AZ-Forum: OB Philipp steht gelassen und souverän Rede und Antwort

Von: Oliver Schmetz und Matthias Hinrichs
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Spannende Diskussion in entspa
Spannende Diskussion in entspannter Atmosphäre: Marcel Philipp stellte sich den Fragen der AZ-Moderatoren Robert Esser (links) und Albrecht Peltzer - und vor allem denen der Zuhörer. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Gelassen, locker, fast die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen - es kann an diesem Abend nicht nur an den bequemen Sesseln im Kasino des Zeitungsverlags liegen, dass Oberbürgermeister Marcel Philipp beim OB-Forum der AZ-Lokalredaktion im Gespräch mit den AZ-Redakteuren Albrecht Peltzer und Robert Esser einen solch entspannten Eindruck macht.

Man merkt, dass dem OB die jüngste Erfolgsmeldung von einer besonders tristen Front in der Innenstadt gut tut - die im Übrigen einem ganz realen Frontabschnitt frappierend ähnlich sieht: Dass die Notarverträge für die Kaiserplatz-Galerie vor ein paar Tagen endlich unterzeichnet worden sind - und dabei laut OB mehr als 70 Millionen Euro die Besitzer gewechselt haben - , daran war Philipp sicher nicht unbeteiligt. Jeden Tag habe er das Thema auf dem Schreibtisch gehabt, erzählt er. „Unheimlich viel Arbeit” habe das gekostet.

Dann ist ein OB im Erfolgsfall natürlich „glücklich” - aber das muss ja noch lange nicht für alle seine Mitbürger gelten. Obwohl: Die Kritik an dem Großprojekt hält sich in Grenzen. Stephan Baldin, Vorsitzender der Stiftung Kathy Beys und ehemaliger Einzelhändler in Aachen, äußert die Sorge, dass die Geschäftsleute in der historischen Altstadt unter der Galerie leiden: „Wir müssen das Profil Aachens in der Innenstadt schärfen”, fordert er - was der OB wohl durchaus unterschreiben würde.

Hans-Peter Appel, ehemaliger Aseag-Vorstand, fragt, wie es sein könne, „dass es am Kaiserplatz Abrissgenehmigungen vor den Baugenehmigungen gab”. War man zu leichtgläubig? „Manchmal will man es wohl einfach auch glauben”, räumt Philipp ein und will in schon entwaffnender Offenheit auch nicht ausschließen, dass sich solche Fehler wiederholen können - „auch wenn die Vorsicht vielleicht wächst”.

So redet jemand, der selbstbewusst ist. Und das scheint Marcel Philipp nach drei Jahren im Amt zu sein. Er glaube schon, dass er mittlerweile „die großen Fußstapfen einigermaßen ausfüllt”, sagt er mit Blick auf seinen Vorgänger Jürgen Linden, der das Amt 20 Jahre lang innehatte. „Sehr zufrieden” sei er mit der Entwicklung der Verwaltung in seiner bisherigen Amtszeit, sagt Philipp: „Das ist eine tolle Truppe.”

Da regt sich dann doch Widerstand, gegen die Worte, aber auch gegen das Strahlen im Gesicht des OB. „Ich verstehe nicht, warum Sie so lustig sind, Herr Oberbürgermeister”, sagt AZ-Leser Josef Pötsch, „denn ich bin der Meinung, dass die Verwaltung versagt.” Ihm geht es um die leidigen Baustellen im Allgemeinen und um die Dauerbaustelle an der Junkerstraße im Besonderen, und er hat den heißen Tipp für die Verwaltung parat, „vielleicht mal ein paar Leute aus der Praxis zu befragen”. Der Mann steht da nicht alleine, auch Dirk Deutz, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Aachen, wundert sich über das „völlige Chaos”, das vor kurzem im Zuge der Sperrung der Normaluhr ausgebrochen war.

Und da wird der „lustige” Phi-lipp ziemlich ernst und räumt unumwunden Fehler ein. „Wir wissen, dass wir bei den Baustellen in diesem Jahr Schmerzgrenzen überschritten haben”, sagt der OB und verspricht zumindest für das nächste Jahr den Versuch der Besserung. Wobei das sicher keine Jubelszenen auf Aachens Straßen auslösen wird, denn: „Baustellen sind wie eine Operation ohne Betäubung - es gibt keine Chance, dass es nicht weh tut.” Aber ein paar Schmerzen weniger sollen es in Zukunft schon sein.

Gelassen, locker, lächelnd, aber durchaus ernsthaft - so absolviert Philipp an diesem Abend einen Parforceritt durch eine ganze Themenlandschaft. Dass dabei die Sauberkeit Aachens - oder vielmehr der fast allgegenwärtige Dreck - angesprochen wird, verwundert kaum. 500 000 Euro wolle man zusätzlich in den Stadtbetrieb stecken, Strafen stärker eintreiben, aber letztlich gehe es vor allem darum, das Bewusstsein für eine saubere Stadt zu schärfen, sagt der OB: „Ein bisschen Grundvertrauen in die Menschheit sollte schon noch da sein.”

Mit dem Grundvertrauen in die Verwaltung ist das dagegen bei manchen so eine Sache. Baumfällaktionen bei Nacht und Nebel wie am Templergraben werden ebenso beklagt wie manch undurchsichtiges Bebauungsplanverfahren. Mehr Transparenz, mehr Beteiligung fordern da die Bürger - und stoßen beim OB nicht auf taube Ohren. Auch wenn der mehrfach betont, dass alles mit rechten, weil demokratischen Dingen zugegangen sei: „Man kann immer mehr machen”, räumt der OB ein.

Wie heikel und kompliziert die politische Materie aber sein kann, zeigt an diesem Abend gerade die Frage des Baumschutzes. Da gibt es Kritik von Umweltschützern an den Fällungen am Templergraben, während Claus Mayr vom Naturschutzbund meint, es gehe nicht darum, sich an ein paar Bäume in der Innenstadt zu ketten, sondern eher den ganzen Aachener Wald und dessen Probleme im Blick hat - was sicher Stoff für weiterführende Diskussionen bietet, die diesen Abend sprengen würden.

Nach knapp zwei Stunden ist der OB immer noch glücklich. Das liegt an einem interessanten Gesprächsabend, an bequemen Sesseln - und an einer weiteren positiven Nachricht. Denn der Bund will die Campusbahn fördern. „Das haben wir jetzt schriftlich”, freut sich Philipp, „das ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Debatte.” Und Stoff für weitere Arbeit.
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