Bend: Teilverkauf an Lindt auf dem Weg

Von: Stephan Mohne
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Auch in Zukunft Nachbarn? Ein kleiner Teil des Bendplatzes soll an Lindt & Sprüngli verkauft werden. Der Rest soll dauerhaft dem Volksfest vorbehalten sein, sagen CDU und SPD. Ob die jetzt in Rede stehenden 8000 Quadratmeter dem florierenden Schokoladenhersteller dauerhaft reichen, steht zu bezweifeln. Er will bis zu 1000 neue Jobs schaffen und hatte dafür mindestens die Hälfte des Bendplatzes angepeilt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Kunde dürfte bei den Chocolatiers von Lindt & Sprüngli gut ankommen. Zumindest vordergründig. Der Betriebsausschuss für das Eurogress hat sich am Dienstag hinter verschlossenen Türen für einen Teilverkauf des Bendplatzes an das Unternehmen ausgesprochen.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, einen rund 8000 Quadratmeter großen Streifen an der Grundstücksgrenze zur Schokoladenfabrik abzugeben. Das entspricht etwa einem Fünftel des gesamten Bendplatzes. An dieser Stelle stehen während des Volksfestes Fahrzeuge der Schausteller, für die noch eine neue Parkmöglichkeit gefunden werden muss.

Anlass für den Verkauf ist der Expansionsdrang des florierenden Herstellers von Schokohasen, Weihnachtsmännern und feinen Pralinen. In den vergangenen Jahren wurden bereits auf dem großen Firmengelände zwischen Henrici-, Borchers- und Süsterfeldstraße zig Millionen in Anbauten investiert. Die Belegschaft hat sich auf weit mehr als 2000 Mitarbeitern verdoppelt. So soll es weitergehen.

Die Rede ist von weiteren bis zu 1000 neuen Jobs. Diese bieten zum Großteil auch Minderqualifizierten die Chance, in Lohn und Brot zu kommen. Allein: Auf dem Lindt-Areal ist kein Platz mehr. Deswegen hat das Unternehmen bei der Stadt den Vorstoß gemacht, Teile des Bendplatzes zu kaufen, um sich dort erweitern zu können. Eine schwierige Sache, denn eigentlich müsste der Bend dann dort weichen und an einen anderen Standort transferiert werden.

Was jetzt passieren soll, stellt eine Art Kompromiss dar. Und diese Kunde dürfte dann bei Lindt weniger gut ankommen. Einem Beschlussvorschlag von CDU und SPD – am Dienstag im Ausschuss vorgelegt – zufolge soll der Teilverkauf besagter 8000 Quadratmeter vorangetrieben werden. Aber das soll es dann auch gewesen sein. Denn der Rest des Platzes soll dann „dauerhaft“, wie es heißt, dem Volksfest erhalten bleiben.

Lindt allerdings geht davon aus, dass die nächste Erweiterung – für 2019 anvisiert – nicht die letzte sein wird. Deswegen wollte das Unternehmen sukzessive weitere Bendflächen nutzen. Nach AZ-Informationen war die Rede von mindestens der Hälfte des Platzes, möglicherweise mehr. Auf dem Rest könnte dann zur Kühlwetterstraße hin Wohnbebauung entstehen. Entsprechende Pläne hat das Unternehmen dem Vernehmen nach längst in der Schublade. Doch daraus würde bei der nun vorgesehenen Begrenzung nichts. Auch eine schwierige Sache. Lindt-Chef Adalbert Lechner hatte unserer Zeitung sinngemäß gesagt, dass man sich bei einem Mangel an Expansionsflächen abseits von Aachen nach neuen Standorten umschauen müsse. Es würde dann also die Abwanderung eines der größten Arbeitgeber in der Stadt drohen.

Die Linke kritisiert den OB

Grüne und Linke votieren dennoch gegen den Verkauf. Nicht um eine Expansion von Lindt zu verhindern, wie sie betonen. Sondern weil sie glauben, dass in diesem Bereich durchaus noch andere Flächen für die Erweiterung vorhanden sein könnten. Deswegen wollen sie, dass das Ergebnis der vergangenen Woche im Planungsausschuss beschlossenen Rahmenplanuntersuchung abgewartet wird. Doch das dürfte wohl zu spät kommen, denn Lindt hat ein enges Zeitfenster. Die Linke nimmt in Bezug auf dieses Thema einmal mehr die Rolle von OB Marcel Philipp kritisch unter die Lupe: „Es ist nicht die Aufgabe eines Oberbürgermeisters, ohne Auftrag des Rates durch Vorverhandlungen Fakten zu schaffen“, so Ratsfraktionsvorsitzender Leo Deumens Und: „Diese Neigung zu Alleingängen ist bereits im Zusammenhang mit dem Büchel sehr unangenehm aufgefallen.“

Voraussetzung für den Teilverkauf soll dem Beschlussvorschlag nach auch sein, dass Lindt auf diesem Streifen neue Produktionsanlagen baut. Das soll das Unternehmen zusichern. Eine Verlagerung des an der Süsterfeldstraße untergebrachten Lindt-Werksverkaufs auf die Bendseite wäre dann dem Wortlaut nach nicht möglich. Auch das könnte den Lindt-Plänen in die Quere kommen.

Ein Verkauf würde unterdessen wohl nicht nur Einnahmen bringen, sondern auch Kosten verursachen. Just in diesem Bereich des Bendplatzes liegen Ver- und Entsorgungsleitungen, die eventuell an anderer Stelle neu verlegt werden müssten. Außerdem muss der Rest des Bendplatzes neu geordnet werden, damit es möglichst wenige Einbußen beim Platz für Karussell & Co. gibt.

Eine Entscheidung zu dem brisanten Thema wird wohl nach weiteren Beratungen im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss am 19. September schließlich der Stadtrat tags darauf zu fällen haben.

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