Auszeichnung: „Der Preis hat uns stärker gemacht“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Hohe Auszeichnung: Die Initiativen „JunepA“ und „No Muos“ erhielten am Freitag in der Aula Carolina den Aachener Friedenspreis. Foto: Andreas Herrmann
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Zuvor hatte es eine Friedensdemo durch die Stadt gegeben. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der „Humoristen-Notdienst“ hat funktioniert. Und so sorgte Kabarettist Urban Priol für eine der humorvollsten und spitzesten Lobreden der vergangenen Jahre auf die Preisträger bei der 30. Verleihung des Aachener Friedenspreises.

Fast traten diese – namentlich das deutsche „Jugendnetzwerk für politische Aktionen“ (JunepA) sowie die italienische Initiative „No Muos“ – am Freitag in der Aula Carolina ein wenig in den Hintergrund.

Doch tatsächlich ist Priol wohl nur wegen ihres gelebten zivilen Ungehorsams gekommen und zeichnete sie durch sein Erscheinen zusätzlich aus. „Ich bin mit zivilem Ungehorsam groß geworden. Heute sind wir zahm, deshalb bin ich so froh über diese beiden Organisationen“, sagte Priol zwischen seinen typischen Themensprüngen von mobilen Jodtabletten-Verkäufern, zu Beileidsbekundungen für Martin Schulz, dem Brexit, den „80er-Jahre-Plakaten der Grünen“ („Sie wollen mit der CDU, da geht gestern am besten“), Seitenhieben auf „die Kanzlerin und Schnappatmungsanfällen angesichts des grünen Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg und seinen Gebeten für „Frau Merkel“.

Priol verteilte seiner eigentlichen Aufgabe angemessen aber auch viel ernst gemeintes Lob an die beiden ausgezeichneten Organisationen: „No Muos sorgt für Aufklärung, nicht die Satellitenanlage der Nato auf Sizilien“, urteilte er angesichts des seit 2009 organisierten Widerstands der sizilianischen Initiative. Sie protestiert vor allem gegen das Satelliten-Kommunikationssystem Muos (Mobile User Objective System) auf einem amerikanischen Militärstützpunkt, das zum einen gesundheitliche Auswirkungen auf die Menschen der Insel habe, mit der aber auch bewaffnete Drohnen und andere Waffensystem gesteuert werden könnten. „Der Preis hat uns enthusiastisch gemacht. Wir sind stärker und entschlossener“, bedankten sich die nach Aachen gekommenen Italiener.

Gleiches gilt vielleicht auch für JunepA, das immer wieder im ganzen Land Unternehmen wie den Waffenhersteller Rheinmetall oder auch Militäreinrichtungen wie den Nato-Atomwaffenstützpunkt in der Eifel blockieren. Zuletzt legten sie bei den jüngsten Protestaktionen im rheinischen Braunkohlerevier bei Erkelenz ein RWE-Kohlekraftwerk lahm. „Für den Frieden braucht es alternative Energielösungen abseits von Kohle und Atom, das Ende von Gewalt durch den Staat, mehr globales Denken und lokales Handeln, die Abschaffung von Waffen, Gerechtigkeit zwischen dem globalen Süden und Norden, solidarisches Miteinander, die Öffnung aller Grenzen, zivile Konfliktlösungen und hierarchiefreie Umgangsformen“, listeten die Vertreter von JunepA Einsatzfelder auf.

Urban Priol ließ sie wissen: „Bei euch geht mir das Herz auf. Der ständige Dialog mit Gleichaltrigen ist notwendig. Überlasst Eure Zukunft nicht uns Alten!“

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