Beisetzungspaten: Wenn auf dem letzten Weg die Begleitung fehlt

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Suchen für die Pfarrgemeinde St. Josef und St. Fronleichnam Beisetzungspaten, die einsame Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten: Schwester Consolatrix, Ehrenamtlerin Christa Schinkenmeyer, Pastoralreferentin Gabriele Eichelmann und Diakon Rolf Berard. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn ein geliebtes Familienmitglied, ein Freund, der Partner oder einfach nur ein nahe stehender Mensch verstirbt, ist die Trauer groß. Die Beerdigung ist dann die letzte Ehre, die man dem Toten erweist, eine Art Verabschiedung, ein Ritual, das tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Nur wenige wissen, dass immer mehr Menschen ohne Trauergemeinschaft bestattet werden.

Der letzte Weg wird dann zur einsamen und schlichten Begebenheit. Wenn keine Angehörigen da sind oder ausfindig gemacht werden können, ist das Ordnungsamt für die Bestattung zuständig. Dieses und der Vertragsbestatter der Stadt Aachen wiederum informieren dann die entsprechende Gemeinde.

Jährliche Gedenkfeier

Im vergangenen Jahr sind in Aachen auf diese Weise 150 Bestattungen vorgenommen worden. Einmal im Jahr findet für all diese Verstorbenen eine große Gedenkfeier statt. „Unser Wunsch wäre es, wenn außer den Mitarbeitern der Stadt und demjenigen, der die Bestattung vornimmt, auch noch andere Menschen einem Verstorbenen das letzte Geleit geben würden“, so Gabriele Eichelmann, Pastoralreferentin bei der Pfarrgemeinde St. Josef und St. Fronleichnam.

In ihrer Gemeinde gibt es sogenannte „Beisetzungspaten“, welche genau diese Aufgabe übernehmen. „Ich werde nie vergessen, als ich das erste Mal Zeuge einer solchen Beerdigung wurde – da stand einfach nur der nackte Sarg ohne Blumen und anschließend wurde auch noch der Name vom Sarg entfernt“, erzählt Eichelmann. So begann sie zunächst auf eigene Faust, Beisetzungspaten zu finden, schließlich wurde regelmäßig in den Sonntagsgottesdiensten vermeldet, wann eine solche Beerdigung stattfindet, um Menschen für diesen christlichen Ehrendienst zu gewinnen.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es nun eine Telefonliste, in die sich jeder als Beisetzungspate eintragen kann. Bei Bedarf wird die Liste dann abtelefoniert. Eichelmann betont, dass die Idee der Beisetzungspaten nicht neu ist, auch in anderen Gemeinden in Aachen gibt es solche Initiativen, oft unter anderem Namen. Zudem wurde der „Ökumenische Arbeitskreis Bestattungskultur in Aachen“ ins Leben gerufen, in dem auch solche Initiativen besprochen werden.

Der letzte „Ehrendienst“

In Aachen werden alle Begräbnisse, die das Ordnungsamt veranlasst hat, nicht anonym durchgeführt. Die entsprechenden Grabstätten werden jeweils mit einem Holzkreuz mit den Lebensdaten des Verstorbenen versehen. Seit Juni 2013 werden all diese Begräbnisse, die das Ordnungsamt übernimmt, auf dem Friedhof Hüls zentral auf einer bestimmten Rasenfläche ausgeführt.

Dort übernimmt der Aachener Stadtbetrieb die Grundpflege. Dass immer mehr Menschen einsam sterben, sieht Rolf Berard, Diakon der Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam, als Zeichen der Zeit und auch als Folge der zunehmenden Anonymisierung in großen Städten. „Früher waren die Gemeinschaftsgefüge wesentlich ausgeprägter. Da kam ja nicht nur die eigene Familie zu der Beerdigung, sondern zum Beispiel auch der Schützenverein, dem der Verstorbene angehörte.“

In seiner Pfarrgemeinde möchte man nicht wegschauen, sondern auf die neuen Begebenheiten reagieren. Denn der letzte „Ehrendienst“ ist halt auch eine Sache des Glaubens. „Jeder hat es verdient, ordentlich verabschiedet zu werden. Daher freuen wir uns über jeden Beisetzungspaten, der uns dabei unterstützt“, so Eichelmann.

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