Baumfäll-Pläne bringen Anwohner auf die Palme

Von: Stefan Herrmann
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Kämpfen für den Erhalt der Rotdornbäume an der Nizzaallee: (vorne v.l.) Annette Heusch-Altenstein, Sibille Spiegel und Axel Deubner von der Lousberg-Gesellschaft und Anwohnerin Maria Lutz. Foto: A. Schmitter

Aachen. In der Nizzaallee sieht man Rot. Und das sogar sehr gerne, wenn im Mai und Juni rund 130 Rotdornbäume in voller Pracht blühen. Vor genau 110 Jahren wurde die Rotdorn-Allee entlang der Straße am Fuße des Lousbergs angelegt. Seitdem prägt sie das Bild des gesamten Viertels.

Doch damit soll nach Willen des Stadtbetriebs – zumindest in Teilen – Schluss sein. Und das bringt Anwohner wie Mitglieder der Lousberg-Gesellschaft auf die Palme. „Wenn diese Bäume hier gefällt werden, dann brennt es auf der Straße“, wettert Axel Deubner, Ehrenvorsitzender der Gesellschaft. Und so sieht man in der Nizzaallee bereits im Januar Rot – allerdings aus unerfreulichen Gründen.

Denn vor wenigen Tagen fielen Deubner & Co. aus allen Wolken, als sie erfuhren, dass schon in der kommenden Woche angeblich 30 Rotdornbäume im Auftrag des Stadtbetriebs gefällt werden sollen.

Wenig überraschend: Der Stadtbetrieb stellte die Sachlage am Freitag gegenüber der AZ anders dar. In der Tat gebe es zwar den Plan, 24 Rotdornen vor dem Brut- und Nistschutz, der am 1. März beginnt, zu fällen. Dies sei aber deswegen notwendig, erklärte Andreas Schulz, Teamleiter Baumpflege beim Stadtbetrieb, da besagte 24 Exemplare bereits „abgestorben oder in sehr schlechtem Zustand“ seien. Den Befürchtungen der Bürger, dass in einer späteren Aktion auch die weiteren rund 100 Rotdornbäume entlang der Nizzaallee gefällt werden sollen, widersprach Schulz. Das sei in der Form „nie kommuniziert worden“. Solange sie in einem guten Zustand seien, gebe es keine Pläne, die Bäume zu entfernen und durch andere Arten auszutauschen.

Seit rund anderthalb Jahren sind Lousberg-Gesellschaft und Stadtbetrieb wegen der Causa „Rotdorn“ bereits in regelmäßigem Austausch. Eigentlich. Denn zuletzt, so bewerten es die Bürger am Lousberg, hakte es in Sachen Kommunikationsfluss. Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt hatte sich um einen Runden Tisch mit dem Stadtbetrieb zum Thema bemüht. Vor wenigen Tagen habe man dann aber erfahren, dass schon in der Karnevalswoche ein Fäll-Trupp anrücken solle, um die Rotdornen zu entfernen. Der Termin kommende Woche sei zwar „zurzeit erst einmal ausgesetzt“, teilte der Stadtbetrieb mit. An der grundsätzlichen Notwendigkeit der Fällung von den 24 Bäumen hält man aber fest. Zwar sei nicht zu befürchten, dass eine der Rotdornen heute oder morgen umfalle. „Aber für die kommenden drei, vier Monate möchte ich keine Garantie geben“, stellt Schulz die Sicherheit in direkter Umgebung der rund fünf Meter hohen Bäume in Frage.

Die Bürger vor Ort wollen ungeachtet dessen für den Erhalt „ihrer“ Rotdorn-Allee kämpfen. „Die ist in dem Ausmaß und der Länge mittlerweile einzigartig in Deutschland und absolut schützenswert“, merkt Annette Heusch-Altenstein, stellvertretende Vorsitzende der Lousberg-Gesellschaft, an. Deubner und Lousberg-Gesellschaft-Vorsitzende Sibille Spiegel fügen an, dass viele Menschen aus der Stadt und sogar aus der Region im Frühjahr extra in die Nizzaallee kämen, um die rote Baumpracht zu bestaunen.

Der Stadtbetrieb führt vor allem den im Vergleich zu anderen Straßenbäumen enorm hohen Pflegeaufwand und die damit verbundenen Kosten an, um künftig eine andere Baumart – favorisiert wird derzeit der weißblühende Apfeldorn – zu pflanzen. Während andere Straßenbaumarten im Stadtgebiet 60 Jahre und mehr alt werden, müssen die Rotdornen in der Nizzaallee im Durchschnitt nach 26 Jahren ausgetauscht werden. Das liege vor allem an den Bodenverhältnissen am Lousberg, die alles andere als optimal für Rotdornen sei, erklärt Schulz.

Bei der Lousberg-Gesellschaft bewertet man die Lage anders und hält mit eigenen Stellungnahmen dagegen, die beweisen sollen, das Rotdornbäume sehr wohl deutlich länger als 26 Jahre bei guter Pflege in der Nizzaallee halten können. Vor allem aber ärgert sich Axel Deubner darüber, dass bürgerschaftliches Engagement von Seiten der Stadt offenbar nicht ernstgenommen werde. Das beweise der Umstand, dass trotz zahlreicher Bemühungen in den vergangenen Monaten kein Runder Tisch zustande gekommen sei. Und nun haben die Bürger Angst und jede Menge Wut im Bauch, dass mit einer plötzlichen Fäll-Aktion von Seiten der Stadt Fakten geschaffen werden.

Dabei sind die Anwohner bereit, auch bei Neupflanzungen von Rotdornen Verantwortung zu übernehmen. Schon jetzt gebe es einige Menschen, die Baumpatenschaften übernommen haben, erzählt Spiegel. Zudem habe die Lousberg-Gesellschaft bereits Spendenzusagen in Höhe von 11.000 Euro gesammelt, um sich bei den Kosten für neue Rotdornbäume zu beteiligen.

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