„Barrierefreiheit“: Guildo schreibt der Stadt gute Noten

Von: Kathrin Albrecht
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Der Praxistest: Entertainer Guildo Horn sowie Ursula Mühlenbeck von der Selbsthilfebewegung der Körperbehinderten und Langzeitkranken „Fraternität“ prüfen unter anderem, wie barrierefrei der Hauptbahnhof ist. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wie kommt ein Rollstuhlfahrer oder ein sehbehinderter Mensch zurecht, wenn er auf Reisen ist? Wie kommt er in den Zug oder den Bus? Und wie klappt das Miteinander mit den nichtbehinderten Mitreisenden? Diese Fragen stellt die Kampagne „Für mehr Miteinander in Bussen und Bahnen“ der Verkehrsinitiative Busse und Bahnen NRW.

Seit einem Jahr tourt die Kampagne durch verschiedene nordrhein-westfälische Städte. Jetzt machte sie in Aachen Station. „Ziel ist es zu schauen, wie die Bedingungen vor Ort sind, was noch getan werden kann. Aber es geht auch darum, um Toleranz und Mithilfe bei den nichtbehinderten Mitreisenden zu werben“, erklärt Initiator Klaus Vollmer das Ziel der Kampagne. Ihr Botschafter ist Entertainer und Schlagersänger („Guildo hat euch lieb“) Guildo Horn. Der studierte Musikpädagoge engagiert sich schon seit langem in der Behindertenarbeit.

Für die Kampagne macht Horn den „Barrierefrei-Check“ auf dem Aachener Hauptbahnhof. Dafür setzt sich der „Meister“, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, in einen Rollstuhl. Außer Guildo Horn sind auch Vertreter der Aachener Behindertenvereine mit dabei, wie Marcel Latz vom Sehbehindertenverein und Ursula Mühlenbeck von der „Fraternität“, einer Selbsthilfebewegung der Körperbehinderten und Langzeitkranken. Zunächst geht es mit dem Aufzug auf den Bahnsteig.

Das klappt schon mal gut, und Horn ist vor allem von der Schnelligkeit angetan. „Das kenne ich von anderen Bahnhöfen auch anders. Das ist vor allem gut, wenn man zu mehreren Rolli-Fahrern unterwegs ist.“ Auf dem Bahnsteig wartet Service-Mitarbeiter Gavin Welsky mit einer Einstiegshilfe auf ihn. Der Kasten ist vorne und hinten mit Rampen versehen und höhenverstellbar, so dass der Rollstuhl auf die gleiche Ebene wie der Einstieg gebracht werden kann. Das ist vor allem noch bei den älteren Zugmodellen oder bei Fernzügen der Fall. Als Rollstuhlfahrer bedarf es immer noch etwas Aufwand, wenn man eine Reise organisieren will. Das weiß auch Ursula Mühlenbeck aus eigener Erfahrung. „Man muss vorher viel telefonieren.“

Als Sehbehinderter kann man sich im Bahnhof anhand eines taktilen Leitsystems orientieren, das durch den Bahnhof führt und auch auf allen Bahnsteigen eingebaut ist. Was fehlt, sind Markierungen, die anzeigen, auf welchem Bahnsteig man sich befindet. Und vor dem Bahnhof fehlt ein Leitsystem. Eine Herausforderung ist auch das Busfahren. Zwar ist die Aseag-Busflotte komplett mit Niederflurbussen ausgestattet und verfügt sowohl über visuelle als auch über akustische Haltestelleninformationen, aber der Platz ist oft ein Problem.

Ende des Rundgangs ist das Kapuziner-Karree, wo zeitgleich der erste Aachener „Klima-Aktionstag“ stattfindet. An verschiedenen Ständen und Mitmachaktionen können Besucher sich über nachhaltige Energien, Energieverbrauch und Klimaschutz informieren. Auch die Initiative Busse und Bahnen NRW ist vertreten, und weil das Nutzen von öffentlichen Nahverkehrsmitteln auch das Klima schützt, wird die Kampagne auf dem „Klima-Aktionstag“ mit einer kurzen Diskussionsrunde vorgestellt.

Insgesamt schneidet Aachen beim Barrierefrei-Check gut ab. Aber trotzdem kann einiges verbessert werden. Das findet auch Ulla Schmidt, die seit einem Jahr auch Bundesvorsitzende der Lebenshilfe ist. Mehr Sensibilität in der Planung wünscht sie sich von den Verantwortlichen. „Allen Gruppen, egal mit welcher Behinderung, muss ein guter Zugang zu öffentlichen Räumen ermöglicht werden.“ Wer das Klima schonen will, steigt öfter auch mal aufs Rad. Dafür wirbt seit Jahren auch der „Fahrradsommer“.

Symbolisch wird er an diesem Tag im Kapuziner-Karree eröffnet, obwohl der eigentliche Startpunkt der Route das Super C am Templergraben ist. „Wir möchten diesen Aktionstag unterstützen“, erklärt Friedhelm Schepers, der den Fahrradsommer mit organisiert und der gemeinsam mit der Beigeordneten Gisela Nacken den Startschuss gibt. In diesem Jahr geht es auf Entdeckungstour durch die neuen Campus-Gebiete der Hochschule.

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