Beitrag gegen das Vergessen

Von: Antje Uhlenbrock
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Will mit seiner Ausstellung in
Will mit seiner Ausstellung in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde auch positiv provozieren: der freiberufliche Autor und bildende Künstler Hans Werner Kiefer. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein Bild mit Hakenkreuz hängt in der Jüdischen Gemeinde am Synagogenplatz. Es wird dort akzeptiert. Es darf Teil einer Ausstellung über den jüdischen Übersetzer, Dichter und Lyriker Paul Celan sein. Aber es beschwört auch kritische Stimmen herauf.

„Es hat Diskussionen mit Ausstellungsbesuchern gegeben”, erklärt der freiberufliche Autor und bildende Künstler Hans-Werner Kiefer.

Sein umstrittenes Bild heißt „Die Mauer”. Das kleine gelbe Hakenkreuz ist der Beginn einer roten „Blutspur”, die in den blauen Namen „Celan” mündet. Um die Botschaft dieses Bildes zu verstehen, muss der Betrachter einen Blick auf Celans Biographie werfen. Dann wird er erfahren, dass die Nationalsozialisten das Leben des jüdischen Dichters und das seiner Eltern ständig bedrohten. Der Mord an Mutter und Vater traumatisierte Celan. 1970 wählte er mit nur 49 Jahren den Freitod in der Seine. Kiefer ist sich sicher, dass die Nationalsozialisten Celan in den Selbstmord trieben. „Ich als Künstler habe die Freiheit, das so zu sagen. Das Symbol brauchte ich, um dies zu dokumentieren”, sagt er.

Bittere Zeilen

„Nur das Flüstern des Windes” kombiniert Sachtext, Lyrik und Malerei. Ein Schwarz-Weiß-Foto des jüdischen Dichters eröffnet die Ausstellung. Mit jedem der folgenden Bilder wird eine Aussage Celans zitiert. Unter der „Mauer” steht: „Die nachzustotternde Welt, bei der ich zu Gast gewesen sein werde, ein Name, herabgeschwitzt von der Mauer, an der eine Wunde hochleckt.” Diese bitteren Zeilen schrieb der Dichter kurz bevor er seinem Leben ein Ende setzte.

Die Jugend erreichen

Fotografien und Computergrafiken von Edith Suchodrew vervollständigen die bewegende Ausstellung. Ihre Bilder aus New York stehen für das Leben, Kiefers Werke für den Tod. „Meine Bildarbeiten verfolgen das Ziel, mit Hilfe einer Mischtechnik auf Papier und Holz, den jeweiligen Sachtext und die hierbei einfließende Lyrik zu Sprache und zum Bild zu machen”, erklärt der Baesweiler Künstler Hans-Werner Kiefer.

Die Texte Celans sind nur schwer zu verstehen. Kiefers expressionistische Bilder und eigene Gedichte sollen diesen Prozess erleichtern - insbesondere für junge Leute. „In der Kultur finden sie, wie wir, die entscheidenden Argumente des Kampfes gegen negative Alltagsversuchungen und vor allem gegen den Nazismus.” Kunst verbinde und solle Brücken bauen. Der Dialog, die Verständigung und das Erinnern stehen im Vordergrund der Ausstellung. Kiefer möchte damit „einen Beitrag gegen das Vergessen leisten”.

Die Ausstellung „Nur das Flüstern des Windes” ist bis zum 21. August verlängert worden. Die Öffnungszeiten sind jeweils montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr sowie montags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 17 Uhr.
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