Beamter half beim Schmuggeln von Drogen in die Aachener JVA

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Ein sogenannter Langstrafler organisierte von August 2014 bis Juni 2016 einen schwunghaften Handel mit Amphetaminen und Marihuana aus der JVA in der Soers heraus. Ein Beamter half dabei. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Einen schwunghaften Handel mit Drogen, die in Playstations versteckt waren, hatte der lange inhaftierte Sinisa K. (44) aus der Aachener Justizvollzugsanstalt (JVA) heraus organisiert. Helfer bei seinen Geschäften in den Jahren 2014 bis 2016 waren seine Lebensgefährtin, ein Bekannter, der sich damals noch eines Lebens in Freiheit erfreute und ein Beamter des Vollzugsdienstes der Aachener Anstalt.

Dieser wurde dafür am Montag von der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen Bestechlichkeit und Vorteilsnahme zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Die vergleichsweise glimpfliche Strafe für den Beamten wiederholte sich nicht im Strafmaß der beiden Haupttäter. Sinisa K. hatte vorbehaltlos gestanden, in den knapp zwei Jahren in insgesamt 29 Fällen erhebliche Mengen von Drogen in die JVA geschmuggelt und dort weiterverkauft zu haben. Bei dem Stoff handelte es sich vorrangig um Amphetamine, Hasch und Marihuana sowie um Ecstasy-Pillen, die im Knast offenbar reißenden Absatz fanden.

Er bekam wegen des gewerbsmäßigen Handels mit den Drogen eine erneute Haftstrafe von fünf Jahren, er war bereits einschlägig vorbestraft. Helfer in der „Außenwelt“, so sagte Richter Markus Vogt am montag, sei nicht nur der Freund und Bekannte Wolfgang F. (50) gewesen. Insbesondere habe ihm die „emotional von ihm abhängige“ Lebensgefährtin Jenita F. (39) geholfen. Jenita habe mehr Glück als Verstand gehabt, weil sie – auch sie war bereits einschlägig vorbestraft – mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren ganz knapp an einer Inhaftierung vorbeirutschte. Deutlich sagte Vogt zu ihr, sie solle sich nie mehr von ihrem Lebensgefährten im Gefängnis in dieser Weise einspannen lassen.

Streng bewertete das Gericht die Mittäterschaft des Justizbeamten Holger K. (43), der mit einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung deswegen eher glimpflich davongekommen war, weil die Beweislage schwierig war. „Er hat seine Eignung als Justizbeamter und als Beamter schlechthin verspielt“, sagte Vogt in der Urteilsbegründung.

K. hatte behauptet, er habe gar nicht gewusst, dass sich in den Spielekonsolen, die er als „persönlichen Gefallen“ für Sinisa K. ins Gefängnis geschmuggelt hatte, Stoff befunden habe. In den Playstations befanden sich jedoch jeweils 100 bis 150 Gramm Marihuana, wie sich später herausstellte. Der Beamte hatte überdies auch lediglich zugegeben, zwei der Spielekonsolen ins Gefängnis gebracht zu haben.

„Das ist, wie auch seine angebliche Unwissenheit, was sich in den Konsolen befand, durch die Beweisaufnahme widerlegt worden“, stellte der Richter in der Urteilsverkündung fest. Er habe ein „erhebliches Risiko“ auf sich genommen. Zwar habe man ihm kein Handel mit den Drogen nachweisen können und auch nicht, dass Geld geflossen sei. „Es gibt aber auch andere Wege der Bestechung“, sagte Vogt. Möglicherweise sei der Beamte vom Insassen Sinisa K. erpresst worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Hauptangeklagten jeweils sechseinhalb Jahre Haft gefordert.

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