Aachen - Bald wird geteilt: Templergraben wird zum „Shared Space”

Bald wird geteilt: Templergraben wird zum „Shared Space”

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Fußgänger, Radfahrer, Autos und Busse demnächst gleichberechtigt: Der Templergraben wird zwischen Schinkel- und Wüllnerstraße ab Sommer zum „geteilt gebutzten Raum” (Shared Space) umgebaut. Auch für die Umgebung gibt es große Foto: Michael Jaspers

Aachen. 107 Orte sind es in den Niederlanden, in denen „Shared Space” längst Realität ist. Mit verblüffenden Resultaten. Die Unfallstatistik verbesserte sich dort, und die Menschen empfinden mehr Lebensqualität - und das, obwohl derartige Projekte zunächst fast immer auf breite Ablehnung stoßen.

„Shared Space” bedeutet so viel wie „geteilt genutzter Raum”, ein vernünftiges deutsches Wort gibt es noch nicht. Gemeint ist jedenfalls, dass in solchen Bereichen der Raum von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt genutzt wird - vom Fußgänger über den Rad- und den Autofahrer bis hin zum Linienbus. Im Prinzip ist es also etwas Ähnliches wie ein „verkehrsberuhigter Bereich” bezeichnet wird. Aber eben konsequenter fortgeführt, denn in „Spielstraßen” fahren bislang gemeinhin keine Busse.

Den ersten „Shared Space” wird Aachen - so ist es seit 2008 beschlossen - nun auch bekommen: den Templergraben zwischen Schinkel- und Wüllnerstraße. Was bislang nur auf Plänen zu sehen ist, soll schon sehr bald umgesetzt werden. Im Sommer sollen die Bautrupps anrücken, wie Dezernentin Gisela Nacken prognostiziert.

Sieben Stundenkilometer

Damit wird Aachen eine der ersten Großstädte, die das in den 1990er Jahren vom niederländischen Verkehrsplaner Hans Monderman erdachte System umsetzen. Ein weiteres Beispiel ist Duisburg, wo es seit 2007 vor dem Theater eine „Shared Space”-Zone gibt - auch dort sind die Erfahrungen bislang durchweg positiv. Am Templergraben wird der geteilte Raum eine Alternative zur Vollsperrung sein. Denn über Jahre hinweg wurde dieser die Priorität eingeräumt - mit entsprechendem Gegenwind, denn dadurch wäre der Ring unterbrochen worden, weit reichende Umleitungen wären die Folge gewesen.

Erlaubt sein wird im „Shared Space” eine Höchstgeschwindigkeit von sieben Stundenkilometer - was ebenfalls den verkehrberuhigten Bereichen entspricht. Damit niemand auf die Idee kommt, in den geteilten Raum hinein zu rasen, gibt es am Anfang und am Ende der 180 Meter langen Strecke Rampen. Kosten: 1,8 Millionen Euro, die aus Städtebaufördermitteln bezuschusst werden.

Diese Maßnahme stellt allerdings nur den Auftakt zu einer umfassenden Umgestaltung der 300000 Quadratmeter rundherum dar. Ebenfalls 2008 stellte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes nämlich bereits das Ergebnis eines Gestaltungswettwerbs vor, das unter dem Titel „City-Campus” große Veränderungen vorsieht. So zum Beispiel soll an den „Shared Space”-Raum in Richtung Kármán-Auditorium anschließend ein „Open-Air-Auditorium” entstehen, das auch für Veranstaltungen offen steht.

Apropos „Kármán”: Das Forum wird möglicherweise abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, da eine Sanierung zu teuer erscheint. Bereits gebaut ist das neue Hörsaalgebäude hinter dem Super C auf dem Gelände des ehemaligen Heizwerks. Für die nächsten Jahre gehen die Pläne noch weiter. Der Parkplatz hinter dem Audimax könnte verschwinden und einem „Campuspark” weichen. Parkplätze gibt es in der Nähe bereits neue - im erweiterten Parkhaus an der Professor-Pirlet-Straße etwa.

500 Millionen Euro

Angedacht ist auch, die Hauptmensa von der Turm- zur Wüllnerstraße zu verlagern und sie damit noch näher ans TH-Zentrum zu bringen. Überhaupt stehen in den Plänen noch einige Neubauten, so auch an der Ecke Wüllnerstraße/Templergraben auf der Freifläche vor der Hochschulbibliothek. Dies soll den Platzcharakter unterstreichen. Was alles in allem entsprechende Investitionen nach sich ziehen würde: Bei der Vorstellung der Pläne sprach der BLB von 500 Millionen Euro.
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