Banküberfall: Die Gangster kommen vor Dienstbeginn

Von: Stephan Mohne
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Tatort Löhergraben: Vier oder sechs Täter, darunter eine Frau, überfallen am frühen Mittwochmorgen die Pax-Bank. Dabei bringen sie 16 Angestellte in ihre Gewalt, die später von zahlreichen Sanitätern betreut werden. Foto: Ralf Roeger
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Tatort Löhergraben: Vier oder sechs Täter, darunter eine Frau, überfallen am frühen Mittwochmorgen die Pax-Bank. Dabei bringen sie 16 Angestellte in ihre Gewalt, die später von zahlreichen Sanitätern betreut werden.
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Die von einem Täter weggeworfenen Kleidungsstücke sind indes kein Fall für die Stadtreinigung, sondern für die Spurensicherung und später auch für Spürhunde. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass in diesem Gebäude eine Bank ihre Heimat hat. Keine auffällige Werbung, keine bunten Unternehmenssymbole. Nur ein schlichter Schriftzug ziert das Haus am Löhergraben mit der Nummer 24 in Nachbarschaft zur Barockfabrik. „Pax-Bank“ steht dort.

Auf der hinteren Gebäudeseite gibt es einen Geldautomaten, der ebenfalls darauf hindeutet, dass es hier eine Bank gibt. Die vier, vielleicht auch sechs Verbrecher, die sich an diesem Mittwochmorgen auf den Weg zum Löhergraben machen, wissen allerdings offenbar ganz genau um die örtlichen Gegebenheiten.

Schon eine Weile, bevor die 1958 etablierte Filiale der katholischen Kölner Genossenschaftsbank an diesem Tag öffnet – was eigentlich um 9 Uhr der Fall sein sollte –, haben sie das Haus betreten. Und dann auch die Geschäftsräume. Wie sie da hineingekommen sind, ist für die Polizei zunächst ein Rätsel. Die Männer – und eine Frau, deutlich kleiner als die Komplizen – warten in der Bank auf die Angestellten, um sie „in Empfang“ zu nehmen.

Schließlich treffen 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die sich nun mit Bankräubern – sie haben sich wie in einem TV-Krimi ausstaffiert: schwarz gekleidet, Perücken auf dem Kopf und Sonnenbrillen auf der Nase – konfrontiert und mit Waffen bedroht sehen. Später, als die Täter längst weg sind, werden die Opfer in Befragungen der Polizei angeben, dass es durchaus „höflich“ zugegangen sei, wie Polizeisprecher Werner Schneider berichtet. So höflich aber dann wohl doch nicht, denn die Angestellten werden gefesselt.

Kleidungsstücke weggeworfen

Die Täter lassen sich Geld aushändigen. Wie viel, sagt die Polizei nicht. Dass es nicht „um ein paar Markfuffzig“ ging, erzählt Schneider jedoch und fügt hinzu: „Es geht schon um eine nicht unerhebliche Summe.“

Die Täter verlassen die Bank schließlich duch einen Hintereingang. Hinter dem Haus lassen sie einen Haufen Kleidungsstücke zurück. Wenig später rollen die Einsatzkräfte an: mehrere Rettungswagen, Feuerwehreinsatzleitung, Streifenwagen, Kriminalpolizisten und wenig später auch die Spurensicherung und ein Notfallseelsorger, der sich um die Opfer kümmert. Zumindest äußerlich ist zum Glück niemand verletzt worden. Allerdings steht jenen, die aus der Bank kommen, der Schrecken doch ins Gesicht geschrieben. Vom Filialleiter werden sie tröstend in den Arm genommen.

Für die Polizei fängt die Arbeit da erst richtig an. „Die Täter waren durchaus auffällig. Eigentlich muss jemand etwas beobachtet haben, schließlich war schon Berufsverkehrzeit“, sagt Polizeisprecher Schneider. Und zu dieser Zeit passieren nicht gerade wenige Autos und Fußgänger diesen Bereich des Grabenrings. Ob die Bankräuber in der Nähe ein Fluchtfahrzeug platziert hatten oder über eine weitere Strecke zu Fuß reißaus genommen haben, ist zunächst allerdings unbekannt.

„Mantrailer“ nehmen Fährte auf

Die Polizei hofft unterdessen, eine heiße Spur zu finden. Im Wortsinn. Diesem Zweck sollen die zurückgelassenen Kleidungsstücke dienen. In Selm (Kreis Unna) wird die NRW-Polizeihundestaffel alarmiert. Speziell ausgebildete Spürhunde werden nach Aachen beordert – sogenannte „Mantrailer – in der Hoffnung, der Fährte der Täter folgen zu können. Gleichzeitig läuft natürlich eine Großfahndung – auch in Belgien und in den Niederlanden.

Die bleibt an diesem Mittwoch ergebnislos. Die Spürhunde schaffen es tatsächlich, Fährte aufzunehmen. Von der Bank aus führt sie in Richtung Markt. Diesen Fluchtweg müssen die Täter benutzt haben. Doch am Markt selber verlieren auch die vierbeinigen Experten die Spur. Die hofft die Polizei nun durch Zeugen wieder aufnehmen zu können. Wer etwas gesehen hat, soll sich melden: Telefon 9577-0.

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