Haaren - Bernhard Knauf: Ein Freund und Helfer vor allem für die Jüngsten

Bernhard Knauf: Ein Freund und Helfer vor allem für die Jüngsten

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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„Auch Viertklässler halten sich oftmals noch an das, was ich ihnen im Kindergarten beigebracht habe“: Polizeihauptkommissar Bernhard Knauf kümmert sich mit viel Engagement besonders um die Schwächsten im Straßenverkehr. Seine Schützlinge folgen ihm gern, weil er mit gutem Beispiel voran geht. Foto: Michael Jaspers

Haaren. „Hallo, Herr Knauf!“, schallt es mal wieder aus Kindermund. Seit sechs Jahren ist Bernhard Knauf der „Dorfpolizist“ von Haaren. Jeden Tag – 80 Prozent seiner Dienstzeit – ist er an Wurm und Haarbach unterwegs. Die Verkehrserziehung der Kinder, begonnen in der Vorschulzeit im Kindergarten, liegt dem fast 60-Jährigen besonders am Herzen.

Wie identifizieren Sie sich mit dem typischen Klischee, das man aus dem Fernsehen kennt: „guter“ oder „böser“ Polizist – „good Cop“ oder „bad Cop“?

Bernhard Knauf: Guter!

Sie sind als Polizeihauptkommissar im Bezirks- und Schwerpunktdienst Ost, Bezirk Haaren, tätig. Ich würde sagen, Sie sind Dorfpolizist. Finden Sie diese Bezeichnung okay?

Knauf: Total okay. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Da fühle ich mich angenommen als Teil des Ortsteils.

Wie lange sind Sie schon auf diesem Posten?

Knauf: Seit 2009. 2005 bin ich nach Aachen gekommen, zuerst im Schwerpunktdienst im Ostviertel und am Kaiserplatz, später an gleicher Stelle im Bezirksdienst. Da war ich auch viel zu Fuß unterwegs.

Wie viele Kilometer laufen Sie denn so am Tag?

Knauf: Ich bin 80 Prozent meiner Dienstzeit unterwegs. Vielleicht zehn Kilometer?

Was haben sie in Haaren als erstes in Angriff genommen?

Knauf: Im Ostviertel habe ich mich im Rahmen der Verkehrserziehung schwerpunktmäßig um die Radfahrausbildung an den Schulen gekümmert. In Haaren habe ich auch die Verkehrserziehung in den Kindergärten übernommen. Ich durfte schnell feststellen, dass es mit den Kleinen ganz viel Spaß macht. Vor allem auch, weil hier die Vernetzung zwischen Institutionen, Eltern und Erziehern gut funktioniert.

Es gehört auch zu Ihrem Aufgabenfeld, die Kindergartenkinder fit für den Verkehr zu machen.

Knauf: Normalerweise geht der Bezirkspolizist einmal in den Kindergarten, nachdem ein Verkehrssicherheitsberater da war, und überprüft das Erlernte.

Aber Sie machen mehr. Sie gehen regelmäßig in die Haarener Kindergärten, um die Vorschulkinder für den Fußgängerführerschein zu trainieren, und nehmen später auch die Prüfung ab. Die Eltern müssen zwei Mal dabei sein. Wurden Sie mit Ihrem Konzept mit offenen Armen empfangen?

Knauf: Ich habe mich mit den Kollegen in Eilendorf und Verlautenheide abgesprochen. Mit dem gemeinsamen Konzept bin ich dann an die Kindergärten herangetreten. Und das fanden dort tatsächlich alle gut. Es hat sich mit der Zeit auch bewährt.

Färbt Ihr Engagement auch auf Erwachsene ab?

Knauf: Die Elternbeteiligung schätze ich auf 99,8 Prozent. Manche kommen auch gern ein zweites Mal wieder. Wenn ich im täglichen Dienst unterwegs bin, stelle ich fest, dass die Eltern auch die Regeln, die ich den Kindern beibringe, zusammen mit ihrem Nachwuchs praktizieren. Wobei die Eltern wohl am meisten von ihren Kindern lernen und nicht durch meine Veranstaltungen. Das ist das Schöne an der Geschichte.

Über welches Verhalten ärgern Sie sich am meisten?

Knauf: Nachdem ich mit den Kindern und den Eltern zusammen geübt habe, wie man sich am Bordstein verhält, gehen manche nach der Veranstaltung genauso hinaus wie immer. Viele Eltern müssen hier umdenken, genau wie ihre Kinder üben und sich ihrer Vorbildfunktion bewusster werden. Auch ich musste lernen, wirklich das zu tun, was ich den Kindern immer wieder sage. Zum Beispiel in Einfahrten hinein gucken. Mittlerweile mache ich das.

Vorbild ein Leben lang?

Knauf: Wenn ich mich einmal falsch verhalte und werde von einem Kind beobachtet, ist das, was ich den Kindern immer wieder sage, nicht mehr authentisch. Wenn ich zum Beispiel bei Rot die Fahrbahn überqueren würde, bräuchte ich nicht mehr in den Kindergarten zu gehen.

Das ist aber ein hartes Brot…

Knauf: Das, was ich von anderen erwarte, kann ich auch vorleben. Aus meinem Beruf weiß ich ja auch, welche Gefahren sich aus Verkehrsverstößen ergeben können.

Sie bringen den Kindern bei, Autofahrer durchzuwinken, wenn diese anhalten, um sie über die Straße zu lassen. Einfach weil es sicherer ist. Manchmal müssen die Kinder da aber sehr hartnäckig sein, auch weil die Autofahrer das Hinüberlassen oft in der Fahrschule gelernt haben. Konnten Sie bereits ein Umlernen feststellen?

Knauf: Die Leute, die Haaren ständig durchfahren oder hier wohnen, wissen mittlerweile, dass die Kinder sie durchwinken. Sie fahren langsamer, beobachten die Kinder gut, aber sie halten nicht mehr an. Die Zahl der Autofahrer, die anhalten, wird eindeutig kleiner. Sie erleben das ja hier immer wieder. Auch Viertklässler halten sich oftmals noch an das, was ich ihnen im Kindergarten beigebracht habe. Sie orientieren sich sogar oft noch an den parkenden Autos, fassen die Lampe an, um sicher um die Ecke schauen zu können, bevor sie über die Straße gehen. Das hätte ich früher nie geglaubt, dass sie das so verinnerlichen. Sie haben dieses Verhalten als Chance erkannt, Sicherheit für sich im Straßenverkehr zu gewinnen. Das motiviert natürlich wieder für den nächsten Jahrgang. Ebenso wie die positive Rückmeldung der Schule, die sich freut, dass die Kinder schon so viel wissen, wenn sie eingeschult werden.

Warum ist Ihnen die Verkehrserziehung so wichtig?

Knauf: Kinder sind die schwächste Zielgruppe. Jedes verunglückte Kind ist eines zu viel. Was da in den Familien, in der Schule, im Kindergarten, bei den Freunden aufgearbeitet werden muss, möchte ich keinem zumuten. Je besser die Vernetzung zwischen Eltern, Lehrern, Erziehern und Polizei funktioniert, desto sicherer sind die Kinder. Und es macht einfach sehr viel Spaß. Die Kinder nehmen gern auf und sie liefern ehrliche Rückmeldungen.

Haaren ist sicherlich keine Idylle, aber es geht doch recht dörflich zu. Wünschen Sie sich manchmal mehr „Action“?

Knauf: Wir haben hier genug zu tun. Über Arbeit können wir uns nicht beklagen. Wir haben viel Verkehr und auch unsere Brennpunkte. Eine gewisse Beschaulichkeit trügt. Konsequente polizeiliche Arbeit ist auch in Haaren gefragt.

In welcher Hinsicht?

Knauf: Haaren ist in der Kriminalität nicht außen vor, aber nicht mehr belastet als vergleichbare Ortsteile. Wohnungseinbrüche und Aufbrüche von Kraftfahrzeugen sind auch hier täglich Brot, um nur einige Delikte zu nennen. Gut in Haaren ist, dass die Dienststelle im Herzen von Haaren liegt und wir schnell an Ort und Stelle sind.

Was hat sich in Sachen Verkehr verändert?

Knauf: In Haaren haben wir ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Das hat gefühlt in den sechs Jahren meiner Tätigkeit hier deutlich zugenommen. Nicht nur auf der Alt-Haarener-Straße, sondern auch in den Seitenstraßen. Die Kinder stehen auch da jeden Tag vor der Herausforderung, wie sie sicher über die Straße kommen. Das gilt übrigens auch für Senioren und die Beschäftigten der Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Wenn Sie noch einmal die Wahl hätten – welchen Beruf würden Sie ergreifen?

Knauf: Früher wollte ich Diplomsportlehrer werden, dann wurde ich aber doch Polizist. Das, was ich hier in Haaren mache, gefällt mir sehr und kommt meiner Vorstellung von Bürgernähe sehr nahe. Bevor ich nach Aachen kam, war ich bei der Autobahnpolizei. Da sitzt man mehr im Streifenwagen; der Kontakt zum Bürger ist da von Natur aus wenig eng.

Was hat Sie am Dienst bei der Autobahnpolizei gestört?

Knauf: Gewechselt bin ich eigentlich, weil ich jeden Tag zur Dienststelle nach Frechen oder Köln fahren musste. Zum Schluss haben mich meine Aufgaben dort aber auch nicht mehr gereizt: Lkw-Fahrer anhalten, Vergehen ahnden. Der Polizist als Helfer kam da eindeutig zu kurz. Hier in Aachen gab es eine ganz neue Aufgabe durch den Bezirksdienst. Der Bezug zu Menschen, nah an ihnen dran sein, das gefällt mir. Das gefiel mir am Kaiserplatz mit den drogen- oder alkoholkranken Menschen. Und das gefällt mir in Haaren.

Vermissen Sie wie viele Kollegen den Respekt Ihnen gegenüber?

Knauf: Als Bezirksbeamter habe ich mich immer respektiert gefühlt. Am Kaiserplatz und erst recht in Haaren. Ich versuche zu vermitteln, dass ein Polizist bestimmte Dinge tun muss, wenn jemand über die Stränge schlägt. Aber genauso, dass sich jeder an mich wenden kann, wenn er Angst hat, wenn etwas passiert ist. Mir ist wichtig, das bereits Kindern und auch Jugendlichen zu vermitteln. Wenn ich durch den Ort gehe, grüßen mich die Leute freundlich und hören mir zu, wenn ich etwas zu sagen habe. Natürlich gibt es auch Ausreißer, das gehört zum „Geschäft“. Das Sich-aneinander-Reiben gehört aber auch dazu, solange es kommunikativ zugeht.

Mussten Sie schon einmal Ihre Waffe benutzen?

Knauf: Nein, in 40 Jahren noch nicht, weder bei einem Mensch, noch bei einem Tier. Ich will auch nicht, dass sich das in den letzten Jahren noch ändert.

Ende 2017 gehen Sie in den Ruhestand. Was passiert dann, haben Sie schon Pläne?

Knauf: Früher habe ich mal gedacht, dass ich mir den Ruhestand dann auch verdient habe. Jetzt denke ich, dass ich mich nicht jeden Tag aufs Rennrad setzen kann. Die Arbeit mit den Kindern macht mir so viel Spaß. Vielleicht bleibe ich ehrenamtlich in dem Bereich, werde in der Lindenschule Betreuungslehrer oder übernehme das Mobilitätstraining bei den Zweitklässlern. Entschieden ist aber noch nichts.

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