Aachen - „Baal”: Was fasziniert an diesem Ekel?

„Baal”: Was fasziniert an diesem Ekel?

Von: Sarah Sillius
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Die Frauen sind Baal verfallen, aber was fasziniert sie bloß an diesem Ekel? Willi Ezelius und Celina Baluch sind in den Hauptrollen zu sehen.

Aachen. Ein asozialer Typ. der trinkt, der hurt - und der dichtet. Ein hemmungsloser Egoist. Der demütigt, zerstört und sagt „Ich kann nicht anders.” Doch Baal wird von der „besseren Gesellschaft” gefeiert. Warum fliegen alle auf ihn? Was macht die Faszination dieses Ekels aus?

„Wir sind nicht dahinter gekommen, aber es ist ein Phänomen, mit dem es sich auseinanderzusetzen lohnt”, sagt Dramaturg Lukas Popovic über Bertholt Brechts provokantes Erstlingsdrama „Baal”.

Es ist das nächste Stück, das er mit Regisseur Martin Goltsch und Spielpädagogin Brigitte Köhr auf die Bühne bringt. Nach den Erfolgen von „Die Räuber” und „Romeo und Julia” ist es die dritte Kooperation von Theater Aachen und „Theater Ausbruch”.

Was als Projekt für das Aachener Ostviertel begann, nennt sich mittlerweile Projekt A. „Das A mag für außerhalb stehen”, sagt Popovic, legt sich aber nicht fest. Fest steht: Die 23 Darsteller sind Laien - aus allen Teilen Aachens, 12 bis 67 Jahre alt, ein Querschnitt durch alle sozialen Schichten. Laien, die unter Profibedingungen arbeiten, die sich für Theater begeistern.

18 Monate, 100 Leute

„Über 18 Monate haben 100 Leute mitgewirkt, von denen am Ende 23 übrig geblieben sind”, beschreibt Brigitte Köhr den Auswahlprozess. Sie und Popovic beschreiben es als besondere Herausforderung, mit Laien zu arbeiten. Ihnen die großen Gesten abzugewöhnen, die sie glauben imitieren zu müssen. Ihre schauspielerische und persönliche Entwicklung mitzuerleben.

Es sei ein vergleichsweise schwieriges Projekt, meint Popovic. „Weil nicht alle Figuren eine Entwicklung durchleben. Nur Baal. Alles andere erschließt sich assoziativ.” Baal wird gespielt von Willi Ezilius, der schon bei den letzten beiden Projekten mitgespielt hat. „Ohne ihn hätten wir das Stück nicht gemacht. Ohne zu wissen, dass er das schultern und packen kann”, ist der Dramaturg überzeugt.

Assoziieren könne der Zuschauer mit dem Inhalt des Stück vieles, was aktuell ist. Prominente Beispiele aus der Popkultur etwa? Popovic will da nicht vorgreifen, will dem Zuschauer die Interpretation überlassen. Auch die Schauspieler haben sich mit „Baal” auseinandergesetzt, besonders intensiv bei einem gemeinsamen Wochenende in Belgien. Popovic war überrascht, mit wie viel Fantasie sich auch die Kinder eine Meinung über die Figuren gebildet hatten. Die Proben seien „eine offene Geschichte” gewesen. In die Inszenierung von Martin Goltsch, die er aus den verschiedenen Brecht-Fassungen erarbeitet hat, durften auch Ideen der Darsteller einfließen. Natürlich habe das Grenzen - schließlich dürfe man die Brecht-Erben mit einem allzu innovativen Ansatz nicht verärgern. Aber eines ist bei der Bühnenfassung anders als in der Lektüre: Sie ist weniger brutal. Und nicht alle werden dem unberechenbaren Baal - so viel kann verraten werden - unterliegen.

Die Premiere von „Baal” am Samstag, 11.Dezember, um 20 Uhr ist schon ausverkauft. Karten gibt es aber noch für die darauffolgenden Aufführungen am 17./18./19. Dezember sowie am 8./9./14./15./28. und 29. Januar.

Das Stück wird im Gebäude eines ehemaligen Drogeriemarktes in der Von-Coels-Straße 167 in Eilendorf aufgeführt. Platz ist hier für 99 Gäste. Die nächste Bushaltestelle ist Eilendorf Linde (Linie 12 und 22). Parkmöglichkeiten gibt es am Sportplatz der Arminia Eilendorf, Brander Straße.

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