Benefiz-Gala „‘n Teller Buntes“ geht zum zehnten Mal über die Bühne

Von: Heinrich Schauerte
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Ihr Programm wird von Jahr zu Jahr witziger: Das Wall Street Theatre ist eine feste Größe ist beim „Kessel Buntes“ im Saalbau Kappertz. Mit Tellern jonglieren ist eine ihrer leichteren Übungen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Was in Aachen dreimal stattfindet, ist schon Tradition. Demnach müsste man „‘n Teller Buntes“ bereits zu den altehrwürdigen Institutionen zählen, denn die Benefiz-Gala ging jetzt zum zehnten Mal über die Bühne. Wieder war der Saalbau Kappertz bis zum letzten Platz gefüllt, und Gewinner waren wie immer die Heilpädagogische Waldorfschule und die Behindertenhilfe Aachen.

Zum runden Jubiläum kam die Rekordsumme von fast 9000 Euro zusammen, wie Organisator Norbert Conrads stolz verkünden konnte. Weil er das so lange schon so unermüdlich macht, wurde auch er auf der Bühne geehrt. Die eingespielte Gesamtsumme dürfte bei 80 000 Euro liegen.

Das Jubiläumsprogramm begann gleich mit einem Hochkaräter. Die Fleddermäuse luden zum „Tag der offenen Wunde“ bei Dr. Online, wo Heimwerker sich selbst operieren können, also quasi Skypen mit Skalpell. Da wurde nicht nur der Rücken von Frau Puckel online kuriert, sondern auch die Zipperlein von Frau von und zu Leidwesen und Herrn Auswurf.

Abenteuerlich geht es auch am Eifelsteig zu, dem Jakobsweg für Anfänger. Zwischen Himmeroth und Himalaya leben sie bekanntlich wild und gefährlich, die Lehrer mit Jack-Wolfskin-Jacken und strahlenabweisenden Handytaschen, die vor lauter Navi-Koordinaten den Wald nicht mehr sehen.

Zum Rentner-TÜV, der ja in keinem Programm mehr fehlen darf, müssen die Fleddermäuse ja wohl in absehbarer Zeit selbst – schau‘n wir mal, ob sie das dann noch lustig finden.

Überraschende Neuentdeckung

Eine überraschende Neuentdeckung dürfte für die meisten die A-cappella-Gruppe „Mit ohne alles“ sein. Ihr aktuelles Programm „Studentenfutter 2.0“ befasst sich nicht nur mit dem für viele immer komplizierteren Hürdenlauf über die Sprachbarriere, sondern auch mit dem typischen jungen Mann, der sich für nichts mehr entscheiden kann, nicht mal für Mensessen I oder II. Da man Musik einfach hören muss, bietet sich für alle, die das verpasst haben, der 5. Mai beim Cityfest Würselen an – ein ganz kostenloses Vergnügen bei traditioneller Sangeskunst.

Eine feste Größe ist beim Kessel Buntes das Wall Street Theatre. Diese Burschen brauchen praktisch keine Requisiten mehr, um alles darzustellen, was sie wollen. Ein Cowboyhut genügt, und man ist mitten in einem Western Saloon. Für einen waschechten Pakistani genügt eine Art Martinslaterne auf dem Kopf. Mit zwei Wäscheklammern sind sie perfekt verkleidet, und mit etwa 97 Tellern zu jonglieren, ist ohnehin eine der leichteren Übungen. Das wird jedes Jahr noch witziger als ohnehin schon. Vielleicht auch, weil Aachener ja eigentlich das genaue Gegenteil von Engländern sind.

Der lange Meikel wird auch immer besser in seiner Paraderolle als Jacques de au Schabrack, der typische Makroe von „Inter Orten“, wie der Franzose sagen würde. Hinter Horten befindet sich bekanntlich die Rue Antoine, und von da singt Meikel in einer unnachahmlich charmanten Mischung aus Französisch und Öcher Platt, was ja bekanntlich fließend ineinander übergeht.

Bauchredner Mawisch streift von der Tupperparty bis zu den Golfsocken mit 18 Löchern die ganze Breite der menschlichen Existenz. Am Ende bringt er dem Moderatoren-Duo Veronika Siebert und Norbert Conrads sogar noch das Bauchreden bei. Die beiden führten kurzweilig durch das Programm und präsentierten selbst allerhand Kunststückchen.

Ganz stark war der finale Auftritt von Henning Schmidtke. Der Klavier-Kabarettist erklärte nicht nur, warum teure Autos zwar keine Aufkleber haben, aber wohl Airbags fürs I-Phone. Vor allem nahm er sich mal das traditionelle Liedgut für Kinder vor, das eigentlich erst ab 18 sein dürfte. Seltsam, dass überängstliche Eltern alles verbieten, nur nicht die Mundorgel, die Bushido mit zitternden Fingern durchblättert und denkt „ach du Scheiße, wie soll ich das noch toppen?“

Ein wirklich intelligentes Programm, das auch provoziert und mit dem Grauen spielt – vermutlich sollte man sich das mal alles komplett ansehen. Und damit hat der „Kessel Buntes“ auch seine Funktion erfüllt, Appetit auf die Programme der Künstler zu machen, die hier ganz ohne Gage auftraten.

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