Beratung und Begleitung in Krisenmomenten

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Aachen. „Als der Mond vor die Sonne trat“ – so beschreibt ein Bilderbuch die Situation von Kindern, wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt. Denn dies bringt häufig erschütternde Konsequenzen für die gesamte Familie und deren Alltag mit sich.

 Unterstützung durch die professionellen Hilfesysteme ist – entgegen aller Erwartungen – in Deutschland nicht oder nur unzureichend geregelt.

Im März 2013 gegründet

Der im März 2013 in Aachen gegründete „Runde Tisch Brückenschlag“ versucht bundesweit erstmalig, die Unterstützung für Familien in dieser Situation zu strukturieren, zu vernetzen und sicher zu stellen.

Denn gerade Kinder haben mit dem drohenden Verlust einer wichtigen Bezugsperson zu kämpfen. Sie sind abhängig und noch nicht in der Lage, ein Unterstützungssystem zu mobilisieren oder aus eigener Kraft ihren Alltag aufrecht zu halten.

So erging es zum Beispiel auch dieser Familie: Die Mutter erkrankt an Krebs und wird mit einer Operation sowie mehreren Chemotherapien behandelt. In der Folge wird sie über Monate bettlägerig, weshalb sie sich nicht um die sieben und zehn Jahre alten Kinder oder den Haushalt kümmern kann. Der Vater ist durch seinen Schichtdienst stark eingebunden. Auf Angehörige können die Eltern nicht zurückgreifen. Eine Haushaltshilfe übernimmt die Krankenkasse nicht, weshalb schließlich Freunde seit bereits einem Jahr Koch-, Putz- und Betreuungsdienste übernehmen. Trotz der Unterstützung bleibt dieses Leben ein Ausnahmezustand, auf den die Kinder mit ernstzunehmenden Verhaltensauffälligkeiten reagieren.

So wie in diesem Beispiel geht es in der Städteregion Aachen pro Jahr schätzungsweise 1000 Kindern und Jugendlichen, etwa 350 von ihnen werden ihre Mutter oder ihren Vater verlieren. Aber auch wenn das Elternteil überlebt, können bei den Kindern psychische Sollbruchstellen verbleiben, die im weiteren Leben zu 30 Prozent mehr psychiatrischen Erkrankungen führen, wie z.B. Ängsten, Depressionen oder Sucht. In dieser Situation schwerer Krankheit sind die Eltern oft aus eigener Kraft nicht in der Lage, eine gute und verlässliche Betreuung zu organisieren.

„Es mangelt an einer Vernetzung zwischen Gesundheitssystem und Jugendhilfe“, erklärt Jessica Hugot vom Kompetenzfeld Familie der Caritas Aachen. Dr. Andrea Petermann-Meyer, Leiterin Sektion Psychoonkologie der Uniklinik Aachen ergänzt: „Problematisch ist, dass im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen nur ein Anspruch für die Betreuung von Kindern bis zum 12. Lebensjahr und bei einem Krankenhausaufenthalt gesetzlich verankert ist. Bei ambulanter Therapie, wenn der erkrankte Elternteil zu Hause ist, kann Unterstützung zeitlich nur sehr begrenzt gewährt werden und endet spätestens mit dem Tod des Versicherten – genau dann, wenn die Kinder am meisten auf Hilfe angewiesen sind.“

Weil sie um diese Problematik wissen und Abhilfe schaffen wollen, treffen sich seit einem Jahr Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen, der Jugendämter, des Caritas-Verbandes, des ECCA, der Hospizbewegung und Spezialisten aus der Kinder- und Jugendpsychotherapie am „Runden Tisch Brückenschlag“ unter der Schirmherrschaft von Ulla Schmidt. Die Partner haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und gemeinsam eine Koordinationsstelle beantragt. Sie soll betroffene Familien in Zukunft begleiten, beraten und individuelle Lösungen entwickeln. Die finanziellen Mittel für die Stelle sind beantragt, ein Eigenanteil von 65 000 Euro muss erbracht werden.

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