Aachen - Baustellenflut bringt Autofahrer in Rage

Baustellenflut bringt Autofahrer in Rage

Von: Robert Esser
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Kaum noch Durchblick auf der Großbaustelle Boxgraben: Seit gestern wird entlang der hunderte Meter langen, fast blickdichten Absperrgitterwand die oberste Straßenschicht, ein „lärmoptimierter Asphalt”, zwischen Karmeliterstraße und Schanz aufgetragen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer am Mittwoch auf der Lütticher Straße nach oder von Belgien unterwegs war, musste wieder einmal viel Geduld mitbringen. Kilometerlange Staus verursacht dort - vor allem im Berufsverkehr - eine nicht angekündigte Straßenbaumaßnahme des Landesbetriebs Straßen.NRW in der Nähe der Einmündung Reimser Straße/Preuswald.

Der Landesbetrieb behebt dort für rund 800.000 Euro nicht etwa eklatante Frostschäden, sondern saniert - „turnusgemäß”, wie der Euskirchener Niederlassungssprecher Bernd Aulmann es formuliert - die obere, acht Zentimeter dicke Asphaltschicht. Und weil man gerade schon mal dabei ist und sich der Bautrupp mit der Baustellenampel für den einspurigen Verkehr in den kommenden fünf Wochen immer wieder um 300 bis 500 Meter zwischen den Autostaus an beiden Baustellenenden voranschiebt, werden gleichzeitig die Krötentunnel ausgetauscht.

Ungerechte Geldverteilung?

Das bringt nicht nur Aachens stau- und baustellengeplagte Pkw-Piloten in Rage, sondern auch die Stadt. „Man hat schon den Eindruck, dass Steuergelder irgendwie schlecht verteilt sind, wenn der Landesbetrieb für solche Maßnahmen Geld hat und wir als Stadt Aachen nicht wissen, wie wir sämtliche Frostschäden an den Straßen beheben sollen”, sagt Stadtsprecher Hans Poth.

Dabei beschwört die Baustellenflut in der Kaiserstadt nicht nur Ärger, sondern auch Gefahren für Fußgänger herauf. Zum Beispiel am Dahmengraben - wo die Verkehrsplaner Autos auf einer provisorischen Baustellenstraße bis Weihnachten mitten durch die Fußgängerzone fahren lassen (wir berichteten) - und an der Großbaustelle Boxgraben.

Zwischen Karmeliterstraße und Schanz komplettieren die Bauarbeiter jetzt die Fahrbahndecke mit „lärmoptimiertem Asphalt”. Alle Anwohner der nördlichen Fahrbahnseite mit Garagen oder Abstellplätzen auf ihren Grundstücken können diese erst am Sonntag, 11. April, wieder anfahren.

Im gesamtem Bereich sind nur zwei Fußgängerüberquerungen möglich: eine in Höhe der Hubertusstraße/Weberstraße, die andere in Höhe Südstraße/Krakaustraße. Wegen der neuen, rot-weißen Plastik-Bauzäune, die wesentlich breitere Längsstreben besitzen, ist es für Autofahrer und Fußgänger - vor allem Kinder - zuweilen schwierig, den Querverkehr rechtzeitig zu erkennen.

ADAC-Sprecher Roman Suthold warnt, dass damit die „Sichtbeziehungen in den Kreuzungsbereichen” stark eingeschränkt und gestört werden können. „In besonders gefährlichen Fällen sollte die Baubehörde die Absperrungen deswegen überprüfen und klare Vorgaben machen”, sagt der Verkehrsexperte. Dass die neuen, erheblich leichteren Bauzäune mehr Durchblick nehmen als die alte Blech-Variante, bestätigt laut Presseamt auch der Baubetriebshof.

Allein die Verkehrsexperten der Aachener Polizei halten die neuen Zäune für wesentlich besser als die Vorgänger-Modelle aus Metall: „Sie kippen nicht um, haben keine Ecken und Kanten und sind besser erkennbar”, teilten die Ordnungshüter auf Anfrage der Aachener Zeitung mit.

Zudem böten sie Bauarbeitern besseren Schutz und verhinderten die Ablenkung von Verkehrsteilnehmern, sagt die Polizei. Und fügt sogar hinzu, dass die neue, fast blickdichte Plastikvariante Kinder besser schütze, „weil diese nicht mehr versuchen, darunter zu fahren oder zu klettern”. Sichtbehinderungen müsse man „durch eine ordnungsgemäße Aufstellung dieser Zäune ausschließen”.

Weitere Absperrungen

Absperrungen „zieren” ebenfalls seit Wochen die Kreuzung Sedan-/Josef-von-Görres-Straße. Am Mittwoch betonierte ein Bautrupp dort einem Telekom-Schacht, der nach erhebliche Frostschäden nicht mehr überfahrbar war.

Nicht absehbar ist unterdessen, wann die Bauzäune an der Kreuzung Franz-/Karmeliterstraße verschwinden. Dort hat der harte Winter eine Fernwärmeleitung in Mitleidenschaft gezogen, die nach Auskunft der Stadt erst bei wärmeren Temperaturen repariert werden kann.

Mit weiteren Verkehrsbehinderungen - neben Kleinkölnstraße, Trierer Straße, Borngasse, Wespienstraße etc. - ist in den kommenden Tagen auf der Wilhelmstraße zu rechnen. Dort hat die Stadt bereits vor Tagen ein größeres Verkehrschaos ausgelöst, als sie Fundamente für Schildermasten am Kaiserplatz gießen ließ.

Nach den Osterferien werden Schilder dort auf die Sperrung der Wilhelmstraße für Lkw wegen der erhöhten Feinstaubbelastung hinweisen. Die Laster dürfen sich dann neue Wege durch „Bad Baustelle” suchen.
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