Aachen - Bandenkrieg: Kampf an mehreren Fronten

Bandenkrieg: Kampf an mehreren Fronten

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Rocker
Aachen ist offenbar ein Tummelplatz etlicher Gangs.

Aachen. Die gute Nachricht vorweg: Die Polizei hat es offensichtlich geschafft, den Mann festzunehmen, der am 26. Juli am Kennedypark auf eine Personengruppe gefeuert und dabei drei Menschen verletzt hat. Dass dabei niemand starb, sieht nicht nur die Staatsanwaltschaft als puren Zufall an.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 33-Jährigen, der „im unmittelbaren Umfeld“ des Tatorts wohne, hieß es am Montag. Unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Totschlags sitzt er jetzt in U-Haft. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann nicht geleugnet, die Schüsse abgegeben zu haben.

Die Polizei hat mit Hochdruck an dem Fall gearbeitet. Eine spezielle Ermittlungs- und eine Mordkommission wurden zusammengeführt. Es herrscht Alarmstufe Rot im Präsidium. Denn hinter der Schießerei steckt wohl ein Bandenkrieg – einer von gleich mehreren, die offenbar in Aachen entbrannt sind. Kurz vor der Tat im Ostviertel hatte eine mit Baseballschlägern bewaffnete Gruppe einen Kiosk am Adalbertsteinweg überfallen und den Besitzer verletzt. Aber wer kämpft hier eigentlich gegen wen? Der 33-Jährige soll nach AZ-Recherchen den „United Tribuns“ angehören. Die „Tribuns“ tragen eine blutige Fehde mit den „Black Jackets“ aus. Diese Gang ist ebenfalls in Aachen aktiv. Sieben von ihnen sollen für den Kiosküberfall verantwortlich sein. Drei Mitglieder wurden Mitte Juni von Spezialkräften der Polizei festgenommen. Sie sollen einen 21-Jährigen in Brand brutal misshandelt, ihn dann in ein Waldstück entführt, dort erneut geschlagen, getreten und ausgeraubt haben.

Und es gibt noch weitere Fronten in diesem vielschichtigen Bandenkrieg. So stürmte ein SEK Anfang Februar eine Wohnung in Gut Kullen. Die Beamten nahmen vier Mitglieder des „Hells Angels“-Ablegers „Nomads Turkey“ fest. Sie sollen im Dezember ein Mitglied des verfeindeten „Satudarah MC“ mit Baseballschlägern verprügelt haben. Nach den Vorfällen im vergangenen Oktober, als ein Polizist von einer Horde verfolgt wurde, war die Rede davon, dass „Satudarah“ im Ostviertel viel Zulauf habe. Wären da noch die einst einzigen „natürlichen Feinde“ der „Hells Angels“, die „Bandidos“. Auch die lassen sich immer wieder blicken, insbesondere in der Innenstadt. Wobei ihnen die Polizei dann oftmals rasch auf den Füßen steht.

Oberstaatsanwalt Alexander Geimer sagt zu Bandenmitgliedschaften im Fall Kennedypark nichts. Er betont aber, dass die Polizei und seine Behörde entschieden gegen Umtriebe solcher Gruppierungen vorgingen. Die aktuelle Festnahme sei „ein wichtiger Schnitt“. Geimer äußert die Hoffnung, dass der Ermittlungserfolg „eine abschreckende Wirkung“ habe. In einem Gespräch mit unserer Zeitung hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Hammerschlag im April gesagt, er sehe „eine gefährliche Entwicklung“. Die Szene habe sich verändert, es gebe mehr Gruppen als früher, die Täter seien ausgesprochen gewaltbereit.

Ex-Polizeipräsident Klaus Oelze sagte in einem Interview zu seinem Abschied gegenüber der AZ im Mai, er würde „das Auftreten der Rocker nicht überbetonen“. Und: „Das haben wir so weit es geht im Griff.“ Zudem habe es „noch keine echten Konflikte wie beispielsweise in Duisburg gegeben“. Das ändert sich offenkundig. Die Polizei bläst noch massiver zum Kampf gegen die Bandenkriege. „Gefühlt das halbe Präsidium ist in dieser Sache unterwegs“, sagt ein Insider. Die Polizei will das große Bandenpuzzle zusammensetzen, um Klarheit zu bekommen. Welche Strukturen gibt es in Aachen? Wer gehört welcher Bande an? Welche Ziele verfolgen die Gangs? Fragen, die man mit hohem Personalaufwand zu beantworten versucht.Am Dienstag gibt es eine große Lagebesprechung.

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