Babor: Weltmarke mit festen Wurzeln in Aachen

Von: Stephan Mohne
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„The Curve“: So sieht das neue Babor-Hauptquartier an der Neuenhofstraße aus, wenn es Mitte 2018 fertig ist. Das Aachener Familienunternehmen mit Weltruf im Bereich der Luxuskosmetik investiert 20 Millionen Euro und gibt ein klares Bekenntnis zum Standort ab. Die Firma schreibt überdies blendende Zahlen. Foto: Babor
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Wer anderen eine Grube gräbt: Im Neubau entstehen Büroarbeitsplätze für die wachsende Belegschaft und ein Trainingszentrum. Geschäftsführer Horst Robertz zieht selbst nicht dort ein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als sein Professor an der RWTH ihm riet, frühzeitig bei der Wirtschaft einen Fuß in die Tür zu stellen, da nahm sich Horst Robertz das Branchenbuch – auf der Suche nach einem Unternehmen im Feld der Chemie. Beim Buchstaben B wurde er fündig.

Und wählte die Nummer des Luxuskosmetikherstellers Babor. Kurz darauf war er als Aushilfe im Labor angeheuert. Viele Jahre später: Horst Robertz steht am Stammsitz des Unternehmens an der Neuenhofstraße im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd. Und blickt in eine tiefe Baugrube.

Heute ist der Chemie-Ingenieur Geschäftsführer der in dritter Generation als Familienbetrieb geführten Marke mit Weltruf. „Wir haben ein tolles, hochmotiviertes Team“, sagt Robertz. Was Chefs nach außen ja gerne mal so sagen. Bei Babor aber ist das keineswegs bloß ein Lippenbekenntnis. Denn aus der Baugrube erwächst in den kommenden Monaten „The Curve“.

Das ist der Name für das neue Hauptquartier von Babor. Es wird ein Bau mit außergewöhnlicher Optik – dem Namen entsprechend eben „kurvig“. Auf 5000 Quadratmetern wird es 150 topmodern ausgestattete neue Büroarbeitsplätze für Teile des tollen Teams geben. Dazu kommt auf der obersten Etage ein Trainingszentrum mit Premiumausblick für die Kunden.

20 Millionen Euro lässt sich Babor das vom Aachener Architektenbüro K2 entworfene, mit den Immobilienexperten von „Jones Lang LaSalle“ entwickelte und von den regionalen Unternehmen Schlun sowie Derichs und Konertz zu bauende Gebäude kosten. Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der vor rund 60 Jahren gegründeten Firma.

Aber es ist nicht die einzige. Bereits 2013 flossen rund fünf Millionen Euro in einen Anbau, immer wieder wurde auf und am Firmengelände erweitert. Passenderweise wurden auch noch die großen Lagerhallen von Siso Textil frei, die man langfristig gemietet hat. „Das alles brauchten wir unbedingt“, erzählt Robertz.

Klar, denn bei Babor klingeln die Kassen in süßesten Tönen. Der Umsatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt, die Mitarbeiterzahl stieg alleine zwischen 2012 und 2016 um fast ein Drittel auf nunmehr 400 am Standort Aachen und mehr als 500 weltweit. Auf Diagrammen, die Robertz an die Wand wirft, ist kein Ende dessen erkennbar.

Ganz im Gegenteil geht es in der Prognose weiter ordentlich bergauf. Und das, sagt Robertz im lockeren Plauderton, geht gegen den Trend in der Branche, denn da herrsche eher Stagnation. Aber bei Babor ist eben auch einiges ziemlich außergewöhnlich. Als Beleg könnte man die hauseigene Elsbeeren-Plantage in Mechernich anführen. Während die einen aus dem Kernobst Schnaps brennen, verwendet man sie bei Babor lieber für Schönheit.

Die Produkte kommen offenkundig bestens an. Sogar das „Urprodukt“, das 1955 vom Chemiker Michael Babor entwickelte „HY-Öl“, ist immer noch ein „Top-Seller“, so Horst Robertz. Wie vieles andere auch – etwa die babortypischen kleinen Ampullen mit Schönheitselixieren, von denen man letztes Jahr 40 Millionen produzierte. An die Frau – und zunehmend auch an den Mann – werden sie in deutschlandweit 2500 Babor-Kosmetikinstitute. Weltweit sind es 3500. Zudem in edlen Hotels.

Mittlerweile peilt man bei Babor laut dem Geschäftsführer die Marke von 150 Millionen Euro Umsatz an. Bemerkenswert. Denn erst 2012 lautete eine Nachricht, dass man da so langsam, aber sicher in den dreistelligen Millionenbereich aufstieg. Für das Wachstum benötigt man aber auch Platz. Für „The Curve“ wurde ein altes Gebäude abgerissen. Allerdings brauchte man für eine Genehmigung auch den Nachweis von neuem Parkraum. Deshalb wurde auch noch an der Debyestraße ein Grundstück gekauft – eines der letzten freien. Dort enststehen 200 Plätze fürs Blech.

Aber warum stoppelt man sich die Flächen derart zusammen und fängt nicht einfach auf der grünen Wiese irgendwo ganz neu an? Das liegt laut Robertz eben daran, dass die Eigentümerfamilien viel Wert darauf legen, dass der Stammsitz bleibt, wo er seit 1977 ist – auch dann, wenn angesichts der Expansion vielleicht mal kein Platz mehr dort ist und man das eine oder andere Gebäude woanders bauen müsste. Die Weltmarke behält ihre tiefen Wurzeln in Eilendorf. Basta. Und noch eines betont Robertz: „Babor ist und bleibt ein Familienunternehmen.“ Dass angesichts dieser Entwicklung schon Kaufinteressenten auf der Matte standen, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Sie können sich den Weg nach Eilendorf jedoch sparen.

Nicht so neue Mitarbeiter. Denn auch in diesem Bereich zeigt die Prognosekurve weiter nach oben und in Richtung 450 am Standort Aachen. Wenn man sie denn findet. „Früher reichte eine Annonce und es standen mehrere Dutzend Bewerber auf der Matte. Heute muss man bisweilen sogar Headhunter einsetzen“, so der Geschäftsführer. Ins Branchenbuch wird jedenfalls heute wohl keiner mehr gucken. Dabei lohnt es sich, wie einst Horst Robertz bei Babor hängenzubleiben. Denn da ist ganz schön was los.

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