Benefizkonzert für Demenzkranke: Musik holt Erinnerungen zurück

Von: Kathrin Albrecht
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Sie boten eine beeindruckende Veranstaltung: Initiator Paul Timmermans mit Moderatorin Jutta Graab-Ehlig. Foto: Andreas Steindl
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Der Spiegel- als Konzertsaal: Beim Konzert für Demenzkranke fanden kulturelle und karitative Ideen in einem Einklang zusammen.

Aachen. Manchmal fliegt einen eine gute Idee im Auto an. So ging es Paul Timmermans. Während der Fahrt hörte der Psychotherapeut und Unternehmensberater einen Radiobericht, in dem eine Frau erzählte, wie sie ihrer an Demenz erkrankten Mutter ein Kinderlied vorgesungen hatte.

Die Mutter, seit Jahren kaum noch ansprechbar, erzählte ihrer Tochter, dass sie nach dem Kinderlied, das von einer Krake handelte, nicht einschlafen konnte. Da machte es Klick bei Timmermans: „Ich dachte, wenn das im kleinen Rahmen funktioniert, warum nicht auch etwas größer?“

Timmermans holte das Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel, den Rotary-Club Aachen-Stadt und das Theater Aachen ins Boot, um demenzkranken Menschen, ihren Betreuern und Angehörigen ein paar schöne Stunden mit klassischer Musik und Volksliedern zum Mitsingen im Spiegelfoyer des Theaters zu schenken. „Alle der Mitwirkenden treten ohne Gage auf“, erzählte jetzt Initiator Timmermanns. Weit über 170 Anmeldungen für das erste Konzert gingen ein, 150 Personen fasst das Spiegelfoyer.

Für ihn bedeutet die Organisation auch ein Stück Teilhabe: „Es gibt Musiktherapie in den Einrichtungen, aber die meisten, vor allem schwer demenzkranke Menschen können kaum noch die Einrichtungen verlassen. Jetzt sind sie hier, an dieser Kulturstätte.“ Die Vorfreude war bei vielen Besuchern sichtbar. Monika Sevenich, Betreuerin beim sozialen Dienst des Marienhospitals, ist mit Patienten aus drei Einrichtungen gekommen: „Immer wieder haben sie nachgefragt, wann es soweit ist. Musik ist gerade für ältere Menschen – ob dement oder nicht – eine Sprache, die jeder sofort versteht.“

Bei der Musikauswahl wurde darauf geachtet, dass möglichst jeder die Stücke kannte und eine emotionale Brücke zum persönlichen Leben entstand. Der Pianist Peter Grauer, Solistin Ellen Gürtler und sechs Praktikanten des Sinfonieorchesters gestalteten das Konzert, der Aachener Musiker Hejo Schenkelberg stimmte mit seinem Akkordeon die Gäste ein. Und die sangen vom ersten Ton an kräftig mit, summten, wo es keinen Text gab und schunkelten bei den Walzermelodien.

Bei vielen Besuchern wurden Erinnerungen an die Zeiten wach, als sie selbst noch öfter das Theater für ein Konzert oder eine Aufführung besucht haben. Nach rund zwei Stunden klang das Konzert mit „Tulpen aus Amsterdam aus“, passend dazu gab es auch als kleines Abschiedsgeschenk eine Tulpe für jeden. „Das haben die schön organisiert“, sagte eine Besucherin leise und lächelte. Die vielen strahlenden Gesichter im Theater belegten, sie war nicht die einzige, die einen schönen Vormittag verbracht hatte.

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