Berliner Meilenstein soll unter Denkmalschutz gestellt werden

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15. Juni 1958: Bei der Präsentation des Berliner Meilensteins in Aachen plauderte die Aachener CDU-Bundestagsabgeordnete Emmi Welter (vorn) mit Regierungspräsident Hubert Schmidt-Degenhardt (3.v.r.).

Aachen. „Wir bleiben dran!“ Heico Last, Vorsitzender des Berliner Freundeskreises in Aachen, gibt sich entschlossen. Die Aachener Freunde der deutschen Hauptstadt wollen gemeinsam mit einer bundesweiten Initiative mit Sitz in Frankfurt/Main erreichen, dass der „Berliner Meilenstein“ in Aachen und an rund 300 anderen Standorten in Deutschland unter Denkmalschutz gestellt wird.

Wie die meisten anderen fristet auch der Aachener Meilenstein ein Mauerblümchendasein. Der 650 Kilo schwere Betonstein steht etwa 500 Meter hinter der Autobahnauffahrt Europaplatz in Richtung Köln. Von den meisten unbeachtet versteckt er sich in kniehohem Gras und unter Baumzweigen vor vermülltem Gestrüpp. Er ist von keiner Seite aus zugänglich - (verbotenermaßen) nur über die Autobahn. In den Stein sind fein eine Bärenskulptur der Berliner Kunstprofessorin Renée Sintenis eingemeißelt sowie mit 623,5 km die exakte Kilometerangabe von seinem Standort bis Berlin.

Der Kilometerstein ist in einem übel verwahrlosten Zustand. Der Beton bröckelt, die schwarze Inschrift blättert ab. „Diesen Kleindenkmalen der Solidarität mit Berlin aus der Ära des Kalten Krieges droht sang- und klangloser Untergang“, fürchtet Heico Last.

Der heute 87-jährige in Berlin geborene Wahl-Aachener, der 1949 direkt aus der Gefangenschaft nach Aachen zog und der als jahrzehntelanger Präsident des Bundes der Berliner in Aachen und auf Bundesebene als unermüdlicher Botschafter der geteilten Hauptstadt in aller Welt als charmanter „Mister Berlin“ hochgeschätzt war und ist, will mit dem Freundeskreis die Erinnerung an die Nachkriegsgeschichte Berlins wach halten. „Uns geht es darum, dass die Meilensteine als Kleindenkmale gewürdigt werden. Dann wären sie geschützt und jemand müsste sich um sie kümmern“, sagt Last.

Fragt sich, wer dieser „jemand“ sein könnte oder müsste. Der Aachener Meilenstein steht auf bundeseigenem Autobahn-Terrain. Bei seiner Enthüllung im Juni 1958 übergab ihn der anwesende Berliner Justizsenator Valentin Kiesinger ausdrücklich „in die Obhut der Stadt Aachen“, erinnert sich Last. Auch der heute verwilderte Standort des Meilensteins ist nicht angemessen. Im Berliner Freundeskreis wird überlegt, ob er beispielsweise nicht gut sichtbar aus Richtung Innenstadt-Blücherplatz auf der Mittelinsel vor dem Europaplatz platziert werden könnte. Erwogen wird auch, Herkunft und Bedeutung des Berliner Meilensteins als Kleindenkmal im Bürgerforum zu thematisieren.

Beim Landesamt für Denkmalschutz in Düsseldorf hat die Initiative den Antrag eingereicht, die Meilensteine unter besonderen Schutz zu stellen. Heico Last weist auf das Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck zum Tag des offenen Denkmals hin. Der Tag, so der Bundespräsident, “richtet unsere Aufmerksamkeit auf besondere oder belastete Zeugnisse unserer Vergangenheit”. Angenehmer und einfacher sei es, „sich mit dem Guten und Schönen zu befassen - auch mit ästhetischen Denkmalen, etwa prachtvollen Schlössern oder eindrücklichen Kirchen“.

Berliner Meilensteine als ein besonderes Zeugnis unserer Vergangenheit - mit diesem Wort steht Heiko Last ganz an der Seite des Bundespräsidenten. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten“, wiederholt „Mister Berlin“ sein Credo und versichert nochmals: „Wir bleiben dran!“

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