Bäcker servieren brillante Hamburger

Von: Thorsten Karbach
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Auf sie können die Programmmacher bauen: Die Tänzerinnen und Tänzer der Schlenderhahner Lumpe stehen für spektakulären Gardetanz Kölscher Prägung. Das geht es im Wortsinne hoch hinaus, und die Begeisterung kann kaum größer sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es wurde gefeiert – bis die Polizei kam. Und das war in diesem Fall auch gut so, denn ist es doch der Öcher Noppeney, also ein Polizist, der mit seiner Glocke Prinz Karneval Thomas II. zum großen Finale auf die Bühne führt. Es war nicht irgendeine Bühne. Es war die Bühne der großen Bäckersitzung im Rahmen des noch größeren Bäckerballs im Aachener Eurogress, und die gehörte diesmal nicht nur Seiner Tollität, der Prinzengarde und dem Tanzpaar.

Sie gehörte mehr denn je diesem Polizisten, denn Thomas Römer, der den Noppeney in diesem Jahr im Hofstaat darstellt, ist eigentlich Bäckerelferrat und hat den finalen Auftritt des Prinzen schon zig Mal im weißen Frack der Gastgeber aus dem Hintergrund verfolgt. Nun gehört ihm das Rampenlicht. Der einzige Optikermeister im Bäckerelferrat, der ansonsten eben tatsächlich aus Öcher Bäckern besteht, wurde nicht aus den Augen gelassen.

3000 Jecke feiern in allen Sälen

Es war der Moment, in dem auch Josef Drouven einmal kurz die Stimmung genießen konnte. Er ist der Elferrat im Hintergrund, hat sich die Sieben-Meilen-Stiefel geschnürt und schaut hinter und vor allen Kulissen – und gefeiert wird mit 3000 Jecken beim Bäckerball in allen Sälen – nach dem Rechten. „Die anderen klatschen sich auf der Bühne die Hände wund, ich sollte Kilometergeld verlangen“, sagt er und lacht. Dann schaut er durch den ausverkauften Sitzungssaal und sagt: „Die Stimmung spricht für sich!“ Recht hat er.

Die Festsitzung der Bäcker, das muss so geschrieben werden, ist bis dato der Höhepunkt des Sitzungskarnevals. Programm und Begeisterung sind unbeschreiblich gut, nein, so eine Sitzung hat Aachen in dieser Session noch nicht erlebt. Und süßer konnte es auch nicht losgehen: dutzende kleine Puffel, nein Steppkes, singen Öcher Leddcher. De Kenger vajjen Beverau sind so ganz nach dem Geschmack der Bäckerbesucher. Kaum eine Stunde später geben ausgerechnet Hamburger den Öcher Bäckern und ihrer Sitzung die unnachahmliche Würze.

Big Maggas heißt die Combo. Im letzten Jahr waren sie die große Überraschung im Programm, in diesem Jahr haben sie bereits bei der Prinzengarde mit Coversongs wie „Ohne Dich“ und mitreißendem Auftritt gerockt. Es mag eine abgedroschene Phrase sein, dass bei Karnevalsbands die Leute auf den Stühlen stehen. Doch Tatsache: Rasch geschätzt kletterten fast 1000 der 1400 Sitzungsgäste auf ihre Stühlchen. Der Rest stand zumindest – Kopf. Wie viel Begeisterung passte eigentlich in diesen Eurogress?

Von der Reeperbahn angereist

„Sie haben den Saal wirklich auf links gedreht“, stellte Moderator Michael Nobis später fest. „Wir wissen selbst nicht genau, wie uns hier geschieht“, sagte Roy Ostermann, der Sänger der Maggas, die von der Reeperbahn zur Monheimsallee angereist waren. Der Mann trägt übrigens den Spitznamen „Rakete“. Und die zündete bei den Öcher Bäckern. Die verstehen ihr jeckes Handwerk. Das Tempo blieb hoch, der einzige Redebeitrag auf dem Programm – Josef, Jupp und Jüppchen – war bewusst früh auf der Bühne, die war dann frei für Musik und Tanz – von ganz klassisch mit den beeindruckenden Schlenderhahner Lumpe bis ganz hip wie bei TN Boom. Party pur. Kein Wunder: Die Geschichte des Karnevalsvereins der Aachener Bäcker geht auf einen 1924 gegründeten Gesangsverein zurück.

Weil die Herrschaften das mit dem Gesang aber nicht mehr so gut gebacken bekommen, überließen sie die Mikrofone beispielsweise den 4 Amigos und der Kölner Band „Kasalla“ („Pirate“), die tief in der Region verwurzelt ist. Akkordeonist René Schwiers hat in Aachen die Schulbank gedrückt. Nun lernte er, wie ausgelassen in seiner Heimat Karneval gefeiert werden kann – eben bis der Polizist kommt. Der gab (fast) noch mehr Vollgas als Maggas-Sänger Ostermann, der immerhin mit dem Moped auf die Bühne knatterte. Thomas Römer hatte sich ein Pappinstrument umgeschnallt und rockte. Der Rest war ein rauschender Ball.

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