Aachen - Beim Krimi-Finale gefriert nicht nur Opfern das Blut

Beim Krimi-Finale gefriert nicht nur Opfern das Blut

Von: Dieter Spoo
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Aachen. Inmitten von Regalen mit Kinderbüchern und Belletristik steht das Pult von Antonio Manzini. Der Schauspieler und Drehbuchautor liest im Endspurt der Aachener Krimitage aus seinem Roman „Der Gefrierpunkt des Blutes“.

Es sitzt sich gemütlich in der voll besetzten Buchhandlung Schmetz am Dom. Doch die Behaglichkeit schwindet schnell, wenn der Autor das Auffinden einer brutal zugerichteten Leiche im Schnee der steilen Hänge des Aostatales genau beschreibt. Dabei hatte der Entdecker des Ermordeten, Fahrer einer Schneeraupe, erst gedacht, er habe nur ein lahmes Huhn unter die Ketten bekommen.

Die Handlung des Romans ist nicht außergewöhnlich. Ein Toter wird gefunden, die Polizei sucht den Mörder. Doch Orte und Personen sind eigenwillig. Rocco, ein arroganter, eitler Ermittler, leicht korrupt, ansonsten aber ungeschminkt ehrlich, kommt, strafversetzt aus dem milden Klima Roms, in die eiskalte Provinz des Aostatals, und er muss dort seinen Platz finden. Er trifft auf ebenso individuellen Typen, wie er selbst einer ist. Wie sich diese Menschen während der Aufklärung eines Verbrechens näherkommen oder auch nicht, ist amüsant und spannend zugleich dargestellt.

„Als Ihr im Aostatal noch Steine geklopft habt, waren wir in Rom schon schwul“, erklärt Rocco den kulturellen Graben zwischen Capitale und Provinz auf die ihm eigene ironisch-lakonische Art. Der Autor lässt seine Figuren heftig fluchen, jeder geht jedem „auf den Sack“, und meist ist alles „Scheiße“.

Auf Italienisch hört sich das für deutsche Ohren weniger deftig an, und der Römer Manzoni liest in seiner Sprache, die Zuhörer orientieren sich an einer deutschen Kopie. Im Wechsel mit deutschen Passagen, die Buchhändler Walter Vennen vorträgt, entwickelt sich die Handlung. In Italien finden sich die fünf Krimis von Manzoni auf den Bestsellerlisten. Bisher liegen zwei in deutscher Übersetzung vor.

Der Abend wurde in Kooperation mit dem Deutsch-Italienischen Kulturkreis geplant. So entwickelte sich eine Hommage an die (meist) elegante Fremdsprache, und auch die Nachfragen aus dem Publikum wurden alle auf Italienisch gestellt. Einig waren sich die vielen zweisprachigen Zuhörer über die gute und atmosphärisch gelungene Buchübersetzung ins Deutsche.

Zum Abschluss der Krimitage gibt es dann ein gutes Glas Rotwein für die Besucher, nicht aus dem Aostatal, aber aus Venetien. Walter Vennen zieht eine positive Bilanz aus den 15 Veranstaltungen der siebten Aachener Krimitage.

Tenor: Die Arbeit der Vorbereitungsgruppe, geleistet von Aachener Buchhändlern, in Form gebracht durch Barbara Hoppe-Vennen, hat sich gelohnt. Bis auf zwei Veranstaltungen waren die Lesungen gut besucht bis ausverkauft. Besonders die Abende an ungewöhnlichen Orten wie im Justizzentrum und im Franz waren erfolgreich.

Die Ausrichtung der Krimitage war allerdings zeit- und kostenintensiv. Da stecke die Branche deutlich mehr Geld hinein, als durch Verkäufe wieder herauskomme, sagt Vennen. Doch der Kontakt mit zahlreichen alten Bekannten und sehr vielen Erstbesuchern, die zufriedenen Teilnehmer und Autoren machten das Engagement lohnenswert und erfreulich.

Die nächsten Aachener Krimitage sind bereits in Vorbereitung. Die Planer suchen nach attraktiven Leseorten. Das wird teuer, und so werden auch noch Sponsoren gesucht für ein Veranstaltungsformat, mit dem die Buchhändler zum achten Mal die Stadtkultur bereichern wollen.

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