Aachen - Beim Ei gilt: Jetzt lieber regional!

Beim Ei gilt: Jetzt lieber regional!

Von: Annika Kasties
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Mehr Umsatz: Im Hofladen auf Gut Paulinenwäldchen sieht Anja von Lück zurzeit viele neue Gesichter. Foto: Michael Jaspers
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Neukunde Dieter Pier kaufte erstmals in dem Bioladen Eier ein. Foto: Michael Jaspers
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Garantiert Fipronil-frei: Die Hühner auf dem Biobauernhof reinigen sich selbst im „Sandbad“ von Milben und anderen Parasiten.

Aachen. Normalerweise kauft Dieter Pier seine Hühnereier im Supermarkt. Doch normal ist für den 69-Jährigen zurzeit wenig. Der jüngste Lebensmittelskandal habe den Rentner total überrascht. „Wir machen uns Sorgen wegen der Vergiftung“, sagt er. Insbesondere seine 14-jährige Enkelin sei von den Medienberichten über mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier verunsichert.

„Sie hat Angst, dass sie stirbt“, bringt es Ehefrau Anna-Maria Pier mit deutlichen Worten auf den Punkt. Deshalb hat das Paar an jenem Montagmittag einen großen Bogen um den Supermarkt gemacht und ist stattdessen zum Gut Paulinenwäldchen gefahren. Denn am nächsten Tag sollen Eier auf den Tisch kommen. Und die kauft das Ehepaar nun lieber beim Biobauern.

So wie Dieter und Anna-Maria Pier geht es zurzeit vielen Verbrauchern. Davon profitieren vor allem die regionalen Erzeuger. Und das, obwohl nachweislich auch Bioeier von dem Skandal betroffen sind. „Eier sind beim Verbraucher ein besonders sensibles Thema“, weiß Anja van Lück, Leiterin des Bildungsteams auf Gut Paulinenwäldchen. Die Nachfrage nach Bioerzeugnissen sei seit Bekanntwerden des Eier-Skandals enorm. „Im Hofladen haben wir vergangene Woche doppelt so viele Eier verkauft wie in einer normalen Ferienwoche.“

Den zahlreichen Neulingen, die es dieser Tage zum ersten Mal in den Hofladen in die Soers führt, brenne vor allem eine Frage auf den Nägeln: Sind die Eier belastet? Das kann Anja van Lück mit Überzeugung ausschließen. „Unsere Eier kommen von zwei Bioland-Höfen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten. Dort kommen keine chemischen Pestizide zum Einsatz.“ Stattdessen werden die Hühnerställe noch ganz klassisch mit Schaufel, Besen und einem Heißwasserhochdruckreiniger gereinigt. Eine entsprechende Stellungnahme von den Partnerhöfen liegt im Hofladen aus.

Auf Fleißarbeit setzt man bei der Reinigung des Hühnerstalls auch auf Gut Paulinenwäldchen selbst. Auf die Chemiekeule werde prinzipiell verzichtet, betont van Lück. Die auf dem Biobauernhof erzeugten Eier kommen jedoch nicht in den freien Verkauf, sondern gehen an die Hühnerpaten – an Verbraucher, die genau wissen wollen, woher die Eier kommen, und die deshalb die Verpflegung und Unterbringung eines Huhns pro Jahr bezahlen

. Bei den gerade mal 100 Hühnern, die hinter dem Hofladen emsig Gras vom Boden picken, sei der Einsatz von Pestiziden nicht nötig, sagt van Lück. „Freilandhühner sind grundsätzlich robuster. Schließlich verbringen sie den ganzen Tag draußen an der frischen Luft.“ Die Tiere reinigten sich zudem ganz gut selbst von allerlei Parasiten, indem sie sich jederzeit in feinem Sand „baden“ könnten. Das Prinzip zieht: Mittlerweile müsse laut der Pädagogin sogar das Los entscheiden, wer eine Patenschaft für die Hühner übernehmen darf.

Auch an der Niederforstbacher Straße in Brand stehen die Kunden zurzeit vor dem Hofladen Schlange. Innerhalb von gerade mal einer Stunde sei der gesamte Eier-Bestand – immerhin rund 700 Stück – sowohl am Freitag als auch am Samstag wie leergefegt gewesen, berichtet Inhaber Dirk Ziemons. „So etwas kenne ich sonst nur vor Weihnachten!“

Knapp 1000 Hühner hält Ziemons in fünf Ställen. Bei der Reinigung setzt auch er auf den Hochdruckreiniger, heißes Wasser und allenfalls etwas Natronlauge. Von Fipronil keine Spur, versichert er. In einem Facebook-Beitrag von Freitag drückt er sein Bedauern darüber aus, dass viele Verbraucher nur wegen des jüngsten Lebensmittelskandals regionale Erzeuger aufsuchen: „Es freut uns, dass Sie den Weg in unseren Hofladen gefunden haben. Traurig stimmt uns der Umstand, dass Sie eigentlich nur zu uns kommen, weil Sie Angst haben, Ihre bisher gekauften Eier könnten vergiftet sein.“ Der Post wurde mittlerweile mehr als 5000 Mal bei Facebook geteilt. Selbst aus Baden-Württemberg habe er positive Zuschriften erhalten, berichtet Ziemons erstaunt.

Ein nachhaltiges Umdenken beim Verbraucher erwartet er jedoch nicht. „In zwei bis drei Wochen kaufen die Leute ihre Eier wieder beim Discounter.“ Bis der nächste Lebensmittelskandal um die Ecke komme.

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