Berta Kals ist im Alter von 92 Jahren gestorben

Von: mh
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Ihre Krippendarstellungen gingen um die Welt: Die Künstlerin Berta Kals ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Alle Kinder dieser Erde“ taufte sie eines ihrer vielen Werke, die über Jahrzehnte hinweg beileibe nicht nur die kunstbeflissenen Zeitgenossen in zahlreichen Ländern der Welt in ihren Bann zogen.

Vor allem mit ihren Krippendarstellungen hat die Aachener Künstlerin Berta Kals die Menschen immer wieder aufgerüttelt, sie zum Nachdenken und zur Diskussion über den Zustand der Schöpfung gebracht – und über das, was sie daraus gemacht haben. Am 20. Januar ist Berta Kals im Alter von 92 Jahren in München gestorben.

In ihrer vielleicht schönsten Krippe zeigt sie die „Kinder dieser Erde“, einträchtig um einen gedeckten Tisch sitzend, ein endloses Band des Miteinanders in Händen haltend, während in einer Ecke nicht Ochse und Esel, sondern eine Reihe zerstörter Waffen die Blicke auf sich ziehen. „Ich bin keine politische Frau, ich handele aus christlichem Antrieb heraus“, hatte Berta Kals in einem ihrer letzten Interviews mit der Aachener Zeitung im November des Jahres 2000 gesagt.

Kein folkloristisches Beiwerk

Dennoch hat sie mit ihrem mutigen Einsatz für die Ärmsten und Schwächsten immer wieder gezeigt, dass die christlichen Botschaften eben nicht nur folkloristisches Beiwerk sein dürfen in einem Land, dessen Menschen Mitverantwortung tragen für Humanität, Frieden und Gerechtigkeit dies- und jenseits der staatlichen Grenzen. Als kreativ Schaffende und mit jahrzehntelangem ehrenamtlichen Einsatz in „ihrer“ Pfarre St. Germanus hat Berta Kals weit mehr getan als nur Zeichen zu setzen – ihr Wirken ist über ihren Tod hinaus aktueller denn je. Denn sie scheute nie davor zurück, sich mit Worten und Werken aufzulehnen gegen Egoismen und Ignoranz einer waffenstarrenden, von eklatanten sozialen Gegensätzen, Gewalt und Umweltfrevel gepeinigten Welt.

Ihre zahlreichen Krippendarstellungen, die auch in einem Bildband unter dem Titel „Es geschah in unseren Tagen“ veröffentlicht wurden, gerieten stets zum kunstvollen Appell gegen Ausgrenzung, Intoleranz und Hass. Großes Aufsehen erregte Mitte der neunziger Jahre etwa ihre „Flüchtlingskrippe“ mit dem Untertitel „Kein Mensch ist illegal“, mit der sie – aktueller denn je – auf das Schicksal der Kurden im seinerzeitigen Wanderkirchenasyl aufmerksam machte und Solidarität mit Asylsuchenden einforderte.

Im Herbst 2000 wurde ihr im Aachener Rathaus das Bundesverdienstkreuz am Bande angetragen. Berta Kals lehnte es ab: Sie werde die Auszeichnung erst entgegennehmen, wenn einer ihrer „Schützlinge“ aus dem Haarener Wanderkirchenasyl weiter in Deutschland – und damit in Sicherheit – leben dürfe, gelobte sie. Die Abschiebung von Hüseyin Calhan, Sprecher der Haarener Initiative, hatte seinerzeit über Monate hinweg für heftige Debatten gesorgt. Im April 2002 aber konnte Berta Kals ein Versprechen einlösen: Calhan durfte ins Grenzland zurückkehren, die Künstlerin nahm den verdienten Orden an.

In einem ausführlichen Nachruf erinnern namhafte Weggefährten vor allem aus den kirchlichen Institutionen nun daran, dass es Berta Kals maßgeblich mit zu verdanken war, dass zumindest die allermeisten kurdischen Flüchtlinge am Ende ein Bleiberecht erhielten: Ihr spektakulärer Einspruch hatte mit dazu geführt, dass ärztliche Gutachten, die – wie auch im „Fall“ Calhan – als Voraussetzung für Abschiebungen herangezogen wurden, fortan nur durch entsprechend qualifizierte Amtsärzte vorgenommen werden durften.

„Ein leuchtendes Vorbild“

„Gerade heute, wo so viele Menschen in Deutschland Schutz vor Verfolgung und Krieg suchen, ist und bleibt uns Berta Kals ein mahnendes und leuchtendes Vorbild“, heißt es in der Würdigung, die unterschrieben ist von Holger Brantin, Sprecher des Katholikenrats, Hans Peter Bruckhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane, Dieter Spoo vom Verein Aachener Friedenspreis, Elisabeth Hodiamont vom Café Zuflucht, der ehemaligen Koordinatorin des Wanderkirchenasyls Anna Kranz, Gerhard Diefenbach, dem Ex-Vorsitzenden des Vereins Aachener Friedenspreis, der ehemaligen Sprecherin des NRW-Flüchtlingsrats Andrea Genten und natürlich Herbert Kaefer, dem langjährigen Pfarrer von St. Germanus, wo Berta Kals ihr engagiertes Bekenntnis zum Glauben und ihre beeindruckende Kunst so lange und couragiert gelebt hat.

Die Exequien für Berta Kals werden am kommenden Donnerstag, 28. Januar, um 10 Uhr in St. Germanus, Germanusstraße 40, gehalten. Anschließend findet die Beerdigung auf dem Haarener Friedhof statt.

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