Bäume illegal gefällt: Schwerer Eingriff in die Natur

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
Ronheider Weg
Zwischen dem Ronheider Weg und dem Höfchens Weg ist durch das illegale Fällen von Bäumen ein großer ökologischer Schaden entstanden. Foto: Stadt Aachen/Stadtbetrieb
Ronheider Weg
Zwischen dem Ronheider Weg und dem Höfchens Weg ist durch das illegale Fällen von Bäumen ein großer ökologischer Schaden entstanden. Foto: Stadt Aachen/Stadtbetrieb
Eberburgweg
Am Eberburgweg ist eine 70 Jahre alte Buche gefällt worden, die zuvor als gesund eingestuft worden war. Foto: Stadt Aachen/Stadtbetrieb
Eberburgweg
Am Eberburgweg ist eine 70 Jahre alte Buche gefällt worden, die zuvor als gesund eingestuft worden war. Foto: Stadt Aachen/Stadtbetrieb

Aachen. Andreas Schulz ist der Baumexperte beim Aachener Stadtbetrieb – und mit zwei Metern Körpergröße selbst geradezu ein Mann wie ein Baum. Doch als er vor wenigen Tagen das Ausmaß der Zerstörung auf dem städtischen Grundstück nahe des Ronheider Wegs erblickte, geriet selbst Schulz ein Stück weit ins Wanken.

„Etwas in dieser Dimension haben wir bisher noch nie vorgefunden“, sagt der Teamleiter Baumpflege auch Tage nach der ersten „Besichtigung“ sichtlich fassungslos, während er auf ein regelrechtes Schlachtfeld blickt. Nur wenige Meter vor ihm liegen mehrere dilettantisch und vor allem illegal gefällte riesige amerikanische Roteichen im Hang.

Viele Fragen schwirren Schulz durch den Kopf: Wer war es? Warum hat er es getan? Antworten gibt es bisher keine. Klar ist nur: Im kleinen Biotop, das direkt an die Grundschule Höfchensweg grenzt, müssen Unbekannte mit der Kettensäge über Stunden hinweg gewütet haben. Hinterlassen haben sie ein Trümmerfeld. Nun hoffen Stadt und Polizei, die die Ermittlungen aufgenommen hat, auf Hinweise aus der Bevölkerung – auch zu einer zweiten illegalen Baumfällaktion, der nur wenige hundert Meter entfernt am Eberburgweg eine 70 Jahre alte Buche zum Opfer gefallen ist.

Als Andreas Schulz einen der abgesägten Stämme aus der Nähe betrachtet, schüttelt er verständnislos den Kopf. Zweieinhalb Meter Umfang misst die Eiche, hundert Jahre sei sie alt geworden, schätzt der Baumexperte. Vermutlich am Samstag vor einer Woche (12. März) müssen die illegalen Baumfäller mit der Kettensäge unterwegs gewesen sein.

„Die Arbeiten müssen Stunden gedauert haben“, vermutet Schulz. Allerdings gingen sie dabei äußerst laienhaft vor. „Das so zu schneiden – das ist Russisch Roulette“, stellt Schulz fest. Denn offenbar mit einem kleinen Kettensägenmodell sind sie den großen Bäumen zu Leibe gerückt – und ohne jegliches Konzept. Das verrät dem Experten die Art der Schnitte. So sei es völlig unkontrollierbar gewesen, in welche Richtung ein solcher Riese letztlich kippt, erklärt Schulz.

Hoher Kollateralschaden

Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatte die Kettensäge an besagtem Samstag im Gebiet Ronheider Weg kreischen gehört – ohne jedoch nur im Ansatz zu ahnen, was da vor sich ging. Trotzdem fragte er beim Stadtbetrieb nach, ob dort größere Fällarbeiten anberaumt gewesen seien. Schulz checkte die Anfrage am folgenden Montag sofort. Ergebnis: Es waren illegale Baumfäller am Werk. Neben den mutwillig abgeholzten Bäumen entstand ein enormer „Kollateralschaden“, wie der Stadtbetrieb am Montag bilanzierte.

Denn die unsachgemäß gefällten Bäume lösten eine Kettenreaktion aus, rissen weitere Bäume mit um und zerstörten den Lebensraum von tausenden Tieren. In dem Biotop leben vor allem Insekten und Käfer, zudem gehe man davon aus, dass auch zahlreiche Nistplätze von Vögeln zerstört wurden. „Das ist ein erheblicher Eingriff in die Fläche“, klagt Dr. Winfried Engels, Experte für Artenschutz bei der Unteren Landschaftsbehörde. „Es war ein vitaler und wertvoller Baum- und Gehölzbestand, der mutwillig und sinnlos zerstört worden ist.“

Der zweite Fall am Eberburgweg war dann am vergangenen Mittwoch einem Mitarbeiter des Stadtbetrieb aufgefallen. Hier ging der Täter fachmännischer, aber nicht weniger illegal zu Werke. Der Baum muss quer über den Weg gekracht sein, schlug dann in ein historisches Gitter ein, das unter der Last des Baumes eingedrückt und somit zerstört wurde. Allerdings „räumte“ der Unbekannte anschließend auf. „Ob mit einem Traktor, Bagger oder Hubschrauber – keine Ahnung“, flüchtet sich Schulz in Galgenhumor. Klar sei: Mit purer Muskelkraft hätte man die Buche mit Sicherheit nicht vom Fleck bewegen können.

Experten des Stadtbetriebs schätzen den Schaden des Baumes am Eberburgweg auf 5000 Euro. Weitere 1000 Euro kommen für die Flurschäden und die Beseitigung der Baumreste hinzu. Über die Schadenshöhe im Hang am Ronheider Weg könne man indes noch nichts sagen, teilte Elisa Bresser vom städtischen Presseamt mit.

Da man zunächst vermutete, dass der oder die Täter vielleicht am vergangenen Wochenende ihr Werk fortsetzen würden, patrouillierten Mitarbeiter des Ordnungsamts vor Ort. Doch die illegalen Holzfäller tauchten nicht mehr auf. Der Schaden ist aber auch so bereits immens. Nächste Woche sollen die aufwendigen Aufräumarbeiten beginnen, damit spätestens nach den Osterferien die gefährlichsten Stellen im kleinen Wäldchen direkt neben der Grundschule beseitigt sind.

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