Bernd I. tanzt sich auf den Narrenthron

Von: Lee Beck
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Sitzt das Kostüm von Prinz Bernd I. auch richtig? „Aiutante“ Marcus Quadflieg geht lieber auf Nummer sicher. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er rührt sogar seine Tänzerinnen zu Tränen: Mit einer Liebeserklärung an seine „Mama“ und seine Frau Dagmar im Publikum treibt seine frisch gekürte Tollität die Prinzenproklamation am vergangenen Samstag auf einen emotionalen Höhepunkt.

1400 Jecke sind live dabei, als seine Worte „Daggi, ich liebe Dich“, durch den Saal hallen und Bernd Marx die Bühne verlässt, um persönlich die Blumen zu überreichen. Dazu läuft der Hit „Tage wie diese“ von den Toten Hosen im Hintergrund, und einige der Tänzerinnen seines venezianischen Maskenballs bekommen feuchte Augen.

Doch nicht nur für Dagmar Marx ist der frisch proklamierte Narrenheld ein echter Traumprinz. Ab sofort wird die Tollität Bernd I. über die Öcher Narren herrschen. Kurz nach seiner Proklamation kann Bernd I. kaum atmen, vor Aufregung und vor Anstrengung. Denn zuvor war alles Schlag auf Schlag gegangen.

Bernd I. hat den venezianischen Karneval mit einem spektakulären Tanzauftritt nach Aachen geholt. Dabei beweist er echte Ausdauer. Ein bisschen Aschenputtel, ein bisschen Musical, oben drauf venezianische Masken und wie immer ein Happy End – aus dem Prinzenspiel hat Bernd I. diesmal einen Prinzentanz gemacht: Rund 130 Tänzer und Tänzerinnen begleiten den angehenden Karnevalsprinzen, der eine Viertelstunde lang ganz vorne in der ersten Reihe tanzt. Bewegung, Tanz und Rhythmus – das sind die Leidenschaften des Prinzen, schließlich ist er im wahren Leben hocherfolgreicher Tanztrainer und hat mit seiner Gruppe schon zwei Mal den Titel des Deutschen Meisters im Schautanz gewonnen.

Ganz zu Beginn der rund vierstündigen Veranstaltung gab der zu diesem Zeitpunkt noch designierte Prinz im Karls-Kostüm einen kleinen Vorgeschmack auf das große Finale. Als Kaiser Karl tanzte er mit seiner Tanzgruppe und der des Festausschusses Aachener Karneval (AAK) bevor er sein Lied „Schwarz und Gelb“ anstimmte. Sein Prinzenmotto ist dem des Festausschusses angepasst: „Janz jeck op Kejser Karl än Karneval danzt Oche met os Maskenball“. Mit diesen Worten wird er von nun an die Jecken in Oche regieren.

Sein Zepter ist an der Spitze mit einer venezianischen Gondel geschmückt, denn in der Geschichte des Prinzenspiels ist Bernd Marx als Gondoliere im gestreiften T-Shirt auf den Kanälen von Aachen unterwegs. Er hegt den großen Traum, die italienischen Farben und die der Stadt Aachen, Schwarz und Gelb, zu vereinen. Am gleichen Abend findet ein großer Maskenball statt. Der Erzähler fragt: „Wird er beim großen Maskenball sein Glück finden?“

Beim Ball tragen alle, sowohl Tänzer als auch Hofstaat, den gleichen blauen Umhang und die gleiche Maske. Nur die Schuhe lugen verräterisch unter den Umhängen hervor und entlarven schon einige Mitglieder des Hofstaats, die von nun an italienische Namen tragen. Aus dem Mundschenk wird der „Corriere di vino“, aus dem Schängchen „Giovanni di Aquisgrana“ – und die Puppe trägt außerdem ab sofort eine venezianische Maske.

Doch die Frau seiner Träume läuft Bernd Marx davon und hinterlässt ihm nur eine Maske als Hinweis auf ihre Identität. Dazu passend das Lied „Sie ist weg“ von den Fantastischen Vier. Also sucht er die Geheimnisvolle und kommt ihr nur ein paar Sekunden später auf die Spur. Zusammen steigt Bernd mit seiner Angebeteten auf den großen Pfauenwagen: Jetzt ist es soweit, im Prinzenkostüm, unter Jubel und Lametta- und Konfettiregen winkt Bernd Marx den Fastelovvend-Wütigen im Euro­gress von seinem Thron aus zu.

Es ist seine Nacht der Nächte. Kurz bevor ihm die Insignien überreicht werden, die ihn offiziell zum Öcher Prinzen machen, gibt AKV-Präsident Werner Pfeil ihm noch ein paar Sekunden Zeit, um diesen großen Moment genießen zu können.

Die Prinzenkette hängt ihm sein Vorgänger Thomas Sieberichs um den Hals, sein Zepter gibt ihm der Präsident des AKV-Senats, Rolf Lücker, in die Hand. Seine Prinzenmütze setzt ihm AAK-Präsident Wilm Lürken auf den Kopf, mit Federn schmückt ihn Dietmar Spotke, Präsident des Senats der Prinzengarde. Die Urkunde übergab ihm der erste Bürger der Stadt, Oberbürgemeister Marcel Philipp.

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