Aachen - Barbarastraße: Turnhalle bald wieder frei?

Barbarastraße: Turnhalle bald wieder frei?

Von: Oliver Schmetz
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Für Schüler derzeit nicht nutzbar: Die Turnhalle Barbarastraße ist als Flüchtlingslager hergerichtet – zum Ärger der Eltern. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Ende hat das Ganze etwas Versöhnliches. Da entschuldigt sich der Leiter des Sozialamts, Heinrich Emonts, ausdrücklich dafür, dass die Eltern der Grundschule Barbarastraße so ziemlich als Letzte erfahren haben, dass die dortige Turnhalle zur Notunterkunft für Flüchtlinge umgewidmet wird. „Das haben wir nicht gut gemacht.“

Und der Verwaltungsmann stellt sogar in Aussicht, dass die Turnhalle eventuell ab Januar wieder von den Kindern genutzt werden könnte, „auch wenn ich Ihnen das jetzt nicht versprechen kann“. Im Gegenzug attestiert ihm Bülent Lortoglu, Vater eines Kindes an der Schule, tatsächlich, „dass Sie das sehr gut machen mit den Flüchtlingen in Aachen“.

Konflikt also fast gelöst? Das nun doch nicht. „Wir sorgen uns um unsere Kinder und unsere Schule“, sagt Lortoglu auch am Ende immer noch. Und Petra Reitz, Mutter eines Kindes an der Schule, sieht gar nach wie vor harte Fronten: „Sie setzen sich für Flüchtlinge ein, wir setzen uns für unsere Kinder ein.“

Bis zu diesem Moment hat man fast eine Stunde miteinander gesprochen – sachlich, ruhig, respektvoll –, was nach der Vorgeschichte schon ein Erfolg ist. Die Verwaltung hatte die Eltern zunächst übergangen, die hatten einen wütenden Brief geschrieben, sich an die Medien gewandt – fertig war der Krach um die Flüchtlinge in der Turnhalle in Rothe Erde – auch wenn noch gar keine da sind. Deshalb sitzen nun an diesem Montagabend unter anderem Schuldezernentin Susanne Schwier, Heinrich Emonts und Stadtsprecher Bernd Büttgens in der Schule, um die Eltern über die Flüchtlingssituation zu informieren und sich ihre Sorgen anzuhören. Gut zwei Dutzend Mütter und Väter sind gekommen. Das ist fast die Hälfte der Elternschaft in der kleinen Schule.

Das Gespräch bringt Annäherung, zeigt aber auch, dass man sich nicht immer näher kommen kann. Denn es geht in diesem Konflikt um eine Verwaltung, die nüchtern und rational eine Turnhalle als allerletzte Notunterkunft für Flüchtlinge auswählt – und die nimmt, die baulich geeignet ist und in der die wenigsten Kinder von einer Schließung betroffen sind. Allerdings liegt diese Halle in einem Stadtteil, in dem sich ohnehin viele Menschen benachteiligt fühlen. „Warum hier, warum nicht im Südviertel?“, fragen die Eltern.

Es geht in diesem Konflikt auch um Ängste – vor weiterer Benachteiligung, aber auch vor Gewalt und Kriminalität. Die Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder. Und manche von ihnen, die fast alle selbst einen Migrationshintergrund haben, fürchten wohl auch das Fremde. „Wir sind alle Ausländer, aber manche Ausländer sind rassistischer als die Deutschen“ – diesen bemerkenswerten Satz sagt eine Spanierin, deren Mann Asylbewerber ist.

Vor allem geht es aber auch um eine Schule, die voriges Jahr fast geschlossen worden wäre. Die Eltern kämpften um den Erhalt des Standorts, die Politik beschloss in diesem Sinne, massiv wurde um Anmeldungen geworben – und nun das: „Sie haben uns angebettelt, dass wir unsere Kinder hier anmelden, jetzt fühle ich mich verarscht“, sagt eine Mutter. Dezernentin Schwier weist das zurück, schließlich habe man damals nichts von der aktuellen Flüchtlingswelle wissen können. Und sie betont den Willen der Stadt, den Schulstandort „unbedingt zu erhalten“. Die Eltern glauben das nicht. „Wenn die Flüchtlinge hier hereinkommen, ist hier nächstes Jahr keiner mehr“, sagt Bülent Lortoglu. Stadtsprecher Büttgens schlägt ihm vor, die Flüchtlinge im Gegenteil mit offenen Armen willkommen zu heißen. „Das wäre doch die beste Werbung für diese Schule“, sagt er – und blickt ringsum in zweifelnde Gesichter.

Da besteht schon eher Interesse an der Rechnung, die der Sozialamtsleiter am Ende aufmacht. Wenn er 80 Menschen in der Schule Franzstraße unterbringen könne und 80 im Bushof und weitere 50 in Gewoge-Wohnungen, zählt Emonts auf, und wenn die Flüchtlingszahlen bis dahin im erwarteten Rahmen blieben, „dann sind wir Ende des Jahres wieder hier raus“. Bloß: Versprechen kann das den Eltern heute keiner.

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