Barockfabrik: „Für die Jugendkultur nicht optimal geeignet“

Von: Matthias Hinrichs
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Als Hort für Kinder- und Jugendkultur seit langem umstritten: Nach den Plänen von CDU und Grünen soll nur das Öcher Schängche in der Barockfabrik bleiben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die politische Ehe ist frisch geschieden – und das just im Zusammenhang mit einer wichtigen personellen Weichenstellung in punkto Kulturpolitik. Doch egal, wie der/die Nachfolger/in des noch amtierenden Beigeordneten Wolfgang Rombey auch heißen wird: In diesem Punkt jedenfalls wollen Grüne und Christdemokraten durchaus weiter Seite an Seite voran schreiten.

Wohl wissend, dass sie ihre Kräfte nach wie vor bündeln müssen, wenn sie ihr Ziel in Sachen Kinder- und Jugendkultur gegen den entschiedenen Widerstand der übrigen Ratsfraktionen durchsetzen wollen.

Im Klartext: „Trotz der vielfältigen Angebote bleibt die Barockfabrik als zentrale Anlaufstelle für Kinder- und Jugendkultur problematisch“, sagen die Ratsleute Dr. Margrethe Schmeer (CDU) und Hermann Josef Pilgram (Grüne). Schon aus sicherheitstechnischen Gründen sei das Haus am Löhergraben seit jeher „nicht optimal geeignet“ gewesen, um permanente Angebote für Heranwachsende vorzuhalten.

Mit zwei maßgeblichen Forderungen halte man daher an den Plänen fest, aus der Not eine Tugend zu machen und die alte Fabrik weitgehend einer neuen Nutzung zuzuführen: Dezentralisierung und verbesserte Koordinierung heißen die Schlagworte.

Bereits im März hatten die beiden ehemaligen Mehrheitsfraktionen sich im Kulturausschuss dafür ausgesprochen, dass das frühere Textilwerk mit seinem Roten Saal auch weiterhin als Spielstätte vor allem für die Stadtpuppenbühne erhalten bleibt.

Wenn man aber darüber hinaus der Sicherheit und der ausreichenden sanitären Versorgung von Kindern und Jugendlichen im erforderlichen Maße Rechnung tragen wolle, seien unverhältnismäßig hohe Anstrengungen erforderlich, argumentieren Pilgram und Schmeer. Und verweisen auf eine Studie, die bereits im Jahr 2010 vorgelegt worden sei – Tenor: „Auch die darin befragten Eltern und Jugendlichen haben sich dafür ausgesprochen, dass die Wege zu den kulturellen Angeboten kürzer werden müssen“, betont Schmeer.

Beste Möglichkeiten dazu böten sich in Stadtteilbibliotheken und Museen sowie einer Vielzahl bewährter, neu geschaffener oder konzipierter Einrichtungen wie der Nadelfabrik am Reichsweg und dem „Kulturdepot“ in der Tal-straße. Auch das „europäische Klassenzimmer“ im Grashaus, einem weiteren wichtigen Baustein der „Route Charlemagne“, werde in naher Zukunft ein vielfältiges Angebot vorhalten. Deshalb wolle man sich weiter für die Schaffung einer zentralen Koordinationsstelle einsetzen, die im Bildungsbüro der Städteregion angesiedelt werden könne.

Komme hinzu, dass die oberen Etagen der Barockfabrik auch nach dem Auszug des Stadtarchivs durch dessen alte Depot-Anlagen blockiert seien. „Die haben eine Menge Geld gekostet und sind noch bestens in Schuss“, weiß Pilgram. Denkbar sei daher, dass das Deutsch-Französische Kulturinstitut (DFKI) vom Haus Matthey Richtung Löhergraben umziehe, wenn die Barockfabrik im Laufe des kommenden Jahres nach und nach als kreative Zentrale für den Nachwuchs geräumt werde.

Positive Signale habe man seitens des DFKI bereits erhalten, denn dessen angestammte Residenz sei in weiten Teilen sanierungsbedürftig. Auch die Karlspreisstiftung, die seit Jahr und Tag ebenfalls dort logiert, blicke sich bereits nach einem neuen Standort um, die Büros der Regio Aachen seien schon ins Agit-Gebäude umquartiert.

Ob und wie das alte Patrizierhaus in der Theaterstraße, das die Stadt dereinst geerbt hat, fortan als öffentlicher Raum genutzt werde, sei allerdings offen – aus Sicht von CDU und Grünen ohnehin eine andere Baustelle. Schmeer: „Wir wollen, dass die beachtliche Vielfalt der Jugendkultur durch ein breit gestreutes Angebot ausgebaut und zugleich besser organisiert wird.“

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