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Autismus-Spendengala: Die Welt mit anderen Augen sehen

Von: Laura Hentz
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„Momo” auf der Bühne: Die jungen Darsteller überzeugten nicht nur bei der Aufführung, sie standen auch dem Intendanten des Das Da-Theaters, Tom Hirtz (rechts), und Moderator Bernd Büttgens Rede und Antwort. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Geräusche-Wirrwarr, alles ist schwarz - so sieht Xaver die Welt. Er ist Autist. „Ein Tauber kann sehen, ein Blinder kann hören. Aber ein Autist hat keinen Kanal, auf dem er Informationen un-verfälscht erhält”, erklärt eine Stimme aus dem Off. Autisten nehmen die Welt anders wahr, als andere Menschen.

„Es ist normaler geworden, ,verhaltensgestörte Kinder genauer zu betrachten. Man guckt anders hin als früher”, sagt Maria Poquett, Vorsitzende des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM). So ist zu erklären, dass heute viel mehr Menschen als früher die Diagnose Autismus erhalten. Ihrer Betreuung, Beratung und Begleitung will sich der VKM verstärkt widmen und dafür sein Personal professionell schulen. „Das kostet Geld”, sagt Poquett. Deshalb veranstaltete die Heemann-Stiftung des VKM am Sonntag ihre dritte Spendengala unter dem Motto „Mit anderen Augen” im Theater Aachen, das seine Räume für den guten Zweck kostenlos zur Verfü-gung stellte.

Mit anderen Augen sieht auch Dr. Christine Preissmann die Welt. Die Ärztin bekam erst mit 27 Jahren die Diagnose Asperger-Syndrom. Die Krankheit zeige sich zum Beispiel dadurch, dass sie alles sehr wörtlich nehme. So löste die beiläufige Bemerkung, dass in Monschau um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, bei ihr große Angst aus: „Ich habe erst mal gefragt, wie lange man noch gefahrlos durch die Straßen laufen kann.” Sie berichtete auf der Bühne von ihren Erfahrungen, und wirbt für Verständnis: „Es ist mir wichtig zu betonen, dass autistische Menschen nicht nur Schwächen, sondern auch Stärken haben.”

Der Aachener Schauspieler Karl-Walter Sprungala spielt einen Au-tisten in dem Stück „Rain Man” und berichtete, wie er sich zusam-men mit der Therapeutin Sandra Homberger in die Figur versuchte einzufühlen. „Autismus selbst eröffnet Welten, die andere Men-schen unterschätzen”, betonte Homberger. Neben den bewegenden Schicksalsberichten bot die Gala den spendablen Gästen ein sehr abwechslungsreiches Programm: Das Das-Da-Theater zeigte einen Ausschnitt aus seiner Momo-Inszenierung, an der Darsteller mit und ohne Behinderung „auf Augenhöhe” mitwirken, betonte der Regisseur Tom Hirtz.

Die Kleebachschule aus Eilendorf präsentierte ihr Schwarzlichttheater und das „Wall Street Theatre” sorgte mit Pantomime und Akrobatik für jede Menge Lacher. Auch die Aachener A-capella-Gruppe „Mit ohne Alles” bot eine beeindruckende Show.

Musikalisch durch den Abend führte die Jazzkombo „Swing it”, die durch die Stimme von Jupp Ebert ergänzt wurde. Moderiert wurde die Gala von Bernd Büttgens, dem stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung, und Angela Bätz, Schülerin der Viktor-Frankl-Schule für Körperbehinderte.
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