Bendplatz wird zur Manege für den großen Oleg Popov

Von: Sarah Thelen
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Ziehen die riesige Zeltplane mit reiner Muskelkraft in 37 Meter Höhe: Mitarbeiter des Russischen Staatscirkus´ beim Aufbau des 64 mal 64 Meter großen Zirkuszeltes auf dem Bendplatz. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Sechs schwere Trailer rumpeln über den Kiesbelag am Bendplatz, wirbeln mächtig Staub auf auf dem ansonsten leeren Platz. Ihr unverkennbares Gelb weist sie aus als Lastenträger und Vorboten des Zirkus aus, der ab dem 21. Oktober hier bis zu 1325 Zuschauer pro Vorstellung unterhalten wird.

Bei zwei Vorstellungen pro Tag wären das während der gesamten Spielzeit des Russischen Staatscircus bis zum 1. November immerhin mögliche 31.800 Zirkusfans. Klar, dass solch ein Anspruch große Vorbereitung erfordert. Zweieinhalb Tage schleppen, verkabeln und installieren deshalb 30 Mitarbeiter die Teile, die einmal das 64 mal 64 Meter große Zirkuszelt ergeben sollen.

Jeder Handgriff sitzt

Wieviel Gewicht und Quadratmeter Zeltplane, Taue und Eisenstangen die Aufbaumeister vor und nach jedem Spielort bewegen, wissen sie selbst nicht: „Es sind sehr große Mengen, wieviel ist nicht wichtig, solange es funktioniert”, findet Renata Bronkhorst, die die Deutschlandtour des Russischen Staatszirkus begleitet. Und dass jeder Handgriff sitzt, bleibt ohne Zweifel: Nur ein Gabelstapler zieht zu Beginn die schwere Kunststoffplane hoch, die restlichen der insgesamt 37 Höhenmeter bis zur Zeltspitze erledigt reine Muskelkraft.

Doch vorher heißt es: putzen. Mit Hochdruckreinigern spritzen die russischen Zirkusvagabunde jeden Zeltzentimeter ab, denn der Staub der Trailer und des Platzes hat auch hier Spuren hinterlassen. Doch genaue Arbeit ist wichtig, Schlamperei leistet sich hier niemand, schließlich sollen die Zuschauer am Ende „nicht nur zufrieden, sondern restlos beeindruckt sein”.

Bei so vielen Topacts im brandneuen Programm dürfte das ein Leichtes sein. Halsbrecherische Motorradstunts, verblüffende Zaubertricks, rasante Kunststücke zu Pferde, Akrobatik und natürlich die Clowns - alle 16 Nummern haben es in sich. Ein Höhepunkt ist ohne Zweifel Publikumsliebling Oleg Popov.

Als Clown mit Weltruf spielt sich der 79-Jährige trotz seines hohen Alters noch immer Vorstellung für Vorstellung mit Herzblut durch sein Programm, „und das macht er nicht, weil er es muss, sondern weil Zirkus sein Leben ist”, weiß Bronkhorst. „Auch wenn die Nase läuft oder Popov einen schlechten Tag erwischt, in der Manege ist davon nichts zu spüren”, schwärmt sie. Popov ist eben ein unverwüstlicher Profi, der seine Requisiten ausschließlich auf Flohmärkten findet.

Gemanagt wird der Russische Staatszirkus übrigens von Holland aus - „Schuld” daran ist die Liebe: „Ursprünglich gehörte der Zirkus der Familie Bondarev aus Moskau, vor 17 Jahren verliebte sich dann der Holländer Willem Smitt in die Tochter der Bondarevs und seitdem ist das Unternehmen in russisch-niederländischer Hand”, erklärt Bronkhorst.

Seine Artisten rekrutiert der Zirkus aus der ganzen Welt, vorwiegend jedoch aus russischen, weißrussischen und ukrainischen Zirkusschulen. Bislang ist von Artisten noch keine Spur auf dem Bendplatz, doch sobald das Zelt steht, reisen Showgruppen und Zirkustiere an. Und dann heißt es: Proben, Proben, Proben - denn bis es zum ersten Mal „Manege frei!” heißt, muss jede Nummer sitzen.
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