Baustelle am Boxgraben: Ausgleich für Ladenbesitzer?

Von: Robert Esser
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Von wegen Aufbruchstimmung: Anwohner und Kunden steigen am Boxgraben kaum noch durch. Ladenbesitzer beklagen Verluste. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zumindest abenteuerlich, zuweilen chaotisch, aber durchweg dreckig sieht´s am Boxgraben aus. Und die riesige Tief- und Straßenbaumaßnahme könnte die öffentliche Hand jetzt deutlich mehr als die veranschlagten 5,2 Millionen Euro und einige Ladenbesitzer sogar die Existenz kosten.

Eine Reihe Geschäftsleute fordert jetzt Entschädigungen für Umsatzeinbrüche, die durch eine „teils katastrophale Baustellenplanung” noch verschlimmert worden seien.

So darf man die sprichwörtliche Aufbruchstimmung hier nur wörtlich verstehen: Über einen schmalen Flickenteppich aus Asphalt schlängeln sich die Autos zwischen den Baugruben bergauf. Anwohner klettern über Schutt und Absperrgitter zu ihren Hauseingängen. Abschnittsweise ist nicht nur die Straße, sondern auch der Bürgersteig ersatzlos weggerissen. Alle paar Tage werden auf mehreren hundert Metern Stichstraßen mal gesperrt, mal zur Einbahnstraße oder Sackgasse. Parkplätze? Fehlanzeige. Und dazu quält der Krach der Bagger, Bohrer, Presslufthämmer und Planierraupen.

Buchstäblich Boxgraben: Man schlägt sich durch seit Baubeginn im August 2008. Doch die Wut der Geschäftsleute wächst entlang der Großbaustelle zwischen Schanz und Karmeliter-/Mozartstraße. „Unsere Stammklientel meidet das Viertel mittlerweile wie die Pest”, klagt „Schlüsselloch”-Wirt Herbert Senden. Und dies nicht nur abends: Über ein Dutzend Geschäfte - eine Boutique, Friseure, Computerladen, Kosmetik-Institut, Kioske, ein Sonnenstudio etc. - leiden nach einhelligen Angaben unter Umsatzeinbußen von fast 50 Prozent. „Existenzbedrohend” sei das, betonen die Geschäftsleute am Mittwoch beim Ortstermin. Jeder zweite Kunde bleibt weg. Manche Läden hielten die Durststrecke nicht durch, mussten schließen. Andere hätten Mitarbeiter entlassen, weil die Kundschaft ausblieb, sagt Senden. „So kann das einfach nicht weitergehen.”

Mit Boutique-Nachbar Goswin Rongen organisierte er ein Krisentreffen mit der Stadt. Dabei redeten die Geschäftsleute Klartext: Natürlich begrüße man, dass die Stawag marode Kanäle erneuere. Und selbstverständlich freue man sich auf den mit Flüsterasphalt und 33 Bäumen veredelten neuen Boxgraben - das habe man dem für alle Beschwerden zuständigen Bürgerbeauftragten Gerd Dupont klargemacht. „Aber wir würden das gerne erleben, ohne zuvor Pleite zu gehen”, sagt Rongen. „Hier wird auf unsere Kosten viel Geld verpulvert”, ärgert er sich. „Wir fordern einen Ausgleich für unsere Einbußen!” Man gab Dupont mit auf den Weg, dass - statt Geld - auch ein Erlass der Stawag-Gebühren während der Bauphase akzeptabel wäre.

Am Dienstag wurde OB Dr. Jürgen Linden im Verwaltungsvorstand informiert, am Mittwoch die Stawag. Pressesprecherin Corinna Bürgerhausen erklärte, die Stawag werde die Entschädigungsfrage „schnellstmöglich gründlich prüfen”. Allerdings sei der Versorgungsstrang von Stawag und Net Aachen - Kanäle, Kabel, Glasfasernetz für Highspeed-Internet und Co. - schon fast fertig. Jetzt sei die Stadt am Zug.

Was Regina Poth, Abteilungsleiterin für Straßenplanung und -bau, bestätigt: „Innerhalb von drei Wochen wird es wieder Parkplätze geben”, verspricht sie. Die endgültige Fertigstellung des Boxgrabens sei für Anfang 2010 angepeilt - mehrere Monate früher als kalkuliert. Ursprünglich wollte man sich 30 Monate Zeit lassen.

Und wie geht´s weiter? Nach neun Monaten Bauzeit sei in der Verwaltungsspitze die Idee geboren worden, einen speziellen Kontaktmann für die Boxgraben-Anwohner abzustellen, erklärte die Stadt am Mittwoch. „Abenteuerlich”, findet Senden das. Weitere neun Monate halte man so kaum durch.

Via Telefon-Hotline Beschwerden loswerden

Mehr als ein Dutzend städtische Baustellen gibt es derzeit in Aachen. Für Fragen zum Straßenbau hat die Stadt eine Hotline eingerichtet: 4326170 (8.30 bis 13 Uhr). Auch die Stawag bietet Ansprechpartner bei Unstimmigkeiten: 181304 (8 bis 16 Uhr). Generell kann jeder Bürger Fragen, Beschwerden und Probleme kaiserstädtischen Ursprungs mit der Klärungsstelle der Stadt besprechen, die sich dann um Lösungen bei den jeweils verantwortlichen Stellen bemüht: 4327240 (Bürgerbeauftragter Gerd Dupont).
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