Aachen - Bauland ist in Aachen ein knappes Gut

Bauland ist in Aachen ein knappes Gut

Von: Stephan Mohne
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Großprojekt in Sachen öffentlich geförderter Wohnungsbau: Mit dem Projekt „Guter Freund“ auf der ehemaligen Brache Ecke Eisenbahnweg/Freunder Weg gegenüber den Aachen Arkaden (unten rechts) werden fast 250 neue Wohnungen geschaffen, davon über 180 Sozialwohnungen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Aachen wächst. Es gibt mehr Studierende, mehr Flüchtlinge. Dezernent Manfred Sicking rechnet beispielsweise damit, dass von den 3000 derzeit in Aachen untergebrachten Flüchtlingen gut die Hälfte bleibt. Was auf Sicht fehlt, ist aus Sicht der Stadt der nötige Wohnraum.

Und was an erster Stelle fehle, sind die Flächen, um den Wohnraum überhaupt bauen zu können. Die Nachfrage nach Bauland übersteige regelmäßig das vorhandene Angebot, hieß es am Dienstag bei der Vorstellung des städtischen Immobilienberichts für das Jahr 2015.

Präsentiert wurde das 55 Seiten umfassende Werk im schmucken Neubau von „Emerson Climate“ an der Pascalstraße, einem „Global Player“ im Bereich der Klimatechnik. Das Unternehmen ist wegen der attraktiven Standortfaktoren aus Belgien nach Aachen gezogen , wie Marketing-Vizepräsident Thomas Tomski erläuterte. Doch auch im Bereich der Gewerbeflächen wird es knapp, wie man dem Bericht entnimmt. Denn beispielsweise die Flächen in Camp Pirotte verkauften sich schneller als erwartet.

In den Vordergrund haben Sicking, Fachbereichsleiter Edmund Feiter sowie die zuständigen Abteilungsleiter im Immobilienmanagement, Rolf Frankenberger und Gerd Bussen, diesmal jedoch den Wohnungsbau gerückt. Die Stadt rechnet damit, dass bis 2030 fast 130 Hektar Fläche für diesen Zweck benötigt werden. Das sind 1,3 Millionen Quadratmeter. Im vergangenen Jahr hat die Stadt 52 Grundstücke im Wert von 17 Millionen Euro verkauft. Selber gekauft hat man auf der anderen Seite 13 Flächen für 3,5 Millionen Euro.

Nur: Die rund 160 Quadratkilometer Gesamtfläche der Stadt werden nicht größer. Und die Ausweisung neuer Baugebiete auf bislang dafür nicht ausgewiesenen ist ein „sehr schwieriges Unterfangen“, wie Norbert Plum (SPD), Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses, aus dem laufenden Verfahren zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans weiß. Zu vielen für Wohnungsbau vorgesehenen Arealen gab es prompt Proteste aus der Bevölkerung. Die Prioritäten liegen daher erst einmal auf der „Nachverdichtung“ bestehender Wohngebiete, der Nutzung von Brachen oder auch dem Aufstocken bestehender Gebäude, soweit technisch möglich. Wie das Flächenproblem am Ende gelöst werden kann, dafür gebe es derzeit noch kein Patentrezept, sagte Sicking.

Plum warb in diesem Zusammenhang auch noch einmal dafür, öffentliche geförderten Wohnraum zu bauen. Die Konditionen dafür seien gut wie nie. Bei der KfW bekomme man zu diesem Zweck Kredite, die zehn Jahre mit Nullverzinsung ausgegeben würden. Dazu erhalte man eine Förderung von 25 Prozent des Investitionskapitals. Außerdem sei seitens des Bundes auch noch eine hohe Sonderabschreibungsmöglichkeit geplant. Günstiger gehe es also kaum noch.

Bezahlbarer Wohnraum ist nämlich in Aachen absolute Mangelware. Viele Wohnungen fielen aus der Mietpreisbindung heraus, aber „von unten“ kämen nicht genügend nach. Da passte es, dass just am Dienstag wenige Kilometer Luftlinie von Oberforstbach entfernt der Grundstein für ein Großprojekt in Sachen öffentlich geförderter Wohnungsbau – unter anderem durch Oberbürgermeister Marcel Philipp und Investor Norbert Hermanns – gelegt wurde. An der Ecke Eisenbahnweg/Freunder Weg werden 248 neue Wohnungen gebaut, mehr als 180 davon sind Sozialwohnungen insbesondere für Familien unter dem Namen „Guter Freund“. Ab Frühjahr 2017 soll das neue Wohngebiet bezogen werden.

Und dieser Termin passte gleich in doppelter Hinsicht: Das Großprojekt entsteht eben nicht auf der grünen Wiese, sondern auf einem ehemals vom belgischen Militär und vom Zoll genutzten Areal, das anschließend über mehrere Jahre hinweg ein echter Schandfleck war.

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