Aachen - Baustellenflut: Leidet die Stadt mehr als nötig?

Baustellenflut: Leidet die Stadt mehr als nötig?

Von: Robert Esser
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Trauriges Kapitel: (v.l.) Walt
Trauriges Kapitel: (v.l.) Waltraud Claus, Gisela Dellen und Dora Dorenkamp kämpfen im Frankenberger Buchladen in der Schlossstraße um ihre Existenz. Langzeitbaustellen vergraulen die Kundschaft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn Buchhändlerin Dora Dorenkamp einen Roman über ihre Erfahrungen mit Baustellen schreiben würde, hätte der sicher kein Happy End. Erst litt der Frankenberger Buchladen unter der Langzeitsperrung der Zollernstraße, jetzt ist die Schlossstraße dicht - wahrscheinlich noch bis Mai 2013.

„Wie wir das durchhalten sollen, weiß ich nicht”, sagt sie. Vor der Ladentüre dröhnen Bagger. Bauzäune versperren der Kundschaft den Weg. Parkplätze? Fehlanzeige. „Wir kämpfen hier um unsere Existenz”, sagt Dorenkamp. Seit 33 Jahren besteht das kleine Geschäft. Und als Dorenkamps Chefin Waltraud Claus jüngst bei der Stadt nachfragte, ob der Buchladen denn zum Straßenfest auf der Oppenhoffallee ausnahmsweise sonntags öffnen dürfe, um die Verluste ein wenig aufzufangen, habe man nur eine rüde Absage kassiert. „Es ist zum Verzweifeln”, sagt sie.

Den Eindruck, dass Aachen noch nie so massiv unter derart vielen Großbaustellen leiden musste wie jetzt, teilen auch Politiker aus dem Stadtrat. Staus und Vollsperrungen seien aber nicht immer nötig, glaubt die SPD. Die Sozialdemokraten werfen der Verwaltung nun vor, wider besseren Wissens nicht alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Baustellenmanagement zu optimieren. „Die Verwaltung verfügt über eine Verkehrsmodell-Software zur Berechnung von Verkehrsströmen auf Straßen und Kreuzungen”, erklärt Ratsherr Michael Servos.

„Wenn man geplante Baustellen dort einrechnen würde, könnte man die Folgen präzise simulieren - und dann die Reihenfolge von Baustellen, den verkraftbaren Umfang und die Dauer nötiger Straßensperrungen sowie Konsequenzen für umliegende Straßen anpassen”, sagt er. Dazu müsste man nicht nur Straßenbaumaßnahmen - also etwa Asphaltarbeiten des Stadtbetriebs und Kanalsanierungen der Stawag -, sondern auch private Hausbauprojekte berücksichtigen. Diese würden oft - etwa am Karlsgraben und an der Ecke Junker-/Vaalser Straße - zusätzlich Verkehr aufhalten.

„Ich vermute, dass einige Baustellen auch etwas überdimensioniert eingerichtet werden”, fügt SPD-Politiker Claus Haase hinzu. Wo neben einer Baustelle von vormals drei Spuren nur noch eine breite übrig bleibe, könne man vielleicht auch zwei verengte Fahrstreifen markieren, um den Verkehrsfluss zu fördern. Dies dürfte für die Normaluhr gelten, wo noch bis November großflächig gebuddelt und planiert wird, um mehr Platz für Radfahrstreifen zu schaffen. Dort steht das größte Chaos übrigens noch bevor: An den Wochenenden vom 15. und 16. (zeitgleich zum „September Special”) und vom 22. zum 23. September wird die Normaluhr wegen Asphaltierungsarbeiten fast komplett gesperrt - jeweils von Samstagmorgen, 5 Uhr, bis Montagmorgen, 4 Uhr. Nur die Achse zwischen Römerstraße und Burtscheid bleibt dann befahrbar.

SPD-Politiker Norbert Plum erinnert in Sachen Baustellenmanagement daran, dass man bereits im November 2011 via Ratsantrag den Einsatz moderner Software gefordert habe - ohne Erfolg. „Die Verwaltung muss endlich in die Pötte kommen”, moniert er. Sonst könnte es nicht nur für den Frankenberger Buchladen zu spät sein.

Chaotische Zustände: Rund um die Normaluhr, die bis November „fahrradtauglich” umgebaut wird, herrscht täglich der Ausnahmezustand. Die Baustellen blockieren mehrere Fahrspuren der hoch frequentierten Kreuzung.

„Massiv geschäftsschädigend”: Teresa Froitzheim vom „Mundart Catering” in der Schlossstraße leidet erheblich unter den Dauerbaustellen im Viertel. Zeitweise sei ihr Geschäftseingang von Bauzäunen komplett versperrt, bemängelt sie.

Wer blickt durch? Der Templergraben ist bis zum 28. September vom Hirschgraben Richtung Super C gesperrt. Ab Wüllner-/Eilfschornsteinstraße ist der Templergraben indes nur in Gegenrichtung - also Richtung Karlsgraben - befahrbar.

Lange verzögert: Bis zum Herbst soll der Umbau der Hartmannstraße am Elisengarten endlich vollendet werden. Archäologische Funde verzögerten die Fertigstellung. Geschäftsleute und Kunden dürfen bald aufatmen.
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