Bekenntnis zu den regionalen Handwerkern

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
Empfang der Keishandwerkerscha
Empfang der Keishandwerkerschaft bei Kommer: Kreishandwerksmeister Herbert May begrüßte zahlreiche Gäste. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Man kennt sich, schätzt sich und freut sich auf den Austausch. Es ist Platz und Zeit für den beruflichen Dialog, für die ganz persönliche Bilanz und den Ausblick auf das Kommende. Das sind die Parameter, die den Sylvesterempfang der Kreishandwerkerschaft aus- und beliebt machen.

Seit Herbert May das Amt des Kreishandwerksmeisters von Hans Winnen übernommen hat, findet dieser Empfang in der guten Stube der Forster Verein, bei Kommer, statt. Die Lokalität darf mit ihrer Bodenständigkeit durchaus als Bekenntnis zur Basis, zur örtlichen und regionalen Verbundenheit interpretiert werden. Denn darauf kommt es Herbert May, der gemeinsam mit seiner Gattin Christa eingeladen hatte, an: das Bekenntnis zu den Betrieben vor Ort. Das machte der Kreishandwerksmeister in seiner programmatischen Ansprache unmissverständlich klar. Bei allem Positiven, das das ausgelaufene Jahr gebracht habe, komme es entscheidend darauf an, bestehende Schieflagen, ja Gefahren beim Namen zu nennen und in 2012 anzugehen.

Gäste aus vielen Bereichen

Rund 80 Gäste aus Politik, Finanzwesen, gesellschaftlichen Vereinigungen, Kirche, Unternehmerverbänden, Bundeswehr und vor allem der breiten Palette des Handwerks hatten sich versammelt. In ihnen fand May das richtige Forum, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Immerhin konnte der Aachener bilanzieren: „Ein Großteil unserer Betriebe blickt auf das Jahr 2011 als ein durchweg gutes Jahr zurück.” Das Handwerk sei in besonderer Weise von der Binnennachfrage abhängig, die „zufriedenstellend” gewesen sei. So habe das Handwerk den Stand der Vorkrisenzeit erreicht. Umso nachdrücklicher betonte er seine Mahnungen.

Steuern: Der Steuerbonus für Handwerkerleistungen habe sich weiterhin positiv ausgewirkt. Die Möglichkeit, die Lohnkosten abzuschreiben, schaffe reguläre Arbeit und reduziere Schwarzarbeit. May wiederholte die Forderung nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz für Handwerksleistungen, der regulärer Arbeit einen weiteren Impuls versetzen könne. Die Erhöhung der Grunderwerbssteuer zum 1. Oktober 2011 wertet der Kreishandwerksmeister allerdings als ein Signal in die falsche Richtung, denn der Erwerb von Grund und Eigentum sei so unnötig verteuert worden. Mit Folgen für die Auftragslage bei den Handwerksbetrieben.

Öffentliche Aufträge: Die Kommunen sind in einzelnen Bereichen wichtige Auftraggeber für die regionalen Betriebe. Allerdings zeige die Erfahrung, dass immer weniger regionale Betriebe den Zuschlag bei öffentlichen Aufträgen erhielten - sich umgekehrt aber auch immer weniger dieser Betriebe an den Ausschreibungen beteiligten. Die Ursachen seien vielschichtig, allerdings müsse man sich fragen, wie weiter entfernte Betriebe ihren Standortnachteil wettmachten.

Mindestlöhne: Mindestlöhne als Allheilmittel zu verkaufen, sei graue Theorie. Offensichtlich gibt es viele Möglichkeiten, diese zu unterlaufen. Oft seien Firmen zum Beispiel in der Hand von Alleininhabern. Folge: Diese Betriebe brauchten keine Mindestlöhne zu zahlen, da sie ja keine Arbeitnehmer hätten. Der Inhaber könne seine Arbeitskraft unterhalb der Mindestlöhne anbieten. Eher rhetorisch fragte May: „Ist das lautere Konkurrenz?”

Qualifikation nannte May gleich in diesem Zusammenhang. Möglich seien viele Missstände erst durch die Novelle der Handwerksordnung geworden, die die Meisterpflicht für 51 Berufe abgeschafft habe und nicht einmal mehr die Gesellenprüfung als Qualifikation für die Selbstständigkeit verlange. Alleine im Handwerkskammerbezirk Düsseldorf gebe es heute mehr Fliesenlegerbetriebe als vor Abschaffung der Meisterpflicht in ganz Deutschland. Die Politik ignoriere diese vom Handwerk geforderte Mindestqualifikation, die auch im Sinne des Verbraucherschutzes unumgänglich sei. Die Politik bleibe viele Antworten schuldig, oft seien zuständige Stellen überfordert.

May appellierte an die Vergeber öffentlicher Aufträge, die Möglichkeiten der mittelständischen Unternehmen zu berücksichtigen. Wenn eine Vergabe an eine Gewährleistungsbürgschaft von einer Million Euro geknüpft sei, so sei dies mittelstandsfeindlich. Nicht nur die Kommunen, auch die hundertprozentigen Töchter von Kommunen, zum Beispiel Energieversorger, seien in der Pflicht. Kleine und mittlere Unternehmen seien die tragende Säule der Wirtschaft.

Ausblick: In den Mittelpunkt seiner Hoffnung rückte May das „Gesetz zur steuerlichen Förderung der energetischen Sanierung von Wohngebäuden”. Dieses Gesetz könne einen Investitionsschub bringen, zugleich die Energiewende beschleunigen. Der Gesetzentwurf stehe aber vor der dritten Runde im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat. „Diese Hängepartie schadet der Wirtschaft, denn Investitionen werden zurückgehalten.” Für das neue Jahr gehen nur neun Prozent von einer guten, 69 Prozent von einer befriedigenden Geschäftslage aus. Hier mahnte May, dass die Vergabe an das „wirtschaftlichste” Angebot erfolgen müsse - das billigste im Nachhinein teurer sei.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert