Aachen - Bei Eis und Schnee lief (fast) alles glatt

Bei Eis und Schnee lief (fast) alles glatt

Von: Robert Esser und Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
schneeuntenbild
Vorsicht Kehrverkehr: Nicht nur in der City liefen die Räumfahrzeuge am Montag auf Hochtouren.

Aachen. Kalt erwischt wurde am Montag nicht nur mancher Pkw-Pilot vom plötzlichen Schneetreiben überm Talkessel - wiewohl die Wetterfrösche bereits vergangene Woche über reichlich erhöhtes Flockenaufkommen geunkt haben.

Auch der städtische Räumdienst kam am frühen Montag augenscheinlich weniger flott in die Gänge, als es sich mancher gestresste Autofahrer gewünscht hätte - dennoch: Das große Chaos blieb aus. Auch wenn die Leitung des hiesigen Winterdienstes - kein Scherz - in Winterurlaub weilt.

Was sicher nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken ist, dass auch Aachens 26000 Pennäler den Reiz der weißen Pracht bis Mittwoch noch in vollen Zügen statt in überfüllten Schulbussen genießen dürfen. Bis gegen 13 Uhr bereits ermittelte der Chef der Wetterwarte auf dem Wingertsberg eine Schneehöhe von immerhin zwölf Zentimetern.

Seit elf Stunden war der Winterdienst da schon mit bis zu 30 Räumfahrzeugen durch die Region gekurvt. Bereits um 2 Uhr nachts hatte die Feuerwehr Pflüge und Streufahrzeuge angefordert - normalerweise geht´s gegen 4 Uhr los.

Ein Drittel der Flotte widmet sich dabei zunächst den Hauptverkehrsstraßen und glatteisgefährdeten Steigungen in der City, der Rest dreht in den Außenbezirken die Runden. Drei Stunden benötigen 90 Fahrer laut Einsatzplan für die 555 Hauptstraßenkilometer der Stufe 1.

Seit Sonntagabend wurden 100 Tonnen Salz und zehn Tonnen Granulat verschleudert. Und jede Menge Personal angeheuert, aushilfsweise gar 70 Leute der Kehrmännchen-Armada. „Hier im Winterdienst ist jetzt alles unterwegs, was Arme und Beine hat”, sagte Axel Costard vom städtischen Presseamt.

„Erstaunlich ruhig”

Der sogenannte manuelle Winterdienst mit 270 Kräften muss die Verkehrssicherheit für 223 Kreuzungen, 27 Fußgängerzonen, 183 Überwege, 410 Gehwege, 81 Radwege, 18 Brücken- und 64 Treppenanlagen gewährleisten. Dass dies bei anhaltendem Schneefall mit Verzögerungen verbunden ist, liegt auf der Hand.

Genau wie bei der Aseag. Die roten Kolosse rollten vor allem vormittags Verspätungen von bis zu 30 Minuten hinterher. Trotzdem fällt die unfallfreie Bilanz positiv aus: „Es ist erstaunlich ruhig geblieben”, erklärte Aseag-Sprecherin Anne Linden. „In den Ferien ist natürlich spürbar weniger weniger Verkehr unterwegs.”

Für Privatleute lief´s zumindest im übertragenen Sinne nicht immer so glatt: Zwischen 4 und 13 Uhr registrierte die Polizei 15 leichtere Unfälle. In der Elisabethstraße wurde eine Frau bei einem Zusammenstoß verletzt.

„Im Ganzen haben die Autofahrer die Lage aber gut bewältigt”, lobte Polizeisprecher Paul Kemen - nicht ohne nochmals darauf hinzuweisen: „Wer jetzt nicht mit Winterreifen fährt und den Verkehr behindert oder gar einen Unfall verursacht, wird mit einer Geldbuße zur Rechenschaft gezogen.” Schlimmstenfalls ist auch der Versicherungsschutz gefährdet.

Kein freies Bett im „Plattform”

Durchaus in Sicherheit wiegen dürfen sich indes Zeitgenossen, die nach warmen Mahlzeiten und Schlafplätzen Ausschau halten (müssen). „Niemand muss allein draußen frieren. Wir haben ausreichend Kapazitäten in den elf Übergangswohnheimen der Stadt”, betonte Sozialamtsleiter Günter Schabram aus gegebenem Anlass. Denn das Café Plattform der Caritas am Veltmanplatz stieß am Montag bereits an die Grenzen seiner Möglichkeiten.

„Zurzeit sind wir mit sieben Personen überbelegt, die mussten sich mit Isomatten auf dem Fußboden einrichten. Aber wir schicken natürlich niemanden weg”, unterstrich Simone Holzapfel, Leiterin der Obdachlosen-Einrichtung - wenn, dann eben allenfalls in die ebenfalls betreuten städtischen Unterkünfte.

Auch die Wärmestube der Wabe in der Ottostraße 80 zählt zurzeit täglich im Schnitt rund 80 Besucher, die sich dort eine Mahlzeit oder ein Tässchen Kaffee angedeihen lassen und deutlich länger verbleiben als bei weniger strenger Witterung.

Und der Bedarf könnte noch deutlich steigen - will sagen: Schnee von gestern soll heute allenfalls die weiße Pracht sein, die frostigen Temperaturen bleiben vorerst. Und klettern weiter abwärts Richtung Polarklima: „Bis Mittwoch kann des Thermometer auch in Aachen locker auf minus zehn Grad Celsius und darunter sinken”, weiß Jürgen Laufer, Mitarbeiter der Wetterwarte.

Buchstäblich eingefroren werden voraussichtlich auch die aktuellen Bauarbeiten an wichtigen Verkehrsachsen wie dem Boxgraben oder der Trierer Straße. Auch die Neugestaltungen des Pflasters in der Fußgängerzone Dahmengraben/Holzgraben und des neuen Tivoli-Vorplatzes müssen pausieren, solange Väterchen Frost derart aktiv bleibt.

Wenig Grund, die Hände in den Schoß zu legen, haben überdies die Hausbesitzer bzw. Mieter, die die „Verkehrssicherungspflicht” übernommen haben: Sie müssen zwischen 7 und 20 Uhr dafür sorgen, dass die Bürgersteige vor ihren Grundstücken gefahrlos begehbar sind. Wohl dem also, der in Sachen Streugut vorgesorgt hat - in vielen Geschäften waren die einschlägigen Depots am Abend längst leer...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert