Aachen - Baum landet auf der Straße. Bürger auch?

Baum landet auf der Straße. Bürger auch?

Von: Robert Esser
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Hier dreht sich alles um den Baum: Am Büchel soll bald – inmitten der Fahrbahn – der Stamm aus dem neuen Pflaster ragen. Foto: Robert Esser

Aachen. Am Büchel wächst bald ein neuer Baum – mitten auf der Straße. Inmitten des frischen Pflasters zwischen Markt und Kleinkölnstraße soll der stattliche Stamm positioniert werden. Und damit das edle Gewächs – ein rotblättriger Riese mit vier Meter Kronen-Durchmesser – unten rundherum vor Pkw-Stoßstangen und dem auf drei ausgewiesenen Liefer- und Ladezonen rangierenden Lkw-Verkehr geschützt ist, haben sich Aachens Planungsexperten etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Ein robuster Anfahrschutz aus grauem Beton, der perfekt als kreisrunde Sitzbank nutzbar ist, soll in doppelter Hinsicht hilfreich sein.

Damit wird also in der Kaiserstadt nicht nur erstmals ein Baum mitten auf eine Fahrbahn gepflanzt, sondern drumherum auch eine Sitzgruppe – quasi als Rammschutz mit extrem direkter Verkehrsanbindung. Wer dort Platz nimmt, muss nur aufpassen, dass ihm keine tonnenschwere Karosse über die Füße rollt. Das Planungsziel, den Baum vor Schaden zu bewahren, könnte aber erreicht werden. Bevor die Rinde angekratzt wird, gibt‘s erstmal Personenschaden – falls denn tatsächlich jemand mitten auf der Straße im Verkehr Platz nehmen möchte.

Apropos Platz: Die Büchel-Kurve mit der Einmündung zum Markt beschreibt die Stadtverwaltung als „typischen Aachener Dreiecksplatz“. Sie begründet die von der Politik begrüßte Bau(m)maßnahme im Rahmen der Sanierung von Kanälen und dem niveaugleichen Ausbau von Fahrbahn und Bürgersteig so: „Der Baum am Büchel wird Orientierung und dem Platz eine Mitte geben“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit rund um Baum und Betonkreisel (3,50 Meter Durchmesser) am Büchel beträgt übrigens 50 Stundenkilometer – noch. Die Verkehrsplaner hoffen nun, dass breite Lieferfahrzeuge den „Trichterbereich“ zwischen Baum, Sitzbank und am Straßenrand abgestellten Lkw problemlos passieren können.

Eng könnte es auch beim Zeitplan werden: Eigentlich sollte der obere Büchel schon 2012 endgültig fertiggestellt werden. Bis zur Karlspreisverleihung am Himmelfahrtstag, 9. Mai, sollte spätestens alles komplett sein. Dann könnten auch die vielen auswärtigen Besucher und gekrönten Häupter Aachens erste Sitzecke mitten im Verkehr hautnah erleben.

Insgesamt schlägt die – vor allem kanaltechnisch unvermeidliche – Sanierung des Büchels mit 550 000 Euro zu Buche – 70 000 Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. Baum, Anfahrschutzsitzkreis und die obligatorische Bodenleuchte sollen dabei aber keine kostensteigernde Rolle spielen, betont die Verwaltung.

Welchen Preis womöglich Fußgänger, Autofahrer und Lieferanten für die ungewöhnliche Straßenraumbegrünung und -möblierung zahlen, bleibt abzuwarten.

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