Aachen - Bei der Schulsozialarbeit ist noch Luft nach oben

Bei der Schulsozialarbeit ist noch Luft nach oben

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
Kinder Symbol Schüler Schule Kinderhände Symbolfoto: Fredrik von Erichsen/dpa
Die Sozialarbeit an den Aachener Schulen wurde jetzt erstmal evaluiert. Symbolfoto: Fredrik von Erichsen/dpa

Aachen. Wenn in Aachen jeden Morgen mehr als 21.000 Kinder und Jugendliche die Schwelle zu ihrer Schule betreten, dann haben sie nicht nur einen Schulranzen mit Büchern und Heften im Gepäck. Sondern auch einen ganz individuellen Rucksack mit all ihren Stärken, Schwächen und Problemen. Und gerade letztere haben es mitunter in sich.

Nicht nur deshalb hat sich der Einsatz von Schulsozialarbeitern an Aachens Schulen zu einem unverzichtbaren Baustein der pädagogischen Arbeit entwickelt, der immer wichtiger wird.

Aktuell beschäftigt die Stadt neben einer Teamleiterstelle 35 Schulsozialarbeiter auf insgesamt 27,5 Stellen. Hinzu kommen zehn Landesstellen sowie drei Fachkräfte speziell für den Bereich Integration. Wie deren Arbeit an den städtischen Schulen angenommen wird und an welchen Stellen in puncto Wirksamkeit nachgerüstet werden muss, das hat die Stadt nun erstmals mit einer umfassenden und flächendeckenden Befragung ermittelt.

Unter der Federführung von Ruth Comos, Teamleiterin für Sozialarbeit im städtischen Fachbereich Kinder, Jugend und Schule, wurden Tausende Fragebögen an Schüler, Lehr- und Fachkräfte versandt und akribisch ausgewertet. So entstand für jede einzelne Schule – angesprochen waren von der Grundschule bis zum Gymnasium insgesamt 35 Einrichtungen – ein ganz individueller Datenkatalog: Wie wird die Schulsozialarbeit von den Kindern und Jugendlichen angenommen? Welche Problemfelder gibt es? Wie groß ist das Vertrauen in die Fachleute – und wie wirksam ihre Arbeit?

In einem zweiten Schritt wurden die Daten anonymisiert in einem 24 Seiten starken Heft zusammengefasst, das neben allerlei statistischen Daten und Grafiken auch die ein oder andere Überraschung bereithält.

Dass der Themenkomplex Mobbing sowohl offline als auch online über Soziale Netzwerke an Aachens Schulen kein Halt macht, dürfte für die Fachleute dabei kein Aha-Moment gewesen sein. Die konkreten Zahlen hätten die Experten dann aber doch überrascht, wie Comos mitteilt. So gaben rund neun Prozent der befragten Schüler aus der Sekundarstufe I – insgesamt 271 Kinder und Jugendliche – an, selbst schon Opfer regelmäßiger Schikane gewesen zu sein.

Mit insgesamt 277 Schülern liegt der Anteil derer, die zugaben, selbst schon auf der Täterseite gestanden und aktiv Mitschüler gemobbt zu haben, ebenfalls bei knapp unter zehn Prozent. „Wenn man dabei noch die Dunkelziffer bedenkt, ist das schon erstaunlich“, sagt Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Alles in allem seien die Ergebnisse zur Häufigkeit von Streit- und Konfliktsituationen an Schulen „frappierend“ und verdeutlichten zugleich, wie groß der Bedarf ist – und zwar über alle Schulformen und Altersklassen hinweg.

Die Ergebnisse sollen nun unter anderem genutzt werden, um Standards im Umgang mit Mobbing zu entwickeln. So hätten einige Schüler angegeben, dass mit Unterstützung des Schulsozialarbeiters die Schikane zwar vorübergehend beendet worden sei, der „Mobbingprozess“ allerdings nach einiger Zeit wieder von vorne begonnen habe. „An einigen Stellen fehlt offensichtlich ein wirksames Kontrollsystem, das wir erarbeiten müssen“, sagt Comos.

Eine positive, wenn auch ebenfalls wenig überraschende Erkenntnis, die der Stadt nun anhand stichhaltiger Zahlen vorliegt, ist: Schulsozialarbeit wirkt. Ein Großteil der befragten Lehr- und Fachkräfte gab an, dass sie sich durch die Unterstützung der Experten entlastet fühlen und Probleme und Krisen im Schulalltag besser bewältigt werden. Die weniger erfreuliche Nachricht: Der Bedarf ist größer als das Angebot.

Zwar hat die Stadt im Haushalt 2018 finanzielle Mittel für zwei weitere Schulsozialarbeiterstellen geschaffen. Doch auch mit diesen können nicht alle Schulen versorgt werden. So haben 14 von 35 städtischen Grundschulen keinen Schulsozialarbeiter. Auch bei den Gymnasien ist noch Luft nach oben. Der Antrag der Linken im Stadtrat, zehn weitere Stellen zu schaffen, von denen insbesondere die Gymnasien profitieren sollten, wurde im Rahmen der Haushaltsdebatte im Kinder- und Jugendausschuss abgelehnt.

Dass diesbezüglich aber noch nicht das letzte Wort gesprochen ist und die Schulsozialarbeit auf lange Sicht sicherlich weiter ausgebaut werden muss, deutet Heinrich Brötz an: „Die Zukunft der Schulen ist multiprofessionell, sei das nun durch Sonderpädagogen, Schulsozialarbeiter oder andere Experten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert