Baustellen: Am Europaplatz droht ein Schildbürgerstreich

Von: Oliver Schmetz
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Droht da ein Schildbürgerstreich? Genau dann, wenn Busse Bahnfahrgäste vom Hauptbahnhof über die Autobahn nach Düren bringen sollen, will die Stadt den Europaplatz in eine Baustelle verwandeln. Foto: Archiv/Jaspers

Aachen. Dieses Vorhaben hat das Zeug zum Schildbürgerstreich: Just in den Sommerferien, wenn die Deutsche Bahn wegen Gleisarbeiten die Strecke nach Düren stilllegt und ihre Fahrgäste mit Bussen über die Autobahn dorthin transportiert, will die Stadt den Europaplatz sperren, um die Fahrbahnen zu sanieren.

Damit wäre der Knotenpunkt, der wegen seiner Bedeutung als Autobahnanschluss nicht von ungefähr auch Verteilerkreis genannt wird, für ca. zwei Wochen vom Verkehrsnetz abgeschnitten.

Bereits Anfang März hatten diese Pläne im Mobilitätsausschuss die Politik verärgert. Dort hatte die Verwaltung vorgestellt, wie die Bahn während der Streckensperrung den Schienenersatzverkehr bewerkstelligen will – unter anderem durch den Einsatz von Schnellbussen zwischen Aachen und Düren, wodurch sich die Reisezeit nach Köln im Vergleich zum normalen, knapp einstündigen Bahntransfer „nur“ um 32 Minuten verlängern würde.

Damit solche Rechenspiele in der Realität nicht nach wenigen Kilometern scheitern, hatte die Politik die Verwaltung aufgefordert, vom Bauvorhaben Europaplatz in den Sommerferien Abstand zu nehmen. In dem Dilemma, das die Bahnsperrung ohnehin für Aachen bedeute, solle man zumindest dort, wo man es in der Hand habe, mit Augenmaß agieren, hieß es damals.

Die schriftliche Antwort der Verwaltung flatterte der Politik jetzt im Ausschuss auf den Tisch. Tenor: Alles bleibt so, wie es ist, weil es nicht anders geht und auch nicht so schlimm ist. Die Verwaltung führt an, dass die Sanierung dringend nötig sei, weil sich „aufgrund der mangelnden Griffigkeit bereits Unfälle ereignet“ hätten.

Die Ferienzeit sei ideal, weil das Verkehrsaufkommen dann geringer sei. Ein Verlegung sei nicht ohne Weiteres möglich, weil sich die Ausschreibung im Vergabeverfahren befinde. Im Übrigen sei alles mit Aseag, Polizei und Bezirksregierung abgestimmt worden, wobei die Pläne der Bahn damals keinem Beteiligten bekannt gewesen seien.

Auf AZ-Anfrage teilte die Stadt mit, dass dieses Abstimmungsgespräch am 2. Februar stattgefunden und man mit der Ausschreibung „im Februar“ begonnen habe. Zeitungsleser wussten da allerdings schon mehr: Am 11. Oktober vorigen Jahres hatte die AZ erstmals von der Sperrung der Bahnstrecke in den Sommerferien berichtet, am 4. Februar stellte die Bahn das Vorhaben offiziell vor. Dass dadurch in Aachen Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert wird, konnte man da wohl schon ahnen.

Die Stadt sieht die Sperrung des Europaplatzes in den Sommerferien gleichwohl nicht als Problem: „Aus Sicht der Verwaltung ist diese Zeit die beste für die Maßnahme“, hieß es auf Anfrage. Schließlich wolle man auch vor der Reit-EM fertig sein, die gleich nach den Ferien beginnt. Außerdem gebe es Umleitungen: Auf der ausgeschilderten über Jülicher Straße und Berliner Ring zur Auffahrt Rothe Erde brauchen die Busse aber doppelt so lange zur Autobahn, weswegen man auch auf die vermeintlich schnellere Variante über Adalbertsteinweg und Stolberger Straße hinweist. Just dort soll übrigens ebenfalls der Asphalt erneuert werden. Wann? In den Sommerferien... – „aber nicht gleichzeitig mit der Maßnahme Europaplatz“, versichert die Stadt.

In der Politik herrscht weiter Kopfschütteln über die Pläne. Im Ausschuss wurde die Verwaltung abermals gebeten, das Ganze noch einmal zu überdenken. „Mir fehlen manchmal die Worte“, sagt beispielsweise Gaby Breuer (CDU), „das ist ein schlechter Witz, und wir Politiker sind am Ende wieder die Dummen.“ Es könnte sein, dass zigtausende Bahnpendler und Autofahrer dieses Gefühl im Sommer mit ihren Politikern teilen.

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