Befragung: Angeblich 37 Manipulationen

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Lässt sich die Online-Bürgerbefragung zum Haushalt 2011 manipulieren? Und: Wird sie manipuliert? Die SPD hat die Sicherheitsmaßnahmen der Online-Bürgerbefragung zum Haushalt 2011 angezweifelt.

Über entsprechende Programme würden sich IP-Adressen anonym zuordnen lassen, und eine Mehrfach-Beteiligung sei problemlos möglich, kritisierten Ratsherr Michael Servos und seine Parteikollegen.

Eine vorläufige Missbrauchsanalyse, die der AZ vorliegt, zeigt nun, wie es tatsächlich um mögliche Beeinflussungen des Ergebnisses steht. Erstellt wurde die Analyse von Zebralog, der von der Stadt Aachen beauftragten Beratungsfirma. „Nur bei 37 ausgefüllten Fragebögen (von zwei verschiedenen Zugriffsrechnern aus) scheint der zielgerichtete Versuch einer Beeinflussung vorzuliegen”, heißt es darin. Zum Zeitpunkt der Analyse hätten 3200 vollständig durchlaufene Fragebögen vorgelegen. 1325 mal wurde der Fragebogen begonnen, aber nicht zuende ausgefüllt. 1443 Mal wurde mehrfach abgestimmt.

Über die Hälfte dieser Mehrfachzugriffe habe allerdings nur zwei bis drei Teilnahmen aufgewiesen. Eine Manipulation im großen Stil, wie sie die SPD für möglich hält, habe also bislang nicht stattgefunden. Zebralog geht vielmehr davon aus, dass es sich zum einen um „Zugriffe aus Neugier” handelt, bei denen die Bürger den Bogen zunächst einmal komplett durchklicken, bevor sie ihn dann richtig ausfüllen.

Zum anderen könnten Mehrfachzugriffe darauf zurückgeführt werden, dass mehrere Personen, zum Beispiel Ehepaare, von einem Rechner aus abstimmen.

Davon geht auch Hans Poth, Pressesprecher der Stadt Aachen, aus. „Familien haben ja oft nur einen Computer zuhause”, sagt Poth. Die Bedenken der Opposition hält er für übertrieben. Er geht nicht davon aus, dass die Bürger an einer Manipulation der Umfrage interessiert sind. „Wir unterstellen den Leuten nicht so eine kriminelle Energie”, sagt Poth. Zudem weist der Pressesprecher auf die Kontrollgruppe hin, die zu Vergleichszwecken parallel befragt wird. Diese Gruppe nimmt über einen speziellen „Token”, einen einmal benutzbaren Einladungslink, an der Online-Befragung teil.

Die Beratungsfirma hat übrigens auch die Zugriffe, die acht Mal oder öfter von einem Zugang aus erfolgten, genauer untersucht. 169 dieser Mehrfachzugriffe gingen von der RWTH Aachen aus, 275 von der Stadtverwaltung. Sie stelle somit den größten Einzelposten dar. Es müsse sorgfältig erwogen werden, ob die Stadtverwaltungsstimmen in die Endergebnisse einbezogen werden.

Weitere 173 Zugriffe wurden als mutwillige Mehrfachausfüllungen gewertet, von denen aber nur die genannten 37 als zielgerichtete Versuche einer Beeinflussung und der Rest als Versuche aus Neugier gezählt werden.

Poth weist darauf hin, dass die jetzige Bürgerbefragung „ein erster Einstieg” sei. Beim nächsten Mal wolle man strukturierter vorgehen. Dann sei auch ein Vorschlag wie jener der SPD, den Bürgern zur Sicherheit vorab Registrierungscodes per Post zuzuschicken, denkbar. „Wir werden die Ergebnisse in Ruhe auswerten. Bei den individuellen Sparvorschlägen kristallisieren sich schon jetzt bestimmte Schwerpunkte heraus”, kündigt Poth an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert