„Bandenkrieg“ beschäftigt nun die Richter

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Es war ein Moment, der Folgen hatte. Denn plötzlich war von einem „Krieg der Streetgangs“ in Aachen die Rede. Auch seitens der Staatsanwaltschaft hieß es damals, dass es pures Glück gewesen sei, dass hier niemand getötet wurde.

Es war der Abend des 26. Juli 2014, als am Kennedypark auf offener Straße Schüsse fielen. Drei Menschen wurden dabei teils schwer verletzt. Jetzt hat der Prozess in dieser Sache begonnen. Vor Gericht muss sich der 33 Jahre alte Feras A. verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor.

Er habe geglaubt, jetzt habe das letzte Stündlein für seine Familie und ihn selber geschlagen, sagte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Schwurgericht. Denn eine mit Macheten, Baseballschlägern und Gaspistolen bewaffnete Menge von Vermummten sei damals am Kennedypark auf ihn zugekommen. Feras A. schoss daraufhin mit seiner Pistole in die Gruppe. Ein Mann erlitt einen Bauchschuss, die beiden anderen Opfer wurden am Arm und am Bein getroffen. Er sei überzeugt gewesen, erläutere A. dem Vorsitzenden Richter Arno Bormann, dass die Zusammenrottung nur ihm oder seiner Familie gelten könne. Er habe die verfeindete Rockergruppierung „Black Jackets“ erkannt und schlichtweg Angst gehabt.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

A. hatte im Frühjahr 2014 einen Ableger der mit den „Black Jackets“ verfeindeten „United Tribuns“ gegründet, sei jedoch längst wieder ausgeschieden. „Wussten die das denn nicht?“, wollte der Richter wissen. Nein, das sage man nicht, klärte der Angeklagte über Bandengesetze auf. Hiermit hat vieles zu tun, was insbesondere auch im Aachener Osten abläuft, wie Richter Bormann besorgt feststellte. So waren strenge Sicherheitsvorkehrungen für die Verhandlung getroffen worden, es blieb aber alles ruhig. A. gab gestern die Schüsse zu, zog sich aber darauf zurück, dass er vor allem seine Familie – die Lebensgefährtin habe ebenfalls einen „Rockerhintergrund“ und sei einst mit dem Chef der hiesigen „Bandidos“ zusammengewesen – schützen wollte. „Auch deswegen ballert man nicht in eine Menge“, zweifelte der Vorsitzende an den Beweggründen. Denn A. hatte sich in einem Kiosk am Elsassplatz befunden, als der Trupp von wahrscheinlich mehr als 20 „Black Jackets“ an dem Laden vorbeizog. Da kam Angst auf.

Die Waffe hatte er im Briefkasten des Hauses, in dem er wohnt, versteckt. Warum dort? „Weil meine kleine Tochter sie nicht finden sollte“, erklärte er dem Gericht, dass seiner Version der Geschehnisse gestern höchst zweifelnd begegnete. Zeugen werden am 22. Januar vernommen.

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