Bernd I. verspricht „bewegende Session“

Von: Robert Esser
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Phänomenales Finale: Dutzende Tänzerinnen, der Elferrat des Aachener Karnevalsvereins und der Hofstaat boten Aachens neuem Prinzen Bernd I. eine prächtige Kulisse vor 1400 hingerissenen Zuschauern im Aachener Eurogress. Foto: Andreas Steindl
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Prinzengarde: Das neue Tanzpaar – Janine Schiffers und Marco Krings – kämpfte mit Lampenfieber. Foto: Andreas Steindl
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„Wallstreet Theatre“: Das Comedy-Duo kitzelte mit irren Verrenkungen kräftig an den Zwerchfellen. Foto: Andreas Steindl
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Wenn die 4 Amigos die Bühne betreten, steht der Saal Kopf: (v.l.) Uwe Brandt, Stefan Beuel, René Brandt und Dietmar Ritterbecks schraubten die Stimmung im Eurogress bis unter die Hallendecke – einfach grandios. Foto: Andreas Steindl
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Selbstkritisch: Lemonpie-Chef Johannes Molderings (r.) und Service-Leiter Antoon van Ouwerkerk. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit Tränen in den Augen umarmt Thomas Sieberichs seinen Nachfolger. Gerührt, beglückt, begeistert. Wachwechsel auf offener Bühne. Es ist 23.02 Uhr am Samstagabend, als Aachens neuer Narrenherrscher Prinz Bernd I. (Marx) im Eurogress mit Federn, Zepter und im vollen Ornat den Jubel des Publikums genießt. Und strahlt.

Der 35-Jährige, der als Service-Ingenieur arbeitet und als Choreograph drei Mal mit Schautanzgruppen die deutsche Meisterschaft gewann, hat für eine buchstäblich bewegende Prinzenproklamation vor 1400 Zuschauern gesorgt. So viel getanzt wurde wohl noch nie.

Mittendrin – als venezianischer Gondoliere, als Kaiser Karl und schließlich als Prinz Karneval – stürmt immer wieder Bernd I. übers Parkett. Zig Tänzerinnen harmonieren dazu prächtig, mit immer neuen Kostümen und schließlich sogar im goldenen Konfetti-Regen. Da mag man ihm nachsehen, dass er zu seinem Prinzenlied nur die Lippen zum Playback bewegt. Der Mann weiß, wie man ausdrucksstark und mitreißend auf der Bühne agiert – auch wenn das Reden (noch) nicht so seine Sache ist. Er hat 350 Auftritte lang Zeit, bis Aschermittwoch die richtigen Worte zu finden...

Der neue „PriPro“-Moderator David Lulley hat damit als Nachfolger von AKV-Vizepräsident Rolf Gerrards keinerlei Probleme. Auch wenn nicht jeder Programmpunkt auf ungeteilte Aufmerksamkeit oder gar euphorische Begeisterung des Publikums stößt. Natürlich räumen die 4 Amigos mit ihren Öcher-Platt-Hymnen grandios ab. Sobald Uwe Brandt, Stefan Beuel, René Brandt und Dietmar Ritterbecks an die Mikrofone treten, rastet das Narrenwolk regelrecht aus.

„Wir Öcher lieben das Leben“ schallt es durch den Saal – und das Quartett kriegt reichlich Liebe zurück. Das Comedy-Duo „Wallstrett-Theatre“ liefert witzigen Klamauk mit irren Verrenkungen ab, die rund 20-köpfige Bläsertruppe „Querbeat“ aus Köln treibt Dezibel wie Stimmung in die Höhe. Mit schrillen Klamotten, grellen Perücken, in Bermudas und mit jugendlichem Elan schieben sie die Narrenscharen beim Klatschmarathon an.

Apropos: So mancher Raucher legt am Samstagabend ebenfalls Kilometer zurück. Qualmen ist nur noch vor der Eurogress-Türe gestattet. So tummeln sich dort zeitweise Hunderte auf der Heizpilz-losen Außentreppe in der Kälte. Auf dem Rückweg in den Saal laufen sie an der zig Meter langen Schlange von Gästen vorbei, die an der Kasse anstehen, um ihre Geldchipkarten einzulösen. Der neue Caterer des Eurogress, das Unternehmen Lemonpie, setzt nämlich auf modernste Technik: Bierchen, Brezeln und Co. können nur mit den zuvor aufgeladenen Geldkarten bezahlt werden.

Das Prozedere ist gewöhnungsbedürftig; und es kostet offenbar Zeit. Weil zudem mehrere Hightech-Kassenautomaten mit Defekten ausfallen, müssen viele Gäste warten. Mancher nippt erst nach über einer Stunde Wartezeit am ersten Bierchen.

Was Lemonpie-Chef Johannes Molderings enorm ärgert. „Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten“, erklärt er am späten Abend. „Wir haben unser Personal extra auf über 130 Mitarbeiter aufgestockt. Die technischen Probleme werden behoben. Das kommt nicht mehr vor!“, verspricht Molderings.

Luft nach oben gibt es auch bei einigen Auftritten des Abends. Die „Lennet-Girls“ singen live und wunderbar, trotzdem will der Beat beim Publikum einfach nicht landen. Der Applaus fällt spärlich aus. Das gilt umso mehr für die Udo-Lindenberg-Parodie von Johannes Meier.

Was in kleinen Pfarrsälen Ekstase auslöst, taugt nicht immer für die große Bühne. Er trifft zwar mit seinem Sonderzug von Pankow in den Aachener Kennedypark Lindenbergs unverkennbares Stimmtimbre, nicht aber die Herzen seiner Zuhörer. Schade. Ganz anders gilt das fürs AKV-Ballett: Die Mädchen tanzen herausragend, bieten tolle Choreographien. Aber erhalten kaum Resonanz – vielleicht weil viele mit der Fahndung nach Getränken beschäftigt sind.

Die Brander Stiere mit ihrer grandiosen Tanzmarie Theresa Bernd auf Abschiedstournee liefern einen karnevalistisch Klasse-Gastauftritt ab. Reibeisen-Stimme Jupp Ebert intoniert Öcher Liedgut im besten Joe-Cocker-Sound. Die Prinzengarde mit neuem Kommandanten Dirk Trampen und dem ebenso neuen Tanzpaar Janine Schiffers und Marco Krings beeindruckt in voller Mannstärke – auch wenn das Tanzpaar bei so mancher Hebefigur noch nach Sicherheit sucht.

Bis weit nach Mitternacht marschieren dann zig Vereine mit Kind und Kegel Richtung Bühne, um dem neuen Prinzen zu huldigen. Da sind die Stuhlreihen schon fast leer, gefeiert wird ausgelassen zum „Wheels“-Repertoire im Foyer. Der Elferrat des Aachener Karnevalsvereins, Präsident Werner Pfeil und die närrische Kaiserstadt freuen sich auf eine echt schwungvolle Session mit Bernd I. Da kommen bewegte Zeiten auf die Jecken zu. Und vielleicht Freudentränen.

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