Aachen - Bernd Büttgens: „Öcher Platt es jet för et Hazz”

Bernd Büttgens: „Öcher Platt es jet för et Hazz”

Von: Robert Esser und Sarah Siemons
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Mundart begreifen: Thouet-Preisträger Bernd Büttgens, stellvertretender AZ-Chefredakteur, ermutigte zum ungezwungenen Gebrauch des Öcher Platt - weil es Bodenhaftung bedeutet. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Zu Tränen gerührt, zum Lachen verführt, weä ene Öcher zouhürt. Und weil die 700 Gäste am Mittwochabend im Krönungssaal sehr genau zugehört hatten, hörten sie schließlich gar nicht mehr auf - zu klatschen: Stehende Ovationen umtosten den 26. Thouet-Mundartpreisträger Bernd Büttgens.

Der stellvertretende Chefredakteur der Aachener Zeitung hatte das Publikum zuvor mit seinem mitreißenden, ungewöhnlich persönlichen Plädoyer für os Modderesproech bewegt und begeistert. Zum Lachen, zum Weinen, zum Sinnieren. Orjinal Oche. Einmalisch. Denn in den Mittelpunkt seiner Rede stellte Büttgens nicht seine eigenen, hier ausgezeichneten Verdienste um die Förderung des Öcher Platt, sondern wegweisende Alltagshelden.

Von der Straße, im Berufsleben, aus der eigenen Familie: „Ich erzähle Ihnen von meinem Opa, weil er mich das Öcher Leben gelehrt hat”, sagte Büttgens. „Wer es wissenschaftlich haben möchte, dem kann ich sagen, dass sein Wirken an mir identitätsstiftend war. Er hat mich verortet.” Und weiter: „Die Identität korrespondiert mit einer Region mit einer Stadt, mit dem, was wir Heimat, Heämet nennen. Diese Identität vermittelt sich über die Sprache, über die Art zu denken.” Deswegen sein Appell: „Wir sollten auf diese Sprache und auf alles, was wir mit ihrer Hilfe so treffsicher beschreiben und ausleben dürfen, stolz sein. Öcher Platt es jet för et Hazz än för dr Buuch.”

„Keinen Heimatdichter, sondern einen Heimatbeschreiber” ehrten Hans Josef und Christophe Thouet mit dem renommierten Mundartpreis der Stadt Aachen. Als Journalist, Moderator und Schauspieler fungiere Büttgens als Bindeglied zwischen dem heimatverbundenen Öcher Platt und dem Hochdeutsch der Neuzeit. Eine Kombination, die Büttgens nicht nur im privaten Sprachgebrauch, sondern auch im Gespräch mit hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft pflegt. Ganz ohne Scheu. Weil Platt nicht flach, sondern Geradlinigkeit verspricht.

Nicht nur als Zeitungsredakteur, auch im Internet beim Twittern und Bloggen schafft Büttgens, wie Laudator Dr. Manfred Birmans betonte, den preiswürdigen Spagat: ohne unnötige Anglizismen, ohne anbiedernde Jugendsprache. „Er lebt die Öcher Art.”

Genauso witzig, charmant, schlagfertig und „zweisprachig” führte der Intendant der Grenzlandtheaters, Uwe Brandt, durch das knapp zweieinhalbstündige Programm. Der Chor der Domsingschule und Capella a Capella sangen Öcher Liedgut. Oberbürgermeister Marcel Philipp rezitierte das Gedicht „De Kellertrapp”. René Brandt brillierte mit einer fantastischen Öcher Version von Paul Potts Welthit Nessun Dorma: Gänsehaut-Atmosphäre im Krönungssaal, und wieder Standing Ovations. Ebenso bewundernswert glückte et Dreij-könnigs-Leddche der kleinen Laura Lennartz. Rührend. Schenkelklopfer und Zwerchfellattacken lösten Bruder Kalle und Vetter Olaf bei Bernd Büttgens und der Festgesellschaft aus. Das Duo schilderte einen Marsch über den Eifelsteig - mit viel „och härm” und noch mehr „u jööh”.

Noch mehr Hintergründe zum vortrefflichen Öcher Sprachschatz lieferte Dr. Karl Allgaier mit seinem Werkstattbericht. Nach dem furiosen Finale gab´s Bierchen und Öcher Börjer: Brötchen mit Blutwurst. Das traf auch geschmacklich ganz gezielt den Nerv der 26. Thouet-Preisverleihung. Wenig Tamtam, kein Bohei. Stattdessen plauderten Hunderte noch stundenlang - oft über Alltagshelden, meistens auf Platt. So wie das der Thouet-Preisträger in seiner Dankesrede auf den Punkt gebracht hatte: „Wer diese Sprache als ordinär, als primitiv, als gewöhnlich abtut, kennt ihren Reichtum nicht.” Hür?
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