Berliner Modell: Notenloser Unterricht inspiriert Lehrer

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
musimja1   13.03.2012  Musiker
Kollegium der vierten Gesamtschule besucht Berliner Modell und diskutiert nun mögliche Umsetzung an der Sandkaulstraße. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In Berlin haben die Aachener Lehrer ihren Horizont erweitert. Seit die vierte Gesamtschule im letzten Sommer die Arbeit aufgenommen hat, wird dort über pädagogische Ansätze, Zukunftskonzepte und Förderideen diskutiert.

Es wurde der Schulgong ausgeschaltet und ein gemeinsamer Start in den Schultag eingeführt, der nun sogar auf 30 Minuten verlängert wird. Und es wurde zu Lasten der Fachstunden zwei Stunden individuelle Förderung eingeführt, die nun auf sechs Stunden pro Woche ausgebaut wird.

„Wer - wie ich - als klassischer Lehrer sozialisiert wurde, dem tut es weh, Fachstunden zu verlieren. Aber wenn wir jeden Schüler mitnehmen wollen, dann müssen wir das individuelle Lernen ausbauen”, sagt Schulleiter Hanno Bennemann. Und über das wie haben seine Lehrer zuletzt nicht nur kontrovers diskutiert, sie haben sich - bei einem Fortbildungswochenende auf eigene Kosten - in Berlin an einer Schule umgeschaut, die die Idee der individuellen Förderung unglaublich ausgeprägt verinnerlicht hat.

Spannend und inspirierend nennt Lehrerin Jana Lauscher diesen Besuch an der Evangelischen Gemeinschaftsschule von Margret Rasfeld. Dort gibt es weder Fachunterricht noch Noten, die Klassen werden jahrgangsübergreifend gebildet, die Schüler kommen in Lernbüros zusammen und entscheiden selbst, welches Fach sie bearbeiten, sie haben Werkstätten und müssen ab Klasse 8 eine Herausforderung meistern - drei Wochen für 150 Euro leben, beispielsweise (mit einem erwachsenen Begleiter) im Zelt in Schweden.

Das wird im Sommer kein Aachener Gesamtschüler müssen. Aber der Besuch in Berlin hat unter den Lehrern die Diskussion entfacht, ob dieses preisgekrönte Berliner Modell etwas für die Schule an der Sandkaulstraße ist. „Das müssen wir nun mit allen diskutieren, vor allem mit den Eltern. So etwas muss von der ganzen Schulgemeinde gewollt werden”, sagt Bennemann. Er fügt aber auch hinzu: „Vieles, was dort gemacht wird, haben wir hier auch schon. Unser individuelles Lernen geht in die Richtung der dortigen Lernbüros - eben nur nicht in dieser Konsequenz.”

Seit fünf Jahren arbeitet die Berliner Schule nach diesem Modell, im Ruhrgebiet werden nun ähnliche Schulen von Margret Rasfeld eröffnet. Ohne Frontalunterricht. Ohne klassischen Klassenverband. Das klingt nach einer kleinen Schulrevolution im sonst so starren System. „Wir kennen es, dass ein Lehrer in eine Klasse kommt, um etwas zu vermitteln. Hier sitzen Kinder in einer Klasse und wollen lernen”, sagt Ferdinand Küpper-Jacobs von SSI (Systematische Schul-Innovation), der als Schulberater ebenso wie Alfons Döhler als Schulbegleiter mit dem Kollegium (elf Mitglieder) in Berlin war.

Die selbstständige Art der Berliner Schüler hat die Aachener Lehrerin Jana Lauscher jedenfalls beeindruckt. „Da lag Motivation in der Luft”, sagt sie. Mit Berliner Luft hatten die Aachener bislang gewiss anderes verbunden. „Wir haben sehr viel diskutiert. Es war wahnsinnig interessant”, berichtet sie. Und die Diskussion geht weiter. Einen Zeitplan gibt es nicht. „Wir müssen alle mitnehmen, wenn wir etwas verändern wollen”, sagt Bennemann. Und Ferdinand Küpper-Jacobs betont, worauf es letztlich ankommt: „Die Kinder müssen gerne lernen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert