalls nicht. Die rund 20 Stände beschäftigen sich mit jedweder Form von Behinderung. Ein Mitmachzirkel soll vor allem die jüngeren Besucher anziehen. „Bei den Kindern ist die Hemmschwelle niedriger”, erklärt Ergotherapeutin Elke Lichte von den Alexianern. „Dadurch kommen wir dann oft mit den Eltern ins Gespräch.” Insgesamt sechs Stationen wurden vorbereitet. „Bei uns können Kinder und Erwachsene eine Collage gestalten”, sagt Lichte.

Während ein weiterer Teil der Collage fertig wird, kündigt Moderator Rainer Gerrards bereits den nächsten Programmpunkt an: die Band „Rolling Bones” des Vinzenz-Heims. „Und ich darf Sie nochmal auf die vielen Stände und Leckereien aufmerksam machen”, ergänzt er. Nicole verlässt indes zufrieden die Bühne. „Ich finde es toll, wie viel das Fest zu bieten hat”, sagt sie. Doch für die Stände hat sie jetzt erst mal keine Zeit. Zuerst möchte ihre Nichte ein Autogramm haben.
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