Bald läuft im Capitol der letzte Abspann

Von: Günter H. Jekubzik
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Ein Kapitel Aachener Kinogeschichte: Das 1958 eröffnete Capitol schließt, teils sollen nur noch 1000 Besucher pro Monat gekommen sein. Der Kino-Unternehmer Leo Stürtz hat das Gebäude gekauft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im alten Film-Palast Capitol heißt es für die Apollo-Betreiber Hans-Peter Coenen und Walter Render am 29. Dezember nach zehn Jahren „Last Picture Show“. Noch auf klassischem 35-Millimeter-Film läuft dann zum letzten Mal „Der Hobbit – Smaugs Einöde“, bevor das Haus schließt. Der neue Eigentümer heißt – das ist die zweite große Überraschung – Leo Stürtz.

Zu dessen Kinos gehören in Aachen das Cineplex und das Eden sowie alle Säle in Alsdorf. Was auf den ersten Blick wie eine unfreundliche Übernahme wirkt, erweist sich als komplexe Situation, bei der es trotz allseits bester Absichten erst einmal nur Verlierer zu geben scheint. Und Leerstand.

„Zehn Jahre Capitol haben viel Spaß und viel Ärger gemacht“, fasst Hans-Peter Coenen von den Apollo-Kinos an der Pontstraße diese Phase der eigenen Aachener Kinogeschichte zusammen. „Das Capitol war so ein bisschen ein Hobby von uns, reich sind wir da nicht geworden.“ Sein Partner Walter Render fügt bitter lachend hinzu: „Wir sind die Begleiter des sterbenden Kinos.“ Tatsächlich mussten die Urgesteine des Aachener Programmkinos bereits die Schließung ihres ersten Kinos, des Movie am Kaiserplatz, und des Diana in Burtscheid miterleben.

Das 1958 eröffnete Capitol am Seilgraben ist ein Bau des Aachener Architekten Fritz Eigelshofen und für Coenen nach wie vor das schönste Kino in Aachen. Bei altertümlichem Charme war die Technik längst nicht mehr auf dem neuesten Stand. Leo Stürtz, Kaufmann und Kinomann mit Leidenschaft, der das Gebäude mit der denkmalgeschützten Fassade übernahm, sieht einen enormen Investitionsstau und braucht erst mal Zeit für eine Bestandsaufnahme. Die Technik muss auf digitale Projektion umgestellt werden, es gibt kaum noch aktuelle Filme auf Zelluloid. Dabei laufen die Förderungen für diesen Schritt durch die Filmstiftung NRW und den Bund gerade aus. Das Capitol „ist ein bisschen Kult, aber das ist dem Aachener zu wenig“, sagt Stürtz. Teilweise sollen nur noch 1000 Besucher im Monat gekommen sein. Schon einmal drohte die Schließung. Aber nachdem die UFA 2004 auch dieses Haus in Aachen aufgab, übernahmen es Coenen und Render und investierten in Ausstattung und Technik.

Und eigentlich wollten beide auch mit dem neuen Eigentümer Stürtz einvernehmlich weiterspielen, nachdem dieser das Gebäude von Hans Kahlen übernommen hatte. Doch dieser Plan scheiterte an den Kosten für einen Leihprojektor. Jetzt herrscht einvernehmlich Ratlosigkeit, wobei der erfolgreiche Alsdorfer Kinomann keine Aussage über die Zukunft oder eine Neueröffnung treffen will, aber wohl eine Vision hat: Der neue Trend eines höherwertigen Lounge-Kinos mit Liegesitzen, Bedienung und edler Ausstattung hat in Aachen noch nicht Fuß gefasst. So ein Kinobesuch wäre mit dem eines Musicals zu vergleichen und könnte mit hochwertigem Speisenangebot den Restaurantbesuch einschließen. Stürtz zeigt sich auch offen für die Idee eines kommunalen Kinos im Capitol, das unter jetzigen Bedingungen weiterspielen könnte. Gespräche mit dem Kulturbetrieb der Stadt und Initiativen wie Kaleidoskop wären denkbar. Bis dahin bleiben nur noch wenige Tage, um das Capitol, dieses besondere Monument einer alten Kino-Zeit mit Balkon und dem Ausblick vom Hochfoyer, noch zu erleben. Vielleicht dann tatsächlich zum letzten Mal.

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