Barbarastraße: „Erhalt nicht realistisch“

Von: Stefan Herrmann
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Die Anmeldezahlen verheißen nichts Gutes: Nur noch eine Handvoll Eltern hat ihre Kinder an der Grundschule Barbarastraße angemeldet. Seit Jahren wird über den Standort diskutiert. Nun droht das endgültige Aus. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Diskussion über die Schließung von Schulstandorten gehört – verständlicherweise – zu den besonders unbeliebten Themen von Schulpolitikern. Da stehen oftmals harte Fakten eher emotionalen und gesellschaftspolitisch durchaus vertretbaren Meinungen gegenüber.

Die entscheidenden Fragen lauten: Wie wichtig ist ein Schulstandort für ein Viertel? Macht es Sinn, eine Schule über Jahre am Leben zu erhalten, die offensichtlich von Eltern nicht mehr in ausreichendem Maße gewählt wird? Welche Signalwirkung geht von einer Entscheidung aus, die letztlich das Aus einer Schule bedeutet?

Seit die ersten Zahlen zu den Neuanmeldungen an den Grundschulen für das Schuljahr 2016/17 vorliegen, steht – wieder einmal – die Grundschule Barbarastraße im Brennpunkt. Also wurde im Schulausschuss diskutiert, ob und wie es an der Barbarastraße weitergehen kann. Allerdings nur wenige Minuten, denn dann wurde die Debatte mit den Stimmen der schwarz-roten Mehrheit abgebrochen. Aber dazu später mehr.

Zwar haben mittlerweile zwei weitere Eltern ihre Kinder am Teilstandort der Eilendorfer Grundschule Brühlstraße angemeldet, doch liegt die Zahl damit noch immer bei mageren fünf Kindern, wovon laut Verwaltung wahrscheinlich zwei Kinder auf eine Förderschule gehen werden. Bleiben drei übrig. „Das funktioniert beim besten Willen nicht, selbst mit dem Hilfsmittel des jahrgangsübergreifenden Unterrichts“, stellte Ulla Roder von der Schulaufsicht der Städteregion am Dienstag im Schulausschuss klar. Erste und zweite Klasse lernen an der Barbarastraße derzeit zusammen, darunter aktuell sieben Erstklässler. Addiert man die drei Neuanmeldungen hinzu, kommt man ab Sommer 2016 lediglich auf zehn Kinder für die Klassen eins und zwei. Deutlich zu wenig. Denn damit eine Klasse gebildet werden kann, braucht es mindestens 15 Schüler. Ausnahmen sind nur in Einzelfällen möglich.

Ein weiterer Faktor verschlechtert die Lage an der Barbarastraße: Im Sommer verlassen 15 Viertklässler die Grundschule. Damit blieben unter Berücksichtigung der aktuellen Anmeldezahlen gerade einmal 32 Kinder am Teilstandort in Rothe Erde übrig. „Auch das reicht nicht aus“, sagte Schulrätin Roder. Denn ein Schulteilstandort müsse von mindestens 42 Kindern besucht werden, damit er aufrechterhalten werden kann. Daher kam Roder zu dem Schluss: „Ich muss aufrichtig bedauernd feststellen, dass der Erhalt des Standortes Barbarastraße nicht mehr realistisch ist.“

Soweit die ernüchternden Zahlen, die Politik allerdings sträubt sich, das heiße Eisen final abkühlen zu lassen und die Schule aufzugeben. So gestand Bernd Krott (SPD) zwar die „sehr ungünstige Entwicklung“ ein, betonte aber sodann, dass die letzte Schulausschusssitzung des Jahres nicht die richtige Zeit sei, darüber zu debattieren, ob der Standort geschlossen werden solle oder nicht. Man wolle stattdessen lieber die Entwicklung bis Februar abwarten. Dann sollen die aktualisierten Anmeldezahlen im Schulausschuss präsentiert werden. Dass sich bis dahin allerdings großartig etwas an der Barbara-straße ändert, darf bezweifelt werden.

Und zumindest dürften die erneut extrem niedrigen Anmeldezahlen Wasser auf die Mühlen der Eltern sein, die eben das im Oktober 2014 befürchteten, als die Turnhalle an der Grundschule Barbarastraße als erste in Aachen in eine Notunterkunft für Flüchtlinge umgewandelt wurde. Sie protestierten damals massiv gegen die Maßnahme und warnten davor, dass die eh seit Jahren unter Schülermangel leidende Grundschule weiter an Attraktivität verliere.

Im Dezember 2015 sprechen zumindest die nackten Anmeldezahlen dafür. Bernd Krott betonte im Ausschuss aber, dass „dieser besondere Stadtteil“ einen Schulstandort brauche und warnte vor übereilten Beschlüssen. Debattiert wurde anschließend daher nur kurz über das Thema. Denn die schwarz-rote Mehrheit stimmte für den Antrag von Klaus-Dieter Jacoby (CDU), das heikle Thema nicht weiter öffentlich zu beraten.

Die Frage, wie es an der Barbarastraße weitergeht, nimmt die Politik somit mit ins neue Jahr.

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